Nach einer Explosion mit mehreren Verletzten im französischen Lyon sind die Hintergründe der Tat am Wochenende unklar geblieben. Von einem zur Fahndung ausgeschriebenen Tatverdächtigen fehlte am Sonntag jede Spur. Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen unter anderem wegen versuchten Mordes im Zusammenhang mit einem terroristischen Hintergrund ein, wie Staatsanwalt Rémy Heitz am Samstag in Lyon erklärte. Die Explosion hatte sich am frühen Freitagabend gegen 17.30 Uhr im belebten Zentrum der Metropole im Südosten Frankreichs ereignet.

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Fahndung läuft auf Hochtouren

Es habe noch niemand die Tat für sich reklamiert, sagte Heitz. Aber allein die Tatsache, dass jemand mitten am Tag in einer belebten Straße eine solche Tat verübe, reiche für Anti-Terror-Ermittlungen aus. Zur