Der Diensthund des verstorbenen US-Präsidenten George H. W. Bush hält seinem Herrchen die Treu – und das sogar über dessen Tod hinaus. Der junge Hund namens Sully begleitete am Montag den Sarg auf der Reise mit dem Flugzeug Air Force One des US-Präsidenten Donald Trump vom texanischen Houston in die US-Hauptstadt Washington.

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton besuchte im Juni dieses Jahres George H. W. Bush, als dieser Sully bekam.
Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton besuchte im Juni dieses Jahres George H. W. Bush, als dieser Sully bekam. | Bild: dpa, Evan F. Sisley

Auf der für den sandfarbenen Labrador unter sullyhwbush eingerichteten Seite im Onlinedienst Instagram heißt es unter einem Foto des vor dem Sarg liegenden Hundes „Mission Complete“ (Mission abgeschlossen). Dazu der Hashtag #Remembering41 für den 41. US-Präsidenten, der am Freitag im Alter von 94 Jahren in Houston starb.

Nachdem Bushs Frau Barbara im April nach 73-jähriger Ehe starb, wurde Sully der Begleiter des ehemaligen Präsidenten, der von 1989 bis 1993 amtierte und zuletzt an Parkinson erkrankt war. Benannt ist der Hund nach dem Piloten Chesley „Sully“ Sullenberger III., der 2009 einen beschädigten Airbus mit 155 Menschen an Bord sicher auf dem Hudson-Fluss in New York notwasserte.

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Sully wurde Bush, der im Zweiten Weltkrieg als Marinepilot im Einsatz war, von America’s VetDogs zur Verfügung gestellt. Die Vereinigung bildet Hunde für Kriegsveteranen aus, die verletzt wurden oder an posttraumatischen Folgen leiden. Für Sully beginnt jetzt eine neue Aufgabe: Er tritt in die Dienste des Militärhospitals Walter Reed bei Washington.

Bush war immer ein Hundefreund: Auf diesem Bild von 1992 ist er mit seiner Frau Barbara und Hund Millie zu sehen.
Bush war immer ein Hundefreund: Auf diesem Bild von 1992 ist er mit seiner Frau Barbara und Hund Millie zu sehen. | Bild: dpa

Holger Schüler, Hundeerziehungsberater aus Stein-Bockenheim in Rheinland-Pfalz, überrascht das Verhalten des Begleithundes nicht: „Es ist falsch zu denken, dass Tiere nicht trauern“, erklärte er. „Hunde trauern sehr, ob es nun der Verlust ihres tierischen Partners oder das Herrchen ist. Sie brauchen ihre Trauerzeit.“

Hundeerziehungsberater Holger Schüler: „Hunde trauern sehr, ob es nun der Verlust ihres tierischen Partners oder das Herrchen ist. Sie brauchen ihre Trauerzeit.“
Hundeerziehungsberater Holger Schüler: „Hunde trauern sehr, ob es nun der Verlust ihres tierischen Partners oder das Herrchen ist. Sie brauchen ihre Trauerzeit.“ | Bild: Lisa Gramlich/Frank Serr Showservice

Manchmal lägen sie stunden- und tagelang auf Gräbern eines Verstorbenen: „Die Verbindung zwischen Mensch und Tier kann sehr stark sein.“ Der Hund von George Bush war zudem ein Begleit- oder Assistenzhund. „Da gibt es zwei Aspekte“, erklärt Holger Schüler. „Zum einen die Aufgabe, die der Hund ja hatte und die durch den Tod des Herrchens wegfällt.“ Dazu komme noch die emotionale Beziehung des Hundes zu seinem Herrchen.

Wenn der eigene
Hund trauert

Auch Tiere vermissen ihren geliebten Menschen oder Hundekumpel. Hundeerziehungsberater Holger Schüler gibt Tipps:

 

  • Der Verlust bahnt sich an: „Hunde spüren es in den letzten Wochen eines Menschen, dass etwas anders ist“, sagt Schüler. Sie verhalten sich dann auch selbst anders, bleiben oft näher bei ihrem Menschen.
  • Was tun nach der Beerdigung eines Menschen: Der Hund kann nicht länger am Sarg bleiben. Hunde dürfen in Deutschland ja ohnehin nicht mit auf den Friedhof, es sei denn, es ist ein Friedwald.
  • Dem Tier Zeit geben: „Lassen Sie dem Hund seine Trauerzeit. Es kann sein, dass er eine Zeitlang weniger frisst oder sich zurückzieht. Das ist in Ordnung“, sagt Holger Schüler. Das kann ohne weiteres einige Wochen dauern. Was nicht funktioniere, sei, einfach wegzugehen und anzunehmen, dass der Hund dann wieder so sei wie vor dem Verlust. „Versuchen Sie aber, das Tier ein wenig aufzulockern, etwa beim Spazierengehen mit einem anderen Hund zusammenzubringen.“
  • Und wenn ein Hund stirbt, wann ist es Zeit für einen neuen Hundekumpel? Es ist nie gut, zu schnell nach dem Verlust gleich „Ersatz“ zu holen. Jedes Tier ist einzigartig. Wenn auf Ihrem Gesicht ein Lächeln erscheint, wenn Sie einen anderen Hund sehen, ist es die richtige Zeit. (bea)