Brände wie jener in Notre-Dame sind für die Feuerwehr eine große Herausforderung.
Einen Brand dieser Art schnell zu löschen, ist so gut wie aussichtslos.

  1. Was sind die Gründe dafür, dass sich ein Feuer in einem solchen Dachstuhl wie bei Notre-Dame so schnell und fast explosionsartig ausbreiten kann? Das Feuer entwickelt sich, breitet sich aus und wird immer heißer. Bei einer Temperatur von 300 bis 600 Grad entzünden sich Dachbalken selbständig. „Brandbeschleunigend wirkt der Staub, der sich im Dachstuhl von Notre-Dame angesammelt hat“, sagt Andreas Wersch, Sprecher des Landesfeuerwehrverbandes Baden-Württemberg. „Die Brandwärme steigt auf, reißt dabei den Staub mit und hinzutretender Sauerstoff sorgt dafür, dass sich das Staub-Luft-Gemisch explosionsartig entzündet“, so Wersch. Das erklärt, warum das ganze Dach von Notre-Dame so schnell abbrennen konnte.
  2. Vor welchen Problemen steht die Feuerwehr, wenn sie zu einem solchen Brand ausrückt? Am Anfang des Einsatzes muss die Feuerwehr die „Chaos-Phase“ meistern, wie diese tatsächlich genannt wird. Denn vieles ist möglichst gleichzeitig zu klären: Die Wasserversorgung muss aufgebaut und die Brandlage erkundet werden. Die Feuerwehr hat diese Zeit in Notre-Dame genutzt, um die Kunstschätze aus der Kirche zu schaffen.
  3. Warum hat man am Abend zunächst nur zwei Hubwagen gesehen, von denen aus der Brand von außen bekämpft wurde? „Wasser angesichts der Höhe der Kirche nach oben zu pumpen, ist mit Blick auf den benötigten Druck schwierig“, so Andreas Wersch. Zudem ist die Feuerwehr von Paris verpflichtet, Hubsteiger und Drehleitern in Reserve zu halten, falls woanders etwa ein Wohnhaus brennt.
  4. Wäre ein Löschangriff mit einem Flugzeug denkbar gewesen, so wie es US-Präsident Donald Trump vorgeschlagen hat? Löschangriffe aus der Luft funktionieren nur auf einer Fläche, etwa bei Waldbränden. Wasser wiegt pro Liter ein Kilo. Würden viele Tonnen Wasser auf ein Gebäude fallen – vorausgesetzt, man trifft es – würde es zusammenstürzen. Hubschrauber waren über Notre-Dame keine Option, da die aufsteigende Wärme Turbulenzen verursacht.
  1. Könnte man auch Löschschaum einsetzen? Schaum ist leichter als Wasser. Bei Hitze wie in Notre-Dame würde er aufsteigen und wegfliegen. „Bei dieser Brandausbreitung hat man mit Schaum gar keine Chance“, sagt Andreas Wersch.
  2. Kann man den Wassereinsatz dosieren, um das Steingewölbe weniger zu belasten? Ja. „Mit modernen Strahlrohren kann man die Wassermenge dosieren und mit Wassernebel löschen“, sagt Andreas Wersch. Ein Liter Wasser ergibt 1700 Liter Wasserdampf. Diesen Effekt kann man aber nur bei einem Angriff von innen nutzen. Der aber ist wegen der großen Hitze für die Männer schwierig.
  3. Warum kann ein Feuer erneut ausbrechen? Jeder, der abends ein Lagerfeuer gemacht hat, kann morgens feststellen, dass man das Feuer wieder entfachen kann. „Das Wasser, das man draufgeschüttet hat, verflüchtigt sich als Wasserdampf, weil das Holz noch heiß ist“, sagt Brandexperte Wersch. In einem Dachgebälk wie bei Notre-Dame bilden sich zahlreiche Glutnester. Daher ist eine Brandwache Pflicht.
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