Noch ermattet von den Feiertagen? Das neue Jahr hat kaum angefangen, und schon geht es weiter mit den Fest- und Gedenktagen. So kann man im Januar am 14. den „Zieh-dein-Haustier-an-Tag“ feiern, der aus den USA kommt. Kein Haustier? Dann vielleicht der 21.: Da ist „Internationaler Tag der Jogginghose“ und „Weltknuddeltag“.

Noch nie etwas von diesen merkwürdigen Feier-, Aktions-, Welt- und Gedenktagen gehört? Macht nichts. Die meisten von ihnen werden – wenn überhaupt – nur von einer kleinen Gruppe von Leuten begangen, die das Ganze entweder witzig findet oder von der Werbeindustrie, die sich einen gehörigen Umsatzschub erhofft.

Wichtige Themen gehen leicht unter

In dieser Flut der kuriosen Feier-, Aktions-, Welt- und Gedenktage, die nicht zuletzt im Internet zelebriert werden, gehen die wirklich beachtenswerten seriösen Themen schnell mal unter. Abseits der gesetzlichen Feiertage gibt es nämlich sehr wohl noch einige durchaus beachtenswerte Aktionstage.

Die Uno zum Beispiel hat für den Januar den 27. als Holocaust-Gedenktag ins Leben gerufen. An diesem Datum wurde 1945 das Nazi-Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. Am 8. März ist internationaler Frauentag und am 22. März Welttag des Wassers.

„Die internationalen Gedenktage, -jahre oder -jahrzehnte werden von der Generalversammlung der Vereinten Nationen auf Vorschlag der Mitgliedstaaten beschlossen“, heißt es bei der Uno. „Sie sollen an Leistungen der Völkergemeinschaft in der Vergangenheit erinnern, Anlass zur Reflexion über weltweite Probleme geben, die Aufmerksamkeit auf ein wichtiges Zukunftsthema lenken und möglichst viele Menschen zu mehr Engagement motivieren.“

Einen Hai umarmen?

Auch Menschenrechts-, Umwelt- und Tierschutzorganisationen machen gerne mit einem besonderen Aktionstag auf bestimmte Themen aufmerksam. Auch wenn sich einiges davon auf den ersten Blick kurios anhören mag, wie etwa der „Umarme-einen-Hai-Tag“, so ist das Anliegen der Veranstalter – in diesem Falle die Nichtregierungsorganisation „Shark Savers“ – ein wichtiges und beachtenswertes, denn viele Haiarten sind vom Aussterben bedroht.

Bei manchen Feiertagen weiß keiner mehr so recht, wer den Tag ins Leben gerufen hat oder warum. So wird auch in diesem Jahr wieder am 8. August der „Weltkatzentag“ gefeiert, und zwar nicht nur im Internet. Ins Leben gerufen hat ihn angeblich der „International Fund for Animal Welfare“ (IFAW) mit Hauptsitz in Yarmouth Port, Massachusetts.

Die Tierschutzorganisation war es nicht!

Doch die Tierschutzorganisation weiß nichts davon. Ganz im Gegenteil dementiert sie sogar: „Der IFAW hat weder den Weltkatzentag noch den Welthundetag ins Leben gerufen.“ Ungeachtet dessen kann selbstverständlich jeder feiern, was er will, selbst einen „Weltkatzentag“ am 8. August.

Ärgerlich ist es für die Begründer seriöser Aktionstage aber sehr wohl, wenn ihr ernsthaftes Anliegen in der Flut von Kuriositäten vollständig untergeht oder sogar der ursprüngliche Sinn komplett ins Gegenteil verkehrt wird.

Der Muttertag fiel der Kommerzialisierung zum Opfer

Ann Jarvis ist es mit dem „Muttertag“ so ergangen. Ursprünglich hatte die US-amerikanische Methodistin aus Grafton in West Virginia geplant, einen „Tag der Mutter“ zu etablieren, um die Leistungen zu würdigen und anzuerkennen, die Mütter überall auf der Welt tagtäglich erbringen.

Als ihr das Anfang des 20. Jahrhunderts gelang, war ihre Freude darüber allerdings nur von kurzer Dauer, denn der „Muttertag“ fiel schnell der Kommerzialisierung zum Opfer. Das ging so weit, dass Ann Jarvis begann, gegen ihren eigenen Gedenktag gerichtlich vorzugehen, was letztendlich aber scheiterte.

Am Ende kam sie sogar in Haft

Schließlich wurde sie sogar inhaftiert, weil sie eine Muttertagsfeier gestört hatte. In ihrem Nachruf in der New York Times heißt es: „Jarvis verbitterte, weil zu viele Menschen ihren Müttern Grußkarten schickten“, denn sie hielt diese „für eine schlechte Entschuldigung für den Brief, den man zu faul ist zu schreiben“. Dafür gibt es heute den „Welttag des Briefeschreibens“ am 1. September.

Noch eine Anregung für alle, die mit guten Vorsätzen zu Jahresbeginn nicht viel anfangen können: Am 17. Januar ist der Tag, an dem man seine Neujahrsvorsätze über Bord wirft. Der kommt doch jetzt wie gerufen!

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