Sport: Von der Spitze bis in die Breite

von Sportredakteur Ralf Mittmann

Bodensee, Schwarzwald, Hochrhein – in Deutschlands letztem Zipfele, wie Protagonisten aus Südbaden ihre Heimat gerne mit gespielter Bescheidenheit nennen, ist viel Platz, Raum und Möglichkeit, Sport zu betreiben. Auf dem Wasser und auf dem Land, auf dem Rad, dem Motorrad, dem Pferd oder auch zu Fuß, bei Sonnenschein oder im kalten Schnee. Segelregatten, jegliche Ballsportarten, Reiten, Leichtathletik und vieles mehr – der Sport gehört in nahezu allen Facetten zu dieser Region.

Spitzenfußball wird in Freiburg geboten, wo der Sportclub mit seinem ganz besonderen Trainer Christian Streich alljährlich der finanzkräftigen Bundesligakonkurrenz trotzt. Am schwäbischen Bodenseeufer pritscht und baggert der mehrmalige deutsche Volleyballmeister VfB Friedrichshafen, am badischen Bodenseeufer sind die Handballer der HSG Konstanz von der 2. Bundesliga in die 3. Liga abgestiegen, machen sich aber direkt wieder auf den Weg nach oben.

Mountainbiker finden im Schwarzwald stets die passende Strecke. Man kann es aber auch gemütlicher angehen lassen.
Mountainbiker finden im Schwarzwald stets die passende Strecke. Man kann es aber auch gemütlicher angehen lassen. | Bild: Gerhard Eisenschink, Schwarzwald Tourismus

In Singen im Hegau sind Bundesliga-Turner aktiv und es gibt jährlich einen Mountainbike-Marathon. In Donaueschingen auf der Baar steigt jeden Spätsommer oder Herbst das große CHI-Reitturnier. Die Schwenninger Wild Wings jagen in der DEL, der höchsten Liga, dem Puck nach. Und der Schwarzwald bietet den Wintersportfans mit dem Weltcupskispringen in Titisee-Neustadt oder dem Schwarzwaldpokal der Nordischen Kombinierer hochkarätigen Spitzensport, bei dem regelmäßig Topathleten aus der Heimat mit am Start sind.

Es ist ein vielfältiges Angebot, das sich sehen lassen kann, vielleicht von dem ein oder anderen sportlich orientierten Zipfelbürger aber gar nicht so wahrgenommen wird. Der Hauptgrund dafür: er ist selbst aktiv auf dem Wasser, auf Bahnen oder Pisten.

Wirtschaft: Hier sind global Player zu Hause

von Wirtschaftsredakteur Thomas Domjahn

Tief im Südwesten brummt die Wirtschaft. Die Arbeitslosenquote liegt in vielen Landkreisen bei unter drei Prozent und damit nahe der Vollbeschäftigung. Zu den größten Industriezentren unserer Region zählen Friedrichshafen, wo der Autozulieferer ZF und der Motorenbauer MTU zu Hause sind, sowie Singen am Hohentwiel, wo unter anderem der zu Nestlé gehörende Nahrungsmittelhersteller Maggi und der Schweizer Industriekonzern Georg Fischer große Werke haben.

Diesen Anblick kennt jeder: Der Maggi-Schriftzug, vom Bahnhof Singen aus fotografiert.
Diesen Anblick kennt jeder: Der Maggi-Schriftzug, vom Bahnhof Singen aus fotografiert. | Bild: Gehrmann-Röhm

Auch der Schwarzwald muss sich mit seinen vielen mittelständisch geprägten Familienunternehmen nicht verstecken. In Konstanz sind dagegen in den letzten Jahrzehnten viele Industriebetriebe abgewandert. Die Konzilstadt mit seinen beiden Hochschulen punktet eher im Bereich Forschung sowie im Dienstleistungssektor, in dem in den letzten Jahren viele erfolgsversprechende Start-ups gegründet wurden.

Bildung: Stark in der Spitze

von Politikredakteur Uli Fricker

Der Südwesten darf als Bildungslandschaft gelten, wenn auch mit einer massiven Einschränkung: Kinder und Jugendliche auf dem Land müssen erhebliche Wege auf sich nehmen, um zur nächsten Realschule oder Gymnasium zu gelangen.

Deutlich besser wird es nach dem Abitur: Freiburg verfügt über eine renommierte Voll-Universität. Und in Konstanz sitzt eine spezialisierte Reform-Uni, die 2007 in die erste Hochschul-Liga aufstieg und den Exzellenz-Titel an den Bodensee holte. Maschinenbauer und Architekten zieht es zur Fachhochschule nach Konstanz (HTWG) sowie nach Furtwangen. Jüngeren Datums sind die Dualen Hochschulen – eine sitzt in Villingen-Schwenningen, die andere in Ravensburg. Durch die enge Verflechtung in die Arbeitswelt hinein haben die Absolventen später beste Chancen auf einen Job. Als private Campus-Hochschule versteht sich die Zeppelin-Universität in Friedrichshafen (ZU). Der Anspruch dort ist ebenso hoch wie die Semestergebühren für Bachelor oder Master.

