„Gedämpfter Mist am Trockenen, dazu übersprungene Nudeln mit quatschendem Salat“. Was will uns der Koch da bloß wieder auftischen? Klar, Druckfehler können sich natürlich auch in Speisekarten einschleichen, gar keine Frage. Da werden aus den „Wildspezialitäten“ dann schon mal „Windspezialitäten“ und die „Leberpastete“ zur „Laberpastete“. Selbst das „Lachfilet“ (Lachsfilet) oder die „puschierten Eier“ (Pochierte Eier) seien dem Restaurant noch verziehen, aber was hat man sich unter „gegrilltem Schuppkugler“ vorzustellen oder „struppigen Schnitzeln“?

"Gemetzeltes Huhn" gefällig?

„Gemetzeltes Huhn im eigenen Kürbis gegart“: Da dürfte sich wohl selbst der geübte Gourmet fragen, wie das denn wohl schmecken mag. Vor allem die Gastronomie in den Urlaubsländern wartet immer wieder gerne mit allerlei Spezialitäten der besonderen Art auf. Dabei ist oftmals nur die inkompetente Übersetzungssoftware schuld an der lukullischen Misere. Fehlt dem Computerprogramm ein bestimmtes Wort, dann greift es nämlich gerne einfach zu einem ähnlichen und das ist halt nicht immer ähnlich genug.

So macht es sehr wohl einen Unterschied, ob es sich um ein „gegrilltes Hähnchenbrustfilet“ handelt oder nur um ein „feuergeschädigtes Huhn“. Auch „Forelle im Schlafrock“ ist eben doch nicht ganz dasselbe wie „Forelle mit Hemdchen“. „Pizza Frutti di Mare“ klingt irgendwie viel leckerer, als „Pizza mit Meeresbodenbewohnern“. Manchmal kommt auf diese Art und Weise auch totaler Unfug zustande, der jegliche Ähnlichkeit mit zumindest halbwegs bekannten Gerichten vermissen lässt.

Nicht immer hilft die wortwörtliche Übersetzung

Was sich hinter „gedönstem Flutscher“ oder auch „Wurrsttoberstt“ verbirgt, will man lieber gar nicht erst wissen. Aber selbst dort, wo wirklich wortwörtlich übersetzt wird, trägt das nicht unbedingt immer zum besseren Verständnis bei. „Kräuselt“ ist zwar durchaus die richtige Übersetzung für das französische „Crêpes“, aber dennoch fährt man hier mit dem französischen Original dann wohl doch um einiges besser.

Ganz gemein sind auch Mehrdeutigkeiten, vor allem dann, wenn der Gastronom die beteiligten Sprachen noch nicht einmal vom Hörensagen kennt. Selbstverständlich nennt sich sowohl das Land Türkei, als auch der Truthahn auf englisch „turkey“. Ein „Truthahnmenü“ nun aber mit „die Türkei“ zu übersetzen, ist mehr als nur knapp daneben. „Coffee to go“ darf sich gerne „Kaffee zum Mitnehmen“ nennen, aber auf gar keinen Fall „Kaffee Togo“.

Die sogenannten Falschen Freunde machen es dem leidgeplagten Speisekartenschreiber auch nicht leichter, Wörter also, die zwar eine bestimmte Bedeutung suggerieren, in Wahrheit aber etwas ganz anderes benennen. Dass „hot“ nicht „heiß“, sondern „scharf“ bedeutet, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Aber so manch einer wird sich dafür auch heutzutage noch im Urlaub wundern, warum denn wohl der bestellte Schellfisch nicht kommt und es stattdessen Muscheln gibt. „Shellfish“ ist eben doch etwas ganz anderes als „Schellfisch“.

Genau so kann es einem mit dem Wort „Soda“ ergehen, das einfach „Limonade“ und nicht etwa „Sodawasser“ bezeichnet oder auch mit dem englischen „pudding“, der weniger „Pudding“, als vielmehr „(Fleisch-)Pastete“ ist. Andererseits: Was mag wohl ein ausländischer Tourist denken, der bei uns zu Gast ist, und sich mithilfe seines Wörterbuches durch unsere Speisekarten futtern möchte? Was ist wohl in der „Kinderwurst“ drin und was bitte sind „Pillekuchen“, „Kaiserschmarrn“, „Eierstich“ und „Handkäs’ mit Musik“? Was befindet sich in einem „Windbeutel“ und warum kann man im Café einen „Bienenstich“ bestellen? Wo sind all die „verlorenen Eier“ hin?

Dennoch: Nicht immer sind auf kurios anmutenden Speisekarten auch ebensolche Gerichte zu finden. Manchmal hat auch alles so seine Richtigkeit – auch wenn das Ganze unterm Strich ein bisschen seltsam aussehen mag. So ist das japanische Wort für „Grapefruit“ richtig geschrieben, wenn auf der Karte „gureepufuruutsu“ steht und ja, in Mexiko kann man wirklich „kandierten Kaktus (acitron)“ bestellen.

Es gibt sogar Gerichte, die erst durch das Layout der Speisekarte zum Lacher werden, weil der Zeilenumbruch kläglich versagt hat:

„Zur Metzelsuppe lad’ ich ein
bei mir – dem allergrößten Schwein,
das’s jemals hat gegeben,
ging’s heute früh ans Leben.“


Buchtipp: Titus Arnu, Übelsetzungen. Sprachpannen aus aller Welt. Mehrere Bände. Langenscheidt. Nur noch antiquarisch erhältlich.