Herr Rahmstorf, eine Hitzewelle rollt auf Deutschland zu. Manche sprechen bereits von einem Rekord-Sommer. Wie

außergewöhnlich ist er wirklich?

Der April war der wärmste April und der Mai war der wärmste Mai seit Beginn der Aufzeichnungen in Deutschland. Auch der Juni war sehr warm und der Juli bislang auch. Außergewöhnlich ist für mich vor allem die lange Dauer des heißen Wetters. Welche Rekorde der Sommer womöglich noch brechen wird, werden wir am Ende sehen. Auch in anderen Weltteilen gibt es extreme Hitze, unter anderem in den USA.

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Müssen wir uns in Zukunft dauerhaft auf solch heiße Sommer einstellen?

Nicht jeder Sommer wird so heiß ausfallen, der Wetterzufall spielt natürlich nach wie vor eine wichtige Rolle. Aber da die globale Temperatur weiter ansteigt und die von Landgebieten wie Deutschland sogar noch rascher, werden heiße Sommer immer häufiger. Weltweit liegt die Zahl der monatlichen Hitzerekorde, zum Beispiel heißester Mai, bereits fünfmal so hoch wie in einem stabilen Klima, also ohne globale Erwärmung.

Inwiefern spüren wir gerade die Auswirkungen des Klimawandels?

Wie gesagt führt die globale Erwärmung natürlich auch zu einer Zunahme von Hitzeextremen, ebenso wie mehr Dürre, Waldbränden und Extremregen – Letzteres weil warme Luft mehr Wasser aufnehmen und abregnen kann. Dazu kommt, dass das Wetter im Sommer auf der Nordhalbkugel stabiler wird, es gibt weniger Wechsel von Hoch- und Tiefdruck. Das liegt daran, dass der Jetstream, ein Band von Westwinden in höheren Luftschichten, sich abschwächt, wie eine Studie unserer Nachwuchsgruppe zu Wetterextremen gezeigt hat. Das kommt vom Eisschwund und der besonders starken Erwärmung der Arktis, denn der Temperaturkontrast zwischen Subtropen und Arktis treibt den Jetstream an.

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Welche Konsequenzen müssen 
langfristig daraus gezogen werden?

Wie Obamas Klimaberater zu sagen pflegte, gibt es im Prinzip drei Möglichkeiten: die globale Erwärmung begrenzen, sich anpassen oder leiden. Wie im Pariser Abkommen vereinbart, sollten wir uns auf die beiden ersten konzentrieren, um das Dritte möglichst zu minimieren. Die entschlossene Umsetzung des Pariser Abkommens ist entscheidend, denn eine erfolgreiche Anpassung wird nur möglich sein, wenn wir die globale Erwärmung deutlich unter der 2-Grad-Grenze halten. 1,1 Grad Erwärmung haben wir bereits hinter uns.