Herr Wadas, woran erkenne ich denn, dass meine Pflanze krank ist?

Das ist eigentlich ganz einfach. Ist eine Pflanze krank, sieht sie nicht gut aus. Jeder, der Pflanzen mag oder sich damit beschäftigt, entwickelt auch ein Empfinden und erkennt, dass eine Pflanze nicht mehr strahlt. Das ist wie beim Menschen. Wenn der Mensch auf einmal nicht mehr strahlt und seine Haut fahl wird, weiß man: Irgendetwas stimmt da nicht.

Was ist dann Ihre erste Hilfsmaßnahme?

Das häufigste Problem bei Pflanzen ist, dass sie nicht genug zu Essen bekommen – vor allem im Innenbereich. Wenn ich zum Beispiel in Büros oder nach Hause gerufen werde, stelle ich oft fest, dass die meisten Topf- und Kübelpflanzen zu wenig Nährstoffe erhalten. Und dann leiden die Pflanzen und sind anfällig für Schädlinge und Pilzkrankheiten. Mein erster Handlungsschritt ist dann, die Pflanzen ordentlich mit Nährstoffen zu versorgen. In meinem kleinen grünen Arztkoffer, habe ich meist schon die richtige Arznei dabei. Oft kann man nämlich schon mit einfachen Hausmitteln und Tinkturen Gegenmaßnahmen ergreifen.

Sie haben einen kleinen grünen Arztkoffer. Was befindet sich denn darin? Sicherlich keine Mullbinden und Pflaster.

Nein, natürlich nicht. (lacht) In der kleinen grünen Tasche befindet sich natürlich eine Stärkung für Pflanzen. Das heißt, ich habe Mikroorganismen dabei. Des Weiteren führe ich immer fertige Sude aus Ackerschachtelhalm, Rainfarn und ein bisschen Öl mit.

Öl ist ein Heilmittel für Pflanzen?

Ja, Öl hilft den Pflanzen. Gegen hartnäckige Tierchen wie Woll- oder Schildläuse, die man oft im Innenbereich an Zimmerpflanzen wie Orchideen findet, benutze ich gerne Orangenöl. Das ist schon eine etwas härtere Waffe gegen Insekten. Orangenöl ist sehr aggressiv. Man mischt einfach 20 Milliliter Öl auf einen Liter warmes Wasser und sprüht es auf die Pflanze auf. Es trocknet die kleinen Tierchen aus, ist aber ansonsten ungefährlich und stinkt auch nicht in der Wohnung. Bei ein paar Blattläusen reicht es auch, wenn man sie mit der Hand abstreicht.

Gegen Läuse hilft jedes Öl? Also auch Olivenöl aus der Küche?

Genau, nur kein Altöl verwenden.

Dieses Jahr gibt es sehr viele Blattläuse. Haben Sie da ein Geheimrezept?

Das stimmt, wir haben dieses Jahr ein tolles Jahr für Blattläuse. Ich sage ganz bewusst ein tolles Jahr. Wir können nicht auf der einen Seite das Insektensterben bedauern, und auf der anderen Seite sofort mit der Chemiekeule losgehen. Das geht einfach nicht. Grundsätzlich ist meine Devise, meine Pflanzen so zu stärken, dass sie mit den Insekten klarkommen.

Und wenn doch einmal besonders viele Insekten aktiv sind?

Wenn die Insekten mal ein bisschen überhand nehmen, dann bitte nur mit milden Mitteln von den Pflanzen abbringen und ihnen den Appetit verderben. Meist reguliert es sich auch von alleine. Sitzen auf den Rosen viele Blattläuse, kommen Meisen und Marienkäferlarven und fressen sich satt. Ein intakter Garten, mit einer großen Artenvielfalt, regelt sich von selbst. Da braucht ein Gärtner gar nicht viel machen. Einfache Hausmittel sind da völlig ausreichend. Man braucht im Haus- und Kleingartenbereich keine Chemie.

Welche Rolle spielt Dünger für das Pflanzenwohl?

Eine regelmäßige Düngung sorgt für einen gesunden Boden. Ganz wichtig ist hierbei die Wurzel – das Gehirn der Pflanze. Ohne ein gut ausgebildetes Wurzelwerk kann die Pflanze zum Beispiel Hitze- und Trockenperioden nicht überstehen. Je mehr Wurzeln die Pflanzen haben, umso besser können sie sich mit Wasser versorgen. Bei falscher Ernährung bilden die Pflanzen nicht genügend Wurzeln. Nur ein Beispiel: Wenn ich meine Pflanzen im Garten mit Blaukorn dünge, füge ich dem Boden Nitrat bei. Nitrat hat die Eigenschaft, dass es zur Wurzel wandert. Die Pflanze muss nichts für den Nährstoff tun. Das ist nicht gut.

Wieso nicht?

Stellen Sie sich vor, ein Mensch sitzt nur auf der Couch und dreimal am Tag kommt der Pizzalieferdienst. Was passiert? Der Mensch geht auseinander und wird krank. Und so ist das mit den Pflanzen auch. Düngt man Pflanzen mit Nitrat, wandert der Nährstoff zur Wurzel. Die Folge: Sie muss gar nicht wirklich wachsen. Die Wurzel macht zwar viel Masse, es werden auch viel Blätter produziert, aber die Pflanze ist auch sehr weich und anfällig. Ideale Bedingungen für Insekten und Pilze.

Wie kann man dem entgegenwirken?

