Wenn selbst ein Pornofilmhändler von einem „Riesenskandal“ spricht, dann muss es sich in der Tat um mehr als bloß einen Missstand handeln. Es geht um Pornografie im Internet, aber nicht ihre pure Existenz, sondern ihre permanente Verfügbarkeit auch für Altersgruppen, die dafür entschieden zu jung sind: Bei entsprechenden Internetangeboten aus dem Ausland genügt es, mit einem Mausklick zu versichern, dass der Nutzer volljährig ist. So haben auch Kinder jederzeit Zugriff zu Darbietungen, die selbst auf manche Erwachsene eine verstörende Wirkung haben können.

ARCHIV – Zum Themendienst-Bericht von Ann-Kathrin Marr vom 13. April 2018: Auf die FSK-Angaben auf der Hülle einer DVD allein sollten sich Eltern nicht verlassen. Die Beschränkung ist nicht mit einer pädagogischen Empfehlung zu verwechseln. (Archivbild vom 23.03.2018/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.)
ARCHIV – Zum Themendienst-Bericht von Ann-Kathrin Marr vom 13. April 2018: Auf die FSK-Angaben auf der Hülle einer DVD allein sollten sich Eltern nicht verlassen. Die Beschränkung ist nicht mit einer pädagogischen Empfehlung zu verwechseln. (Archivbild vom 23.03.2018/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) | Bild: Andrea Warnecke/dpa

Das Ausmaß der Misere lässt sich nur erahnen, denn über die Wirkung des allzu frühen Pornokonsums streiten sich die Gelehrten ebenso wie über die Wirkung von Gewaltdarstellungen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vertritt die Haltung, Jugendliche seien in der Lage, zwischen Darstellungen und der Wirklichkeit zu differenzieren.

Strenge Altersfreigaben für Kino und Fernsehen

Es gibt aber auch Studien, die erschreckend klingen: Regelmäßiger Pornokonsum erhöhe die Neigung zur Anwendung sexueller Gewalt. In der Dokumentation „Milliardengeschäft Porno – Internet-Sex ohne Jugendschutz“ berichtet eine Pornodarstellerin von inszenierten Vergewaltigungen. Laut Autor Christian Stracke zeigten die erfolgreichsten Pornofilme männliche Dominanz, Demütigung und Gewalt gegen Frauen; das dürfte erklären, warum die Konsumenten dieser Ware zu achtzig Prozent Männer sind.

Bild: dpa

In den Bereichen Kino und Fernsehen funktioniert der Jugendmedienschutz ziemlich gut. Fürs Kino gelten strenge Altersfreigaben, und im Fernsehen dürfen Sendungen, die für Jugendliche unter zwölf Jahren nicht geeignet sind, erst nach 20 Uhr ausgestrahlt werden. Filme ab 16 Jahren dürfen erst nach 22 Uhr laufen. Seit Jahren beklagen Jugendschützer allerdings, dass sich ihr Metier zunehmend unglaubwürdig mache, weil im Internet zumindest aus Sicht der Nutzer anscheinend alles erlaubt sei. Dort können Kinder und Jugendliche auf Spielarten von Sexualität stoßen, die vom klassischen Blümchensex sehr weit entfernt sind.

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Die Erziehungswissenschaftlerin Sabine Maschke hat bei einer Befragung von 3000 hessischen Schülern zwischen 14 und 16 Jahren herausgefunden, dass die sexuelle Gewalt unter Jugendlichen deutlich zugenommen habe. Laut ihrer Studie haben 35 Prozent der befragten Mädchen bereits Erfahrungen mit sexualisierter körperlicher Gewalt gemacht. Maschke sieht einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Pornokonsum männlicher Jugendlicher und der Ausübung von sexueller Gewalt.

Jugendmedienschutz hätte ein Problem

Die große Frage ist, was sich dagegen unternehmen lässt, zumal sich die Hoffnungen des Gesetzgebers, die Pornoflut durch Filtersoftware einzudämmen, zerschlagen haben: Die für die inhaltliche Aufsicht über Privatfernsehen und Internet zuständige Kommission für Jugendmedienschutz hat das Jugendschutzprogramm JusProg für unwirksam erklärt. Dabei klingt diese Software wie die Lösung, denn sie lässt nur Angebote durch, die auch für Kinder freigegeben sind. Das Programm kennen aber nur wenige Eltern. Die Entscheidung der KJM steht im Widerspruch zur Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM), die JusProg anerkennt. Sollten sich die beiden Einrichtungen nicht einigen können, hätte der Jugendmedienschutz ein Problem.

Die Dokumentation „Milliardengeschäft Porno – Internet-Sex ohne Jugendschutz“ ist am Donnerstag, 23. Mai, ab 20.15 Uhr auf ZDFinfo zu sehen.