Campus zwischen Wald und Wasser: die Universität Konstanz, deren Exzellenz amtlich bestätigt ist.
Campus zwischen Wald und Wasser: die Universität Konstanz, deren Exzellenz amtlich bestätigt ist. | Bild: Uni Konstanz

Ebenfalls als feste Größe im Süden Baden-Württembergs gilt die staatliche Musikhochschule in Trossingen. Sie leistet vorzügliche Arbeit und hat ihre Schwerpunkte im Bereich Digitale Medien, Musik und Bewegung sowie Alte Musik. Mit Hochschulorchester und Hochschulchor strahlt die Musikhochschule seit Jahrzehnten als musikalisches Zentrum auf die gesamte Region aus.

Kultur: Für fast jeden etwas dabei

von Kulturredakteur Johannes Bruggaier

Der südwestliche Winkel Deutschlands ist eine Region von hoher kultureller Strahlkraft. Das Theater Konstanz genießt einen hervorragenden Ruf, die Südwestdeutsche Philharmonie wird vom Bund wegen ihrer Exzellenz gefördert, zahlreiche Museen und Galerien bieten ein kaum zu bewältigendes Ausstellungsprogramm.

Und gehen die großen Institutionen in die Sommerpause, bricht die Zeit der Festivals an. Von den Bregenzer Festspielen über Salem Open Air bis zum Southside in Neuhausen ob Eck – für jeden ist etwas dabei.

Wenn in Singen die Stars zum Hohentwiel-Festival kommen, strömen die Menschen. Hier Fans der Sängerin Sarah Connor.
Wenn in Singen die Stars zum Hohentwiel-Festival kommen, strömen die Menschen. Hier Fans der Sängerin Sarah Connor. | Bild: Tesche, Sabine

Man muss schon genauer hinschauen, um die Ungleichgewichte zu finden: Konstanz richtet sich gelegentlich allzu gern in seinem historischen Erbe ein, zeitgenössische Kunst hat es hier schwerer als etwa in Singen (Kunstmuseum) oder Donaueschingen (Museum Art.Plus). Letztere Stadt wiederum bringt zwar die Avantgarde in den Schwarzwald, nicht zuletzt mit ihren legendären Musiktagen. Dafür sind in der Nachbarregion vergleichbare Angebote rar. Ähnliches gilt für den Hochrhein, wo man im Zweifel nach Basel fährt. Der Südwesten als Kulturregion: Dieses Image gilt vor allem für den Bodensee, andere Regionen haben noch Luft nach oben.

Lebensqualität: Kaum zu übertreffen

von Beilagen-Redakteurin Beate Schierle

Es gibt nur wenige Ecken in Deutschland, in denen es schöner ist als hier. Der Bodensee ist ein erstklassiges Ziel für Wassersportler, die Alpen sind nah, im Schwarzwald kann man wandern und Ski laufen, und am Hochrhein bieten der Rhein und der nahe Hotzenwald ebenfalls Lebensqualität pur.

Vom südlichen Bodensee-Ufer und vom Hochrhein aus ist man rasch in den Schweizer Kulturstädten Basel oder Zürich. Wenn da nur nicht das Kernkraftwerk Leibstadt auf der Schweizer Seite vor sich hindampfte! Die Menschen schätzen gute Küche, es gibt nur wenige Regionen Deutschlands mit einer so hohen Dichte von exzellenten Restaurants.

Wasser, Berge, Landschaft: Blick auf die Halbinsel Mettnau, Radolfzell.
Wasser, Berge, Landschaft: Blick auf die Halbinsel Mettnau, Radolfzell. | Bild: Achim Mende

Ein großer Schwachpunkt ist die schlechte Verkehrsanbindung. Von Konstanz aus muss man erst einmal 20 Minuten fahren, bis man auf deutscher Seite eine ausgebaute Schnellstraße erreicht. Auch am Hochrhein schiebt sich die A 98 nur sehr langsam voran, von den Dauerstaus am nördlichen Bodenseeufer auf der B31 ganz zu schweigen. Das kostet Einheimische und Touristen Zeit und Nerven. In beklagenswertem Zustand ist auch das Bahnnetz: Wer häufig von Singen nach Basel fährt, kennt die Missstände mit den auf neu getrimmten stets zu kurzen Regionalzügen, deren Vorgänger im Vergleich dazu geradezu in rosigem Licht erscheinen.