Ob Hotelübernachtung, neue Waschmaschine oder Restaurantbesuch: Wer etwas unternehmen möchte oder etwas kaufen will, schaut sich oft zuvor im Internet an, wie andere Menschen das Produkt oder die Unterkunft bewerten. Die Weisheit der Masse kann ja schließlich nicht irren und ist ein guter Richtwert für eine Entscheidung. Von wegen. Viele Kundenmeinungen sind gefälscht oder nur schwer als echt nachprüfbar. Wer sich auf sie verlässt, trifft eine falsche Entscheidung. Das muss aber nicht sein. So trennt man korrekte Entscheidungshilfen von böswilligen Manipulationen.

Wer steckt hinter falschen Bewertungen?

Dahinter verbergen sich teils professionelle kriminelle Strukturen. Michael Ambros ist Gründer und Geschäftsführer von eKomi, einer Firma, die dafür sorgt, dass auf Shopping-Seiten nur belastbare Nutzerbewertungen stehen. Er kennt die Tricks der Fälscher: „Es gibt teilweise ganze Firmen, die irgendwo im Ausland sitzen, und auf Bestellung gegen Gebühr massenweise gefälschte Bewertungen schreiben, die möglichst realistisch wirken. Dieselbe Manipulation ist mit automatischen Bots möglich.“

Michael Ambros, Gründer und Geschäftsführer von eKomi.
Michael Ambros, Gründer und Geschäftsführer von eKomi. | Bild: eKomi

Wer seine eigenen Bewertungen aufpolieren oder die eines Konkurrenten runterziehen will, muss deswegen nur Geld investieren und kann die scheinbare Meinung so beeinflussen.

Woran erkenne ich diese Fake-Meinungen?

Dafür gibt es verschiedene Anzeichen. „Wenn bei einer Bewertung überhaupt nicht ersichtlich ist, ob der Bewertende das Produkt überhaupt gekauft hat oder am entsprechenden Ort überhaupt war, ist immer Vorsicht geboten“, erklärt Ambros. Hier kann dann theoretisch jeder zu allem eine Bewertung abgeben – eine Einladung für Manipulation. Verdächtig ist auch, wenn ein ganz neues Produkt bereits sehr viele Bewertungen hat – normale Nutzer bewerten meist nicht sofort ihren Kauf, sondern sammeln erst Erfahrungen.

In manchem Paket wartet nach einer gefälschten Bewertung eine böse Überraschung.
In manchem Paket wartet nach einer gefälschten Bewertung eine böse Überraschung. | Bild: Christin Klose/dpa

Und wenn sich eine Bewertung exakt wie ein Werbetext liest, sollte das zumindest stutzig machen. Bei einigen Diensten kann man auch schauen, ob der bewertende Nutzer auch zu anderen Produkten seine Meinung abgegeben hat – hier erkennt man meist recht gut, ob es ein echter Nutzer ist. Kein Hinweis ist dagegen die Rechtschreibung und Grammatik – sie kann sowohl bei echten als auch bei falschen Bewertungen sehr gut oder sehr schlecht sein.

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Auf welche Bewertungen kann man sich wirklich verlassen?

Es gibt Siegel, die garantieren, dass die Bewertungen echt sind. Das sind etwa der TÜV oder Ambros‚ eKomi. Das Prinzip dahinter ist recht simpel: „Bei uns erhalten Kunden erst die Gelegenheit ein Produkt zu bewerten, wenn eine Transaktion zu Grunde liegt – also ein Kauf, ein Download, eine Übernachtung und so weiter. Erst dann erhalten sie einen Link, über den sie ihre Erfahrungen beschreiben können“, erklärt Ambros. eKomis Art der Bewertung bewertet auch der TÜV als sicher und belastbar. Kein System der Welt kann allerdings davor schützen, das Kunden aus Frust übermäßig schlechte Bewertungen abgeben – Skepsis ist also immer angebracht.

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Schaut die Politik den Fake-Bewertungen tatenlos zu?

Falsche Bewertungen können zu Rufmord ausarten, in jedem Fall aber geschäftsschädigend sein. Nachdem lange Jahre wenig passiert ist, hat sich jetzt das Bundeskartellamt den Manipulationen angenommen – immerhin verschaffen sie den Firmen, die sie beauftragen, einen unerlaubten Wettbewerbsvorteil. Es gibt zudem auf internationaler Ebene Bemühungen, Normen für die Online-Bewertungen zu erarbeiten. Bis diese rechtlich bindend werden, kann es aber noch dauern.

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