Der Sonntag sollte ein Festtag in Venedig werden. Anlässlich des italienischen Nationalfeiertags war eine Regatta in der Lagune geplant. Doch es kam alles anders. Am Morgen rammte im Giudecca-Kanal von Venedig ein riesiges Kreuzfahrt-Schiff ein an der Mole liegendes Ausflugsboot. Mindestens fünf Menschen wurden verletzt, wie die Nachrichtenagentur ADN Kronos berichtete, mehrere Passagiere sprangen ins Wasser. Der Kreuzfahrt-Riese verlor nach ersten Erkenntnissen beim Anlanden die Kontrolle und beschädigte das parkende Boot. In Venedig läuft nun die Debatte um den Kreuzfahrt-Tourismus wieder auf vollen Touren.

Schiff war nicht mehr steuerbar

Lokalzeitungen schrieben zunächst von einem „Drama in der Lagune“. Von „Momenten der Panik“ wurde berichtet. Dieser Eindruck drängte sich tatsächlich beim Betrachten einiger Amateurvideos auf, die den Unfall festhielten.

Nachfolgend ein Video des Unfalls:

Kapitän hupte minutenlang, um Passagiere vor Aufprall zu warnen

Der Kapitän des wegen eines Motorschadens offenbar nicht mehr steuerbaren Kreuzfahrt-Schiffs betätigte minutenlang die Schiffshupe, um das angelegte Boot an der Hafenmole sowie die Passagiere vor dem drohenden Aufprall zu warnen. Auf der Hafenmole brach Panik aus. Auf einem Video ist zu sehen, wie Schiffspersonal und Passagiere orientierungslos auf der Mole vor dem langsam nahenden Ozeanriesen flüchten. Menschen schreien, man hört die tränenerstickte Stimme einer englischsprachige Frau.

Schwer beschädigt: Das von einem Kreuzfahrtschiff gerammte Touristenboot „River Countess“ nach dem Unglück im Kanal von Giudecca in Venedig.
Schwer beschädigt: Das von einem Kreuzfahrtschiff gerammte Touristenboot „River Countess“ nach dem Unglück im Kanal von Giudecca in Venedig. | Bild: Luca Bruno/dpa

Nach bisherigen Erkenntnissen ging der Unfall glimpflich aus. Das Ausflusgboot „River Countess“ wurde schwerer beschädigt, auch die Hafenmole trug Beschädigungen davon.

Motor des Kreuzfahrtschiffs offenbar blockiert

Als Unfallursache wurde ein Motorschaden bei dem einlaufenden Kreuzfahrt-Schiff „MSC Opera“ festgestellt. „Der Kapitän meldete eine Havarie des Motors. Der Motor war blockiert, aber im Fortbewegungs-Modus“, sagte Davide Calderan laut der Nachrichtenagentur Ansa. Calderan ist Chef der Firma, deren zwei Schlepper das Kreuzfahrt-Schiff an die Mole manövrieren sollte. Bei dem Manöver riss offenbar wegen des Motorschadens auch das Seil, das einen der Schlepper mit der MSC Opera verband.

Bei dem Unfall des riesen Ozean-Kreuzers mit einem kleineren Touristenboot wurden mehrere Menschen verletzt. Von dem Ausflugsboot sprangen mehrere Menschen ins Wasser.
Bei dem Unfall des riesen Ozean-Kreuzers mit einem kleineren Touristenboot wurden mehrere Menschen verletzt. Von dem Ausflugsboot sprangen mehrere Menschen ins Wasser. | Bild: Vigili del Fuoco/dpa

Seit Jahren wehren sich Bürgerinitiativen gegen die Durchfahrt der Kreuzfahrtschiffe durch den Kanal und die Einfahrt in die Lagune generell. Umweltschützer vom Komitee „No Grandi Navi“ bemängeln zum Einen die Luftverschmutzung durch die Riesenschiffe.

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Abgas-Ausstoß wie 14.000 Autos

Jedes Kreuzfahrtschiff stoße Abgase wie 14.000 Autos gleichzeitig aus. Noch gefährlicher soll die Unterwasserverdrängung durch die Schiffe in der Lagune sein, die die Erosion des Untergrunds der Stadt mit unkalkulierbaren Folgen vorantrieben. Zudem sei durch die Kreuzer das Ökosystem der Lagune bedroht.