Mein Facebook-Fingerabdruck ist 150 Megabyte groß. Dieses Datenpaket sind die gesammelten Informationen, die ich mit dem Netzwerk geteilt habe – ob bewusst oder unbewusst. Darunter sind 745 Kommentare, 728 Likes, tausende private Nachrichten und 196 von mir erstellte Facebook-Einträge.

Ein gigantisches Mosaik. Wenn jemand – ob ein Mensch oder eine Maschine – das systematisch auswerten würde: Wahrscheinlich würde er mich danach besser kennen als meine eigene Mutter. Anders gesagt: Ein börsennotierter, skandalumwitterter US-Konzern weiß alles über mich.

So charakterisiert Facebook meinen Freundeskreis – und hat damit recht.
So charakterisiert Facebook meinen Freundeskreis – und hat damit recht. | Bild: Dose, Dominik

Zwar bin ich nicht mit meinem richtigen Namen angemeldet, der ist aber über die Daten und die verknüpfte E-Mail-Adresse leicht herauszufinden. Facebooks-Charakterisierungen sind teils erstaunlich treffend. Meinen Freundeskreis beschreibt es als "am Anfang des Erwachsenenlebens oder Mitten im Erwachsenenleben" – stimmt.

Das sieht Facebook als meine Werbeinteressen. Die Trefferquote ist bei diesem Bildausschnitt eher überschaubar.
Das sieht Facebook als meine Werbeinteressen. Die Trefferquote ist bei diesem Bildausschnitt eher überschaubar. | Bild: Dose, Dominik

Über 80 vermeintliche Werbeinteressen von mir führt die Auswertung auf. Auch da steckt viel Wahres drin, aber genau so dubiose Themen, etwa die Provinz Entre Rios, eine mir gänzlich unbekannte (aber sicher sehenswerte) Region in Nord-Argentinien.

Äußert stutzig macht die Auswertung für Werbepartner, mit denen ich direkt oder indirekt meine Kontaktdaten geteilt haben soll. 13 Firmen oder Dienste sind genannt, bei drei kann ich mir erklären, warum sie die Daten haben. Bei den restlichen zehn, etwa der Schweizer Großbank USB oder dem hessischen Energieversorger mainova, ist es mir ein Rätsel.

Diese Firmen oder Dienste sind auf irgendeine Art und Weise an meine Facebook-Kontaktdaten gekommen.
Diese Firmen oder Dienste sind auf irgendeine Art und Weise an meine Facebook-Kontaktdaten gekommen. | Bild: Dose, Dominik

"Von Facebook fernhalten"

Anfordern kann man den Datenbericht – der allerdings als wenig nutzerfreundliche, verschachtelte Datei ankommt – in den Facebook-Einstellungen unter "Deine Facebook-Information". Solche Möglichkeiten muss nach der Datenschutzgrundverordnung jeder anbieten, der mit Nutzerdaten arbeitet. Facebook ist fast noch vorbildlich, Auswertungen von Apple oder WhatsApp sind deutlich weniger ergiebig oder mit kaum benutzbaren Dateiformaten gespickt.

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"Wem seine Daten etwas wert sind, muss sich von den Diensten des Facebook-Konzerns fernhalten", sagt Oliver Buttler, Netz-Experte von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Das hieße, Facebook, Instagram und WhatsApp komplett zu meiden. "Manche Nutzer haben von Facebook auch schon Auswertungen erhalten, in denen noch Daten aufgetaucht sind, die eigentlich längst gelöscht sein sollten", nennt Buttler weitere Bedenken. Und wie leicht die aussagekräftigen Facebook-Daten erbeutet werden können, zeigen die vielen Lecks und Pannen der Vergangenheit.

Datengigant Google

Mit der Datenmacht des Facebook-Konglomerats kann es im Netz vor allem ein Unternehmen aufnehmen: Google. "Google sammelt eigentlich alles an Daten", sagt Buttler. Es hat dazu gigantische Möglichkeiten: Neben der omnipräsenten Suchmaschine sind auch YouTube und das Smartphone-Betriebssystem Android in Googles Besitz. Der US-Konzern kann deswegen so umfassende Profile über Menschen erstellen wie es selbst Geheimdienste kaum können. Da ich kein Android-Nutzer bin und personalisierte Google-Werbung ausgeschaltet habe, ist die Analyse bei mir wenig ergiebig.

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Wer ein Google-Konto hat, kann unter adssettings.google.com betrachten, welches Werbeprofil das Unternehmen einem zuordnet. Allerdings: Auch wer personalisierte Werbung ausgestellt hat, hat ein Werbeprofil – nur zeigt Google es einem dann nicht mehr. Und auch wer gar kein Google-Konto hat, wird natürlich beim Suchen verfolgt. "Einige Fälle haben bereits bewiesen, dass Google Nutzer etwa weiterhin ständig ortet, auch wenn sie das eigentlich abgelehnt haben", erklärt Buttler.

Meine Passwörter stehen im Netz

Gut, jetzt kann man sagen: Wer seine Daten Facebook oder Google überlässt, der ist grad selbst schuld. Stimmt auch, zumindest bei Facebook. Nur kursieren im Netz auch Daten von mir, die ich nie jemand gegeben habe. Überprüfen kann man das beim Identity Leak Check des Hasso-Plattner-Instituts. Unter der Adresse sec.hpi.de/ilc kann man seine E-Mail-Adresse angeben. Dann erhält man eine Antwort, ob diese schon bei einem Datendiebstahl erbeutet wurde. Bei einer meiner Mailadressen – mit der ich mich für eher unwichtigere Dinge anmelde – ist das gleich fünfmal der Fall. In den Datensätzen taucht die Mail-Adresse samt Passwort auf, einmal sogar samt Vor- und Nachname und Geburtsdatum. Hier sollte man sofort das Passwort ändern.

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Auf der Seite haveibeenpwned.com/passwords kann man zudem prüfen, ob ein Passwort, das man verwendet, schon einmal bei einem Datenklau aufgetaucht ist. Es wird damit deutlich unsicherer, weil Kriminelle diese Datensätze verwenden, alle aufgelisteten Passwörter ausprobieren und so das Konto knacken. Gleich mehrere – eher einfache – Passwörter von mir sind davon betroffen. Auch diese sollte man sofort ändern.

Datengeiz ist geil

Was bleibt am Ende als Lehre? Die effektivste Datensicherung ist letztlich, sie einfach bei sich zu behalten. Mit Daten sollte man so geizig sein wie der knausrigste Sparfuchs am Ende des Monats mit dem Geld. Auf Handys kann man hier schnell Maßnahmen treffen. Bei iPhones lässt sich im Einstellungs-Menü unter dem Reiter Datenschutz genau einstellen, welche Apps auf welche Daten Zugriff haben.

Google sammelt, wenn man es nicht bewusst ausgeschaltet hat, alle erdenklichen Daten, die ein Nutzer so abwirft.
Google sammelt, wenn man es nicht bewusst ausgeschaltet hat, alle erdenklichen Daten, die ein Nutzer so abwirft. | Bild: Dose, Dominik

Zudem lässt sich die Analyse der Daten beschränken. Das gleiche ist bei Handys mit Android möglich, auch hier im Einstellungs-Menü, hier muss man aber jede App einzeln auswählen. Hier lesen Android-Nutzer, wie sie Google möglichst weit vom Handy drängen.

Letztlich gilt in Sachen Datensparsamkeit Oliver Buttlers Zusammenfassung: "Nichts ist umsonst. Und wenn etwas kein Geld kostet, zahlt man mit seinen Daten."