Am besten arbeitet man mit Naturdünger. Bei Naturdünger muss die Pflanze etwas tun. Der Dünger muss erst zu verfügbaren Nährstoffen umgewandelt werden – und das dauert etwas. Das bedeutet aber auch: Man kann den Boden nicht überdüngen und die Pflanze erhält bekömmliche Nährstoffe, denen sie aber mit ihren Wurzeln hinterher wachsen muss. Jetzt bilden sich natürlich viele Wurzeln. Die Pflanze wird gegenüber Insekten, Pilzen und Witterungsschwankungen widerstandsfähiger.

Die Pflanze darf also nicht faul sein und muss ein starkes Wurzelgebilde entwickeln, dann übersteht sie auch Hitzeperioden?

Ja, das kann man gut am Beispiel des Rasens erkennen. Wird eine Grasfläche jeden Tag ein bisschen bewässert, werden sich nicht viele tiefe Wurzeln bilden. Warum? Weil er es schlichtweg nicht muss. Das Wasser geht nicht tief in den Boden. Wenn die Hitze kommt, trocknet diese obere feuchte Bodenschicht schnell aus, der Rasen hat kein Wasser mehr und stirbt ab.

Wie kann man seinen Rasen auf Hitze- und Trockenperioden vorbereiten?

Ganz einfach. Nur einmal in der Woche gießen, aber dann richtig, sodass das Wasser zehn bis 20 Zentimeter in die Tiefe eindringt. Dann wachsen die Wurzeln gezwungenermaßen um einiges tiefer. Der Wasservorrat in der Tiefe ist zudem viel größer, weil dieser bei Hitze nicht sofort verdunstet. Mit den langen Wurzeln kann sich der Rasen auch bei großer Hitze weiterhin selbstständig mit Wasser versorgen. Also lieber ein bis zwei Mal pro Woche den Rasen bewässern. Aber dann darauf achten, dass man zehn bis 15 Liter pro Quadratmeter ausbringt. Das ist das, was der Rasen in einer Woche bei ca. 35 Grad verbraucht.

Für viele Hobbygärtner sind Nacktschnecken ein alljährlich auftretendes Problem. Wie kann man diesen kleinen Tierchen entgegenwirken?

In diesem Jahr sind Nacktschnecken nicht so das große Problem. Im vergangenen Jahr war es für die Schnecken zu heiß und sie konnten nicht viele Eier ablegen. Aber wenn es viele Nacktschnecken gibt, habe ich Futterstellen für die Tiere. Ich locke die Tiere damit von meinem Gemüse weg. Wenn das aber auch nicht wirkt, lege ich zwischen mein Gemüse eine Reihe Wurmfarn. Die Schnecken wissen, dass der Wurmfarn giftig ist und machen einen großen Bogen um den Farn und gleichzeitig auch mein Gemüse. Damit habe ich eine natürliche Barriere errichtet. Aber man muss akzeptieren, dass mit allen natürlichen Mitteln, die man einsetzt, nie eine 100-prozentige Wirkung erzielt werden kann. Sie wirken nur zwischen 60 und 80 Prozent. Man muss eben bereit sein, etwas an die Natur wieder abzugeben.

Ich bin durchaus bereit, etwas an die Natur abzugeben. Aber in diesem Jahr hatte ich in meinen Kirschen extrem viele Würmer. Wie kann ich das verhindern?

Das Problem ist hier die Kirschfliege. Diese Fliege überwintert im Boden. Die letzten Kirschen, die nach der Ernte noch am Baum hängen, fallen irgendwann runter – zusammen mit dem Wurm. Die Würmer überdauern Herbst und Winter im Boden. Im nächsten Frühjahr, sobald die Kirschen wieder gelb werden, kommen die Fluginsekten aus dem Boden, fliegen hoch zu den noch gelben Früchten und legen darin ihre Eier ab. Und schon haben sie einen Wurm in der Kirsche. Früher war das kein Problem.

Warum?

Da haben Hühner die Maden, die auf den Boden gefallen sind, einfach aufgefressen. Wer keine Hühner im Garten hat, sollte selbst Hand anlegen und die heruntergefallenen Kirschen aufsammeln und entsorgen. Eine weitere Möglichkeit ist die Arbeit mit sogenannten Gelbtafeln, die man unten an die sonnengewandte Seite des Baumes hängt. Die frisch geschlüpften Fliegen sehen dann die gelben Flächen und denken, es handele sich um Kirschen, fliegen darauf zu und bleiben daran kleben.

Eine weitverbreitete Pilzkrankheit bei Pflanzen ist Mehltau. Haben Sie da auch ein Heilmittel?

Mehltau ist ein Schönwetterpilz. Normalerweise braucht ein Pilz viel Feuchtigkeit. Der Mehltau entsteht bei großer Hitze. Aber es gibt zwei ganz einfache Hausmittel, die bei Mehltau helfen. Erstens: Man mischt Milch und Wasser – ein Teil Milch auf sechs Teile Wasser. Und damit sprühe ich meine Pflanzen ein. Zweitens: Wenn ich Mehltau und Rosenrost an meinen Rosen habe, kann ich einen Sud aus Knoblauch und Zwiebeln aufsetzen. Dafür schneide ich eine große Knoblauchknolle und eine große Zwiebel klein und köchele sie etwa 20 Minuten in einem Liter Wasser. Anschließend verdünne ich das dann auf fünf Liter und behandle damit regelmäßig meine Pflanzen. Der hohe Schwefelanteil aus dem Knoblauch und der Zwiebel sorgen dafür, dass diese Pilze nicht ausbrechen. Das ist eine natürliche und billige Möglichkeit, Rosenrost zu behandeln.