Den bisherigen Ermittlungen zufolge war Mickaël Harpon vor rund zehn Jahren zum Islam übergetreten. Seit einiger Zeit vertrat er Staatsanwalt Ricard zufolge zunehmend radikalere Auffassungen. Unter anderem verteidigte er den von Islamisten verübten Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ im Jahr 2015, wollte seine Kontakte zu Frauen einschränken und besuchte die Moschee nur noch in traditioneller muslimischer Kleidung.

Polizisten sichern nach einem Messerangriff im Zentrum von Paris den Tatort. Ein mit einem Messer bewaffneter Angreifer hat in Paris einen Menschen getötet und mehrere weitere verletzt. Es gebe zwei Schwer- und zwei Leichtverletzte, teilte die Polizeipräfektur am Samstagabend auf Twitter mit. Die Polizei tötete den Angreifer.
Polizisten sichern nach einem Messerangriff im Zentrum von Paris den Tatort. Ein mit einem Messer bewaffneter Angreifer hat in Paris einen Menschen getötet und mehrere weitere verletzt. Es gebe zwei Schwer- und zwei Leichtverletzte, teilte die Polizeipräfektur am Samstagabend auf Twitter mit. Die Polizei tötete den Angreifer. | Bild: Han Bing/XinHua/dpa

Täter nutzte zwei Messer

Vor seinem Angriff tauschte Harpon mit seiner Frau 33 SMS aus, die ausschließlich religiöse Inhalte hatten, wie Ricard berichtete. Bei seiner Tat sei er dann mit großer Brutalität vorgegangen.

Polizisten sichern nach einem Messerangriff im Zentrum von Paris den Tatort. Ein mit einem Messer bewaffneter Angreifer hat in Paris einen Menschen getötet und mehrere weitere verletzt. Es gebe zwei Schwer- und zwei Leichtverletzte, teilte die Polizeipräfektur am Samstagabend auf Twitter mit. Die Polizei tötete den Angreifer.
Polizisten sichern nach einem Messerangriff im Zentrum von Paris den Tatort. Ein mit einem Messer bewaffneter Angreifer hat in Paris einen Menschen getötet und mehrere weitere verletzt. Es gebe zwei Schwer- und zwei Leichtverletzte, teilte die Polizeipräfektur am Samstagabend auf Twitter mit. Die Polizei tötete den Angreifer. | Bild: Thibault Camus/AP/dpa

Binnen sieben Minuten erstach Harpon demnach mit einem Küchen- und einem Austernmesser, die er zuvor gekauft hatte, vier Kollegen und verletzte zwei weitere, bevor er von einem Polizisten erschossen wurde.

Seit mehr als 15 Jahren im Dienst der Polizei

Der Täter war seit 2003 im Polizeipräsidium angestellt, zuletzt arbeitete er für den IT-Bereich der nachrichtendienstlichen Abteilung der Pariser Polizei (DRPP), die unter anderem für den Kampf gegen Extremisten zuständig ist.

Ein Einschussloch ist nahe der Stelle, an dem ein Angreifer am Tag zuvor von der Polizei erschossen wurde, im Fenster eines Cafés zu sehen. Ein mit einem Messer bewaffneter Angreifer hat in Paris einen Menschen getötet und mehrere weitere verletzt, die Polizei tötete den Angreifer.
Ein Einschussloch ist nahe der Stelle, an dem ein Angreifer am Tag zuvor von der Polizei erschossen wurde, im Fenster eines Cafés zu sehen. Ein mit einem Messer bewaffneter Angreifer hat in Paris einen Menschen getötet und mehrere weitere verletzt, die Polizei tötete den Angreifer. | Bild: Thibault Camus/AP/dpa

Die Polizei war zunächst von der Tat eines psychisch labilen Mannes ausgegangen. Innenminister Christophe Castaner hatte am Donnerstag am Tatort gesagt, der Mann habe „nie Verhaltensauffälligkeiten gezeigt“ und seinen Angriff auch nicht angekündigt. Da er schwerhörig war, galt er als behindert, zudem soll er laut Medienberichten vor der Tat „Stimmen“ gehört haben.

Auch Geheimdienste in Aufklärung involviert

Premierminister Philippe kündigte nun zwei Aufklärungsschritte an: Diese beträfen neben der nachrichtendienstlichen Abteilung der Pariser Polizei auch alle Geheimdienste, die sich mit Extremismus befassen, sagte Philippe der Zeitung „Journal du Dimanche“.

Die Untersuchung zur Pariser Polizei soll demnach bis Ende Oktober abgeschlossen sein. Sie soll offenlegen, ob die internen Mechanismen für den Fall einer Radikalisierung von Mitarbeitern umgesetzt wurden.

Die zweite Mission zu allen Geheimdiensten ziele darauf ab, die internen Prozesse zur Aufdeckung radikaler Mitarbeiter zu überprüfen. Ergebnisse hierzu würden bis Ende des Jahres vorliegen.

Gedenkfeier angekündigt

Vier Jahre nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 mit 130 Todesopfern sorgte der Messerangriff vom 3. Oktober erneut für große Sorge in Frankreich. Der Elyséepalast kündigte für Dienstagvormittag eine Gedenkfeier für die Opfer des Angriffs im Polizeipräsidium an, an der auch Präsident Emmanuel Macron teilnehmen.

Abgeordnete der rechten und rechtsextremen Opposition forderten unterdessen einen Untersuchungsausschuss zu den Hintergründen. Der Chef der konservativen Les Républicains (LR), Christian Jacob, sprach von einer „schwerwiegenden Affäre“. Sie betreffe die „Sicherheit und die Wirkkraft unserer Sicherheitsdienste“.

Die Vorsitzende der rechtspopulistischen Nationalen Sammlungsbewegung, Marine Le Pen, verlangte eine „vollständige Überprüfung der islamistischen Radikalisierung“ unter Staatsbediensteten. Einige LR-Abgeordnete verlangten zudem den Rücktritt von Innenminister Castaner. Dieser habe sich für sein Amt „diskreditiert“, sagte der LR-Vertreter Eric Ciotti.