Acht Jahre lang hatte die wegen Gotteslästerung verurteilte Pakistanerin Asia Bibi im Gefängnis auf den Tod gewartet. Sie war keine normale Gefangene: die um die 50 Jahre alte Katholikin lebte in streng bewacht in einer winzigen Einzelzelle und musste sich ihr Essen selbst zubereite, weil die Gefängnisleitung fürchtete, sie könne von islamischen Fanatikern gelyncht oder vergiftet werden.

Ausgeflogen aus Islamabad

Seit Mittwochnacht ist Bibi keine Gefangene mehr: die Christin, deren Fall Pakistans religiöse Hardliner auf den Plan rief, wurde in einem Flugzeug aus der Haftanstalt in der Stadt Multan nach Islamabad ausgeflogen. Dort sollen sie die Behörden zusammen mit ihrer Familie an einem sicheren Ort versteckt halten. Über ihr weiteres Schicksal will sich Pakistans Regierung nicht äußern.

„Hängt Asia“ fordern Anhänger extrem religiöser Parteien auf einer Demonstration im pakistanischen Karatschi, nachdem die Christin Asia Bibi vom Vorwurf der Gotteslästerung freigesprochen wurde.
„Hängt Asia“ fordern Anhänger extrem religiöser Parteien auf einer Demonstration im pakistanischen Karatschi, nachdem die Christin Asia Bibi vom Vorwurf der Gotteslästerung freigesprochen wurde. | Bild: AFP

"Sie ist in Pakistan", versicherte der Sprecher des pakistanischen Außenministeriums, Muhammad Faisal . "Sie ist an einem sicheren Ort in Pakistan". Ein Kommentar von Bibis Anwaltes, Saif ul-Mulook, hatte zuvor für Verwirrung gesorgt, der nahzulegen schien, Bibi und ihre Familie seien auf dem Weg in die Niederlande. Mulook selbst wurde inzwischen Asyl in Holland angeboten.

Grünen-Politiker fordert Schutz für Asia Bibi

Der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour appellierte an die Bundesregierung, in dieser dramatischen Situation zu handeln und der Katholikin und ihrer Familie Schutz in Deutschland anzubieten. Nouripour erklärte: „Im Moment ist Asia Bibis Schicksal unklar. Der Freispruch vor Gericht bedeutet für sie weder Freiheit noch Sicherheit.“

Pakistans Regierung in der Klemme

In der vergangenen Woche hatte das Oberste Gericht das Todesurteil gegen Bibi aufgehoben, weil die Anklage nicht beweisen konnte, dass die Christin sich abfällig über den Propheten Mohammed geäußert habe. Der Freispruch erzürnt die islamischen Parteien Pakistans, deren aufgehetzte Anhänger tagelang auf den Straßen des Landes randalierten, Passanten angriffen und Läden plünderten. Die religiösen Hardliner fordern die Hinrichtung von Bibi und der verantwortlichen Richter.

Die Regierung schien sich nach mehreren Tagen dem Druck des Mobs zu beugen und willigte ein, eine Ausreisesperre gegen zu freigesprochene Bibi zu verhängen. Später ruderte sie wieder zurück und erklärte, dies liege allein in der Hand des Gerichtes, da Bibi nicht schuldig gesprochen sei. Der Versuch der Regierung, den Zorn der Islamisten im Zaum zu halten, aber gleichzeitig rechtsstaatliche Prinzipien durchzusetzen und Bibi zu schützen, wurde zu einem delikaten Balanceakt.

Appelliert an die Bundesregierung, Asia Bibi Asyl und ihrer Familie Schutz in Deutschland zu gewähren: Der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour.
Appelliert an die Bundesregierung, Asia Bibi Asyl und ihrer Familie Schutz in Deutschland zu gewähren: Der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour. | Bild: dpa

Pakistans mächtiges Militär verhält sich den Protesten gegenüber neutral. Ihre unheilige Allianz mit den religiösen Extremisten geht einher mit einer Radikalisierung des Landes. Die Islamisierung einer einstmals liberalen Gesellschaft erzeugen ein immer stärkeres Klima der Angst und Verfolgung.