Zwölf Jungen und ihr Betreuer sind tagelang in einer Berghöhle im Dschungel Thailands eingeschlossen – und die Welt nimmt in Echtzeit an ihrer Rettung teil. Woher kommt diese Riesenwelle an Aufmerksamkeit, während woanders auf der Welt Kriege geführt werden und Menschen auf dem Mittelmeer vor Afrika ertrinken – der Tod also zum Alltag gehört?

Ein Teil der Antwort ist, dass der Mensch Mitgefühl am ehesten dort entwickelt, wo die Opfer ein Gesicht haben. Die zusammengekauerten Buben in der Höhle haben eins, genauso wie die 33 Bergleute in Chile, die 2010 freigebohrt wurden, und genauso wie die Kumpel von Lengede, die man 1963 vor den Augen ganz Deutschlands gerettet hat. So schnell wie sich der Blick der Welt auf Thailand richtete, so schnell wird er wegschwenken und weiterziehen zum Schauplatz des nächsten Dramas.

Die Touristen werden an den Stränden von Phuket oder Koh Samui liegen und aufs Meer starren. Dann ist die Rettung von gestern längst Geschichte.