Hallo, Ihr da draußen,

normalerweise steht an dieser Stelle ja ein höfliches „Sehr geehrte(r) Soundso“. Aus gegebenem Anlass werde ich darauf diesmal allerdings verzichten. Mit Höflichkeit kommt man bei Euch offenbar eh nicht weiter. Alles Bitten, Werben, Appellieren, Euch doch bitte etwas zurückzunehmen, Euer Privatleben runterzufahren und Abstand zu halten zu Euren Mitmenschen – ist scheinbar ungehört verhallt. Ihr könnt oder wollt es nicht verstehen, oder, es ist Euch einfach schnurzegal. Ich weiß gar nicht, was schlimmer wäre.

Die Biermarke kann ja nichts dafür, wird aber gerne konsumiert bei den so genannten Corona-Partys. Eigentlich aber geht es um das Virus: Die Partygänger riskieren freiwillig eine Ansteckung oder demonstrieren ihre Gleichgültigkeit.
Die Biermarke kann ja nichts dafür, wird aber gerne konsumiert bei den so genannten Corona-Partys. Eigentlich aber geht es um das Virus: Die Partygänger riskieren freiwillig eine Ansteckung oder demonstrieren ihre Gleichgültigkeit. | Bild: Bernhardt, Alexander

Während sich das ganze Land im Ausnahmezustand befindet, Läden, Kneipen und Cafés schließen müssen, während sich Zigtausende mit Kurzarbeitergeld begnügen und viele bereits ihren Arbeitsplatz verloren haben, während Alte, Schwache und Kranke sich zu Recht vor einer Ansteckung fürchten, macht Ihr einfach weiter wie bisher: Weil die Kneipen zu und das Wetter ja so schön ist, trefft Ihr Euch halt im Park oder am Seeufer, sitzt eng beieinander auf Euren Picknickdecken und macht Euch ‚nen schönen Lenz. Sorry, das ist einfach borniert und asozial.

Auch Ihr habt Freunde und Verwandte, die schwer erkranken könnten

Nicht, dass ich kein Verständnis dafür hätte, dass man das Leben genießen möchte – das geht uns doch allen so. Ich kann auch verstehen, dass zunächst schwerfiel einzuschätzen, was für eine Gefahr das Coronavirus darstellt – auch die Experten bewerten die Lage jeden Tag neu. Nun ist aber seit etwa zwei Wochen klar, dass es ernst ist, und spätestens seit den Schul- und Ladenschließungen in dieser Woche sollte das auch jedem gedämmert sein... Und trotzdem sind täglich immer noch so viele Bürger – viele junge, aber durchaus auch ältere – draußen zu sehen, die scheinbar nichts dazugelernt haben.

Es sind keinesfalls nur die ganz Jungen, die sich nicht an die Regeln halten. Spaziergänger sind bei strahlendem Sonnenschein in Scharen im Koblenzer Stadtwald am Tierpark Remstecken unterwegs.
Es sind keinesfalls nur die ganz Jungen, die sich nicht an die Regeln halten. Spaziergänger sind bei strahlendem Sonnenschein in Scharen im Koblenzer Stadtwald am Tierpark Remstecken unterwegs. | Bild: Thomas Frey

Ihr denkt Euch wohl: „Was soll ich mich vor einem Schnupfen fürchten“ oder „Irgendwann erwischt mich das Virus sowieso, warum also nicht gleich“. Ist das in etwa die Logik, die hinter den Corona-Partys steckt? Dann lasst Euch mal folgendes gesagt sein: Erstens ist es nicht sicher, dass das Virus bei Euch glimpflich ausfällt. Wer weiß, vielleicht habt Ihr eine Vorerkrankung, von der Ihr noch gar nichts ahnt. Zweitens habt auch Ihr Freunde, Verwandte, Omas und Opas, an denen das Virus mit großer Wahrscheinlichkeit nicht spurlos vorübergeht. Wollt Ihr wirklich dafür verantwortlich sein, wenn sie schwer erkranken? Denn genau das wird immer wahrscheinlicher, wenn Ihr, drittens, dazu beitragt, dass das Virus sich noch schneller verbreitet.

Die Folgen sind jetzt schon absehbar: Baden-Württemberg erlaubt nur noch, zu dritt draußen unterwegs sein. Und man ahnt, wie es weitergehen muss: Wenn man auf die Einsicht der Bürger nicht mehr hoffen kann, werden noch schärfere Verbote folgen. Eine bundesweite Ausgangssperre ist nicht mehr weit entfernt – dank Euch!