An Helden, großen und kleinen, mangelt es jetzt nicht. An Thailands Höhlendrama, das die Welt so lange in Atem gehalten hat, haben viele mitgeschrieben. Die Taucher. Die Ärzte. Die Freiwilligen. Der Provinz-Gouverneur mit dem gelben Tuch, der blauen Kappe und dem so furchtbar komplizierten Namen. Vor allem aber: die zwölf Spieler der Fußballjugend aus der Kleinstadt Mae Sai selbst. Und, trotz allem, auch ihr Trainer.

Schülerin einer Schule unweit des Krankenhauses in Chiang Rai grüßen die Jungen.
Schülerin einer Schule unweit des Krankenhauses in Chiang Rai grüßen die Jungen. | Bild: AFP

Wenn man so will, kann man Pi Ekk („Bruder Ekk“), wie ihn die Leute nennen, jetzt natürlich an allem die Schuld geben. Der 25-Jährige Ekkapol Chantawong war es schließlich, der die überaus leichtsinnige Idee hatte, das Team der „Wildschweine“ nach einem Training mitten in der Regenzeit in die Höhle zu bringen.

Dort saß er dann seit dem 23. Juni mit dem Dutzend Kinder von 11 bis 16 Jahren fest. Möglicherweise muss der frühere Buddhistenmönch deshalb jetzt mit Ermittlungen rechnen. Die Polizei von Mae Sai lässt bislang offen, ob sie gegen ihn vorgehen wird. Vermutlich eher nicht.

Die Eltern haben ihm schon verziehen. In einem Brief, der veröffentlicht wurde, als das Drama noch lief, heißt es: „Mach Dir keine Vorwürfe. Niemand von den Eltern ist irgendwie böse auf Dich. Mach Dir keine Sorgen.“ Nach allem, was man weiß, hat sich der Mann rührend um seine Schützlinge gekümmert. Er überließ ihnen das wenige Essen, mahnte sie, nicht unnötig Energie zu verschwenden, brachte ihnen auch bei, zu meditieren.

Die letzten vier Rettungstaucher nach Verlassen der Höhle.
Die letzten vier Rettungstaucher nach Verlassen der Höhle. | Bild: AFP/ROYAL THAI NAVY

Unterdessen wurden weitere Einzelheiten der riskanten Rettungsaktion bekannt. Die Jungen seien betäubt und auf Tragen aus der Höhle gebracht worden, schilderte ein beteiligter Rettungstaucher. „Einige von ihnen haben geschlafen, einige von ihnen haben mit ihren Fingern gewackelt ... groggy, aber sie haben geatmet“, sagte Chaiyananta, der früher der Marinesondereinheit Thai Navy Seals angehörte.

14-Jähriger regelte Kommunikation

Jetzt liegen Trainer und Team wieder vereint im Krankenhaus der Provinzhauptstadt Chiang Rai. Drei Jungen haben eine leichte Lungenentzündung. Im Schnitt haben die Kinder zwei Kilo Gewicht verloren. Amtsarzt Thongchai Lertvilairattanapong lobte aber ihren „sehr guten mentalen Zustand“. „Wahrscheinlich, weil sie die ganze Zeit als Team verbrachten, wo einer dem anderen hilft.“

 

Das meiste Lob kriegt jedoch Adul Sam-On, der als einziger der Gruppe gut Englisch spricht (und auch noch Thai, Burmesisch und Mandarin). Über ihn lief die Kommunikation mit den ausländischen Rettern. Der 14-Jährige ist – wie der Trainer und zwei Mitspieler – nicht einmal Thai. Er gehört zur Minderheit der Wa, die in Myanmar, auf der anderen Seite der Grenze, verfolgt wird.

Einen Pass hat er nicht. Die Eltern brachten den Staatenlosen vor ein paar Jahren aus Myanmar auf eine Baptistenschule nach Mae Sai. Sie legen größten Wert auf gutes Benehmen. An seiner Schule sind auf Adul nun alle sehr stolz. Jetzt hofft die ganze Klasse, dass er bald zurückkommt. „Auch, weil die jetzt keinen haben, von dem sie die Hausaufgaben abschreiben können“, sagt seine Lehrerin Piyarat Yodsuwan.

In der Nacht nach dem Happy End wurde in der 20 000-Einwohner-Stadt überall gefeiert. Die Verwunderung, dass die ganze Welt Anteil am Schicksal ihrer Fußballer nimmt, ist noch einigermaßen groß. Normalerweise interessiert kaum jemanden, wenn in Asien während der Monsun-Monate Menschen sterben. In Nepal und Indien zum Beispiel gab es bei Unwettern wieder Dutzende Tote.

Ende mit trauriger Nachricht

Maßgeblich an der erfolgreichen Rettung beteiligt war der Arzt Richard Harris. Er hatte einen geplanten Urlaub abgesagt und war als Mitglied eines 20-köpfigen australischen Expertenteams nach Thailand gereist, um dem Fußballteam zu helfen. Wegen seiner Fähigkeiten und seiner Erfahrung war der Anästhesist eigens angefordert worden.

Den Arzt Richard Harris (links sein Tauchpartner) erreichte nach der Rettung der Kinder die Nachricht vom Tod seines Vaters.
Den Arzt Richard Harris (links sein Tauchpartner) erreichte nach der Rettung der Kinder die Nachricht vom Tod seines Vaters. | Bild: DEPARTMENT OF FOREIGN AFFAIRS/AAP/dpa

Doch die Freude des Australiers wird durch eine traurige Nachricht getrübt: Als der erfahrene Arzt und Taucher als einer der letzten die Höhle verließ, erfuhr er vom Tod seines Vaters. Auch so kann das Leben spielen.