In den seltensten Fällen sind Cyborgs heute künstlich verbesserte Menschen. Viel häufiger sind es Menschen, die durch Krankheiten oder Unfälle bestimmte Fähigkeiten verloren haben – und denen Technik zumindest etwas Besserung verschaffen kann. Ein Überblick, wo heute schon künstliche Bauteile Menschen das Leben erleichtern:

  • Gehörlosigkeit

Wie Enno Park gibt es noch Zehntausende andere Deutsche, die ihren Hörverlust mit einem technischen Implantat ausgleichen. Das sogenannte Cochlea-Implantat sitzt am Schädel auf und wandelt Schall in elektrische Impulse um. Die Elektroden verlaufen dann durch den Schädel und setzen direkt in der Hörschnecke im Innenohr an. Voraussetzung ist hier, dass der Hörnerv noch intakt ist. Das von den Patienten gehörte ist jedoch nicht mit dem Hören gesunder zu vergleichen, die Signale werden oft als blechern oder roboterhaft beschrieben. Je nach Patient variiert deswegen die empfundene Verbesserung des Hörvermögens stark.

  • Erblindung

Bei Menschen, die ihr Augenlicht verloren haben, zeigt sich schon das derzeit noch größte Problem beim Ersatz menschlicher Organe durch technische Systeme. Die Funktion des Auges an sich, das Sehen, ließe sich durch eine Kamera an sich leicht ersetzen. Nur ist es sehr schwer, die Signale elektrischer Bauteile für das Nervensystem verständlich zu machen. Dennoch kann man schon heute Menschen helfen, die etwa an altersbedingter Makuladegeneration leiden, also nach und nach ihr Augenlicht verlieren. Ihnen kann ein Implantat in die Netzhaut eingesetzt werden, bei dem Photodioden das eintreffende Licht in elektrische Impulse umwandeln. Allerdings: Patienten mit diesem Implantat können mit der heutigen Technik meist nur sehr grob Formen erkennen, teilweise sogar nur Hell-Dunkel-Unterschiede.

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  • Fehlende Gliedmaßen

Prothesen, die Arme, Beine, Füße oder Hände ersetzen, sind an sich keine neue Entwicklung. Jedoch kommen moderne, mikroelektrische Prothesen immer näher an die Funktionalität der natürlichen Gliedmaßen heran. Ein Beispiel sind etwa Handprothesen. Hier besteht neben der Schwierigkeit, die Steuerung aller Finger zu koordinieren, auch das Problem, dass zum Tasten und Greifen eigentlich auch eine Rückmeldung der Finger, ein Gespür in den künstlichen Greifern nötig ist. Unter anderem daran arbeiten Wissenschaftler. Auch hier sind selbst modernste Prothesen natürlichen Händen noch unterlegen – können für Betroffene im Alltag aber dennoch eine sehr große Hilfe sein.

  • Parkinson

Ähnlich wie ein Herzschrittmacher die richtige Funktion des Herzens sicherstellen kann, kann ein Hirnschrittmacher bestimmte Erkrankungen des Gehirns einschränken. Im Vergleich zum Herzschrittmacher ist er aber deutlich weniger verbreitet. Am häufigsten kommt er bei Parkinson-Kranken zum Einsatz. Die tiefe Hirnstimulation, die vom Hirnschrittmacher ausgeht, kann das typische Zittern mildern. Auch bei psychischen Erkrankungen, Epilepsie oder dem Tourette-Syndrom kommen sie teilweise zum Einsatz. Die Elektroden werden unter der Schädeldecke direkt auf den entsprechenden Hirnarealen platziert. Bei der Operation wird deswegen der Schädel aufgebohrt. Auch hier gilt: Gesund wird durch den Hirnschrittmacher niemand, doch hat er sich zur Beschränkung der Symptome durchaus bewährt. Er ist dennoch ethisch umstritten, weil es möglich sein könnte, dass er durch die Hirnstimulation den Charakter der Patienten beeinflusst.