Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat den Anschlag auf eine Hochzeitsfeier in Kabul mit mehr als 60 Toten für sich reklamiert. Einer ihrer Anhänger habe sich inmitten der Hochzeitsgäste in die Luft gesprengt, teilte die Extremistengruppe am Sonntag über den Messengerdienst Telegram mit. Anschließend hätten Komplizen ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug detonieren lassen.

Der Attentäter sprengte sich am Abend in einem Hochzeitssaal im Westen der afghanischen Hauptstadt in die Luft. Vom Innenministerium veröffentlichte Fotos zeigten mehrere Leichen in dem Saal. Der Augenzeuge Mohammed Farhag, der an der Hochzeitsfeier teilgenommen hatte, war nach eigenen Angaben zum Zeitpunkt der Explosion im Bereich für die Frauen. Die Explosion habe sich im Männerbereich ereignet.

18.08.2019, Afghanistan, Kabul: Blick in den nach einer Exklosion völlig zerstörten Veranstaltungssaal der Hochzeitshalle „Dubai City“.
18.08.2019, Afghanistan, Kabul: Blick in den nach einer Exklosion völlig zerstörten Veranstaltungssaal der Hochzeitshalle „Dubai City“. | Bild: dpa

„Alle rannten schreiend und weinend nach draußen“, sagte Farhag der Nachrichtenagentur AFP. „Etwa 20 Minuten lang war die Halle voller Rauch. Fast alle im Männerbereich sind entweder tot oder verletzt.“ Auch zwei Stunden nach dem Anschlag seien immer noch Leichen aus der Halle gebracht worden.

In Afghanistan werden Hochzeiten meist aufwendig mit hunderten oder gar tausenden von Gästen in großen Festsälen gefeiert. Immer wieder werden Hochzeitsfeiern das Ziel von Anschlägen. Am 12. Juli wurden sechs Menschen getötet, als sich ein Selbstmordattentäter bei einer Feier in der Provinz Nangarhar in die Luft sprengte. Zu dem Anschlag bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

18.08.2019, Afghanistan, Kabul: Nach einer Explosion ist der Veranstaltungssaal der Hochzeitshalle „Dubai City“ völlig zerstört.
18.08.2019, Afghanistan, Kabul: Nach einer Explosion ist der Veranstaltungssaal der Hochzeitshalle „Dubai City“ völlig zerstört. | Bild: AFP

Die USA, die vor fast 18 Jahren in Afghanistan einmarschiert waren, verhandeln seit einem Jahr mit den Taliban. Vor der Festlegung auf einen Abzug ihrer Soldaten verlangt die US-Regierung von den Taliban mehrere Zusagen, darunter Sicherheitsgarantien, einen Waffenstillstand und den Beginn eines Dialogs mit der afghanischen Regierung.

US-Präsident Donald Trump hatte im Präsidentschaftswahlkampf 2016 versprochen, die US-Soldaten iin seiner Amtszeit aus Afghanistan zurückzuholen. Derzeit sind dort rund 14.000 Soldaten der Vereinigten Staaten stationiert.

(dpa)