Der Buchfink ist die Big Band in der Vogelwelt. Er ist ein großer und ausdauernder Musiker, der gleich mehrere Instrumente auf einmal zu spielen imstande ist. "Finkenschlag" nennt man sein Musikstück, das er bisweilen mehrere Hundert Mal pro Stunde aufführt. Wikipedia hat seine Musik in Buchstaben übertragen. Demnach singt der Buchfink "zizizizjazjazoritiu-zip". Erkennen Sie die Melodie?

Dieser Buchfink hat Dichter wenig interessiert. Anders als die Nachtigall ist der Buchfink rein literarisch betrachtet ein ziemlicher Totalausfall.

Das hat sich jetzt geändert. Wir verdanken den literarischen Aufstieg des Buchfinken Herrn Ekkehard Faude, seines Zeichens Verleger des kleinen, feinen Libelle-Verlags. Am 28. Mai kreierte Faude auf Facebook den Lexikon-Eintrag "Buchfinkenplage": "Unter Buchfinkenplage versteht man das zehnsekündlich wiederholte krachlaute Geschmetter ein und derselben dürftigen Tonfolge durch einen einzigen Vogel." Es schlossen sich in den Tagen darauf zunächst fünf Finkengedichte an, die diese Plage literarisch verarbeiteten, zum Beispiel im Finkengedicht Nummer drei: "Der Buchfink, ich notier's mit Graus, braucht wohl auch keine Mittagspaus." Plötzlich wurde der Buchfink zum Medienstar. Die neue literarische Gattung der Buchfinkenplagelieder griffen andere Poeten auf, es entstand eine ganze Schule der Buchfinkendichtkunst. Ich möchte als besonders schönes Beispiel das Gedicht von Karin B. zitieren:

"Draußen sitzt auf einer Staude / ein Buchfink und pfeift vor sich hin. /Drinnen sitzt Ekkehard Faude, / nach Pfeifen steht ihm nicht der Sinn. / Auch nicht, dass er das Pfeifen lobt! / Stattdessen wütet er und tobt, / des Buchfinks Pfeifen grell statt zart, / das stört ihn sehr, den Ekkehard. / Geht hart mit Buchfink ins Gericht. / Den Buchfink draußen stört das nicht."

Dass Faude mit dem Buchfink nur wegen dessen Gesang so hart ins Gericht geht, kann ich mir nicht vorstellen. Was will uns der Dichter damit sagen, fragte ich mich. Nun, Faudes Verlag heißt Libelle. Eine "hübsch exotische" Namenswahl, wie es auf der Homepage des Verlags heißt. "Sieht eine Libelle in Ruhestellung mit ausgestellten Flügeln nicht book-alike aus?", wird dort gefragt. Tatsächlich sind Libellen, zum Beispiel die Adonisjungfer, ausgesprochen filigrane Schönheiten. Dann habe ich gelesen, dass der Buchfink durchaus auch Insekten verspeist. Ich fand sogar ein Bild, das ihn mit einer Libelle im Mund zeigt. Aha! Das muss der wahre Grund für Faudes Buchfinkenplagelieder sein. Deshalb sei mir zum Schluss ein kleiner Beitrag zu dieser Gattung erlaubt: Der Buchfink frisst, so auf die Schnelle / ganz gern auch mal eine Libelle / und verdirbt so, wen nimmt es wunder, den Alltag der Adonisjungfer.