Die Vielzahl der Corona-Proben und ihre Auswertung wird zu einer echten Herausforderung. Denn sie brauchen Zeit, mindestens 24 Stunden, inzwischen auch mehrere Tage, wenn die zuständigen Labore überlastet sind. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass es bei 2000 Proben in Baden-Württemberg Unregelmäßigkeiten gab. Betroffen waren auch der Kreis Ravensburg und der Bodenseekreis.

Erste Firmen produzieren Schnelltests

Nun gibt es einen Lichtblick für die Labore: Die ersten Schnelltests sind entwickelt. Die Tests sind heiß begehrt, noch gibt es Lieferengpässe. Dabei werden sie dringend gebraucht: Denn die Labore sind schon jetzt häufig überlastet.

An der Uniklinik Tübingen findet sich niemand, der mit dem SÜDKURIER über die Entwicklung eines Schnelltests sprechen kann. Keiner der Virologen sei derzeit für ein Gespräch verfügbar, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. Das Labor zur Auswertung der Tests arbeite im Dreischichtbetrieb an Werktagen, am Wochenende in zwei Schichten.

Beim Medizinischen Laborzentrum in Singen wimmelt die Zentrale ab. Leiter Frithjof Blessing könne derzeit „unmöglich sprechen“, heißt es auf Anfrage des SÜDKURIER. Später meldet sich Blessing per Mail. „Wir bearbeiten derzeit circa 300 Corona-Tests pro Tag“, die Bearbeitungszeit liege derzeit im Mittel bei 24 Stunden. Das Problem liege anderswo: „Der Nachschub an Chemiekalien und anderen Verbrauchsmaterialien, die für die Diagnostik benötigt werden.“

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Gehen die Chemikalien aus, könnten die Tests ins Stocken kommen. Dabei ist der Wettlauf gegen die Zeit im Kampf gegen den Virus essenziell: Denn nur, wer positiv getestet wurde, kann unter häusliche Quarantäne gestellt werden. Und nur dann kann verhindert werden, dass der Betroffene weitere Menschen ansteckt.

Bisheriger Test zu aufwendig

Die ersten Tests zur Feststellung, ob jemand das Virus in sich trägt, konnten schnell entwickelt werden. Zu den ersten gehörte das Labor des Virologen Christian Drosten in Berlin. Es arbeitet mit einem Molekül, mit Hilfe dessen der Virus erkennbar wird.

Doch der Test muss von Laboranten gemacht werden, das kostet Zeit. Die Labore sind überlastet, dabei arbeiten die Mitarbeiter schon sieben Tage die Woche. Auf Nachfrage, ob das Labor einen schnelleren Test entwickelt, heißt es lediglich: „Wir arbeiten sehr eng und unter den aktuellen Gesichtspunkten besonders stark mit unseren beiden Gesellschaftern Charité und Vivantes zusammen.“

Münchner Firma bringt Schnelltest auf den Markt

Andere sind schon soweit: Die Münchner Biotechfirma Mikrogen hat vergangene Woche bereits einen Schnelltest, der binnen drei Stunden ein Ergebnis liefert, auf den Markt gebracht. Die Methode: Für den Nachweis des Virus wird ein ausgewählter Genomabschnitt des Virus angereichert und dann mit einem Fluoreszenzsignal nachgewiesen, wie der Hersteller erklärt.

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Mikrogen produziert nach eigenen Angaben derzeit 800 Kits pro Woche, damit können je 50 Patienten getestet werden. Beliefert werden Krankenhäuser, Labore und Gesundheitsämter. Privatkunden können den Test nicht nutzen. Das Unternehmen strebt an, die Produktion zu verdoppeln, so dass Testmaterial für 80.000 Menschen pro Woche entsteht.

„Die Nachfrage ist sehr groß“, sagt eine Sprecherin auf Anfrage des SÜDKURIER. Daher müsse teils mit Kontingenten gearbeitet werden. „Wir versuchen, so gut es geht, all unseren Kunden ausreichend Testkits zu liefern.“

Kölner Unternehmen zieht nach

Das Kölner Biotech-Unternehmen Qiagen hat einen Test entwickelt, der binnen einer Stunde ein Ergebnis liefern soll. Thomas Theuringer, Sprecher des Unternehmens, sagt in einem Interview, die Produktion sei bereits massiv hochgefahren worden. Man habe auf einen Dreischichtbetrieb sieben Tage die Woche umgestellt.

Die Methode ist anders als bisher. Sie „ersetzt nicht aktuelle Testverfahren, sondern bietet eine zusätzliche Lösung, die beispielsweise in Notaufnahmen eine schnelle Entscheidung ermöglicht, welche Infektionen ein Patient hat und wie er zu behandeln ist, da der Test parallel 22 verschiedene Erreger von Atemwegserkrankungen nachweist“, erklärt Sprecher Robert Reize auf Nachfrage.

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Derzeit produziert die Firma 1,5 Millionen Probekits pro Monat. Bis Jahresende soll die Produktion auf 20 Millionen pro Monat steigen. Er ist für Labore und Krankenhäuser gedacht, nicht für Privatkunden. Der Test wurde vergangene Woche zugelassen.

Mit der Methode von Qiagen können Proben auf mehrere infektiöse respiratorische Krankheiten gleichzeitig getestet werden.
Mit der Methode von Qiagen können Proben auf mehrere infektiöse respiratorische Krankheiten gleichzeitig getestet werden. | Bild: Qiagen

Übernahmeangebot aus den USA

Die Entwicklung weckt Begehrlichkeiten in den USA. Schon hat ein US-Konzern ein Übernahmeangebot gemacht. Etwa 10 Milliarden Euro bietet Thermo Fisher, wie Anfang März bekannt wurde. Entscheiden müssen die Aktionäre, das Angebot gilt als gemachter Deal.

Dabei gibt es in den USA bereits mehrere Unternehmen, die einen noch schnelleren Test entwickelt haben. Die Arzneimittelbehörde FDA ließ einen Coronavirus-Schnelltest der Firma Cepheid zu, der in 45 Minuten ein Ergebnis liefern soll. Allerdings braucht es dafür entsprechende Testgeräte.

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Ein Test von Mesa Biotech soll sogar in 30 Minuten ein Ergebnis liefern. Auch hier sind Testgeräte nötig. Dafür können aber bereits in vielen Kliniken vorhandenen Geräte verwendet werden, die für den Nachweis des Grippevirus dienen.

Bosch bringt Test im April auf den Markt

Nun hat auch die Firma Bosch nachgezogen. Der weltweit erste vollautomatisierte, molekulardiagnostische Schnelltest sei innerhalb von sechs Wochen von der Tochtergesellschaft Bosch Healthcare Solutions mit dem nordirischen Medizintechnik-Unternehmen Randox Laboratories entwickelt worden, heißt es seitens Bosch. Der Schnelltest liefert binnen 2,5 Stunden ein Ergebnis – auch hierfür wird ein Prüfgerät genutzt.

Das Vivaltyc-Gerät könne bis zu zehn Proben innerhalb von 24 Stunden prüfen. Es bräuchte also 100 Geräte, um 1000 Tests pro Tag auszuwerten und damit die Labore zu entlasten. Mit dem Gerät können zehn Atemwegserkrankungen gleichzeitig geprüft werden, neben Covid-19 auch die Grippetypen Influenza A und B. Die Geräte könnten direkt in Krankenhäusern und Praxen genutzt werden, um Patienten vor Ort zu prüfen, ähnlich wie bei den anderen Herstellern. Der neue Test soll Anfang April auf den Markt kommen.

Frankfurter Forscherin sucht nach Medikament

Sandra Ciesek ist die Leiterin der Klinischen Virologie und Labordiagnostik an der Uni Frankfurt: Derzeit steht die Professorin im Rampenlicht. Denn sie gilt eine der führenden Forscherinnen zu dem neuen Coronavirus. Die 42-Jährige versucht, ein Medikament gegen die Atemwegserkrankung Covid-19 zu finden, die das Virus auslöst.

Ciesek hat bereits Fördergelder in Höhe von 250.000 Euro erhalten. Sie will baldmöglichst mit klinischen Studien an Patienten und Probanden beginnen. Dem Team um die Professorin ist es gelungen, das Virus aus einer Probe eines Patienten nachzuzüchten.

Der Weg hin zu einem Medikament, das bereits erkrankten Patienten helfen kann, ist weit. Bis dahin hilft nur die schnelle Isolation von Menschen, die sich mit dem Virus angesteckt haben. Dafür braucht es schnellere Tests.

Die Uniklinik Tübingen hat an Mittwoch zudem die Genehmigung erhalten, das umstrittene Medikament Chloroquin, das bisher zur Behandlung von Malaria eingesetzt wird, auch zur Behandlung von Covid-19 zu testen. Die entsprechende klinische Studie könnte nach Angaben der Sprecherin möglicherweise schon am Freitag starten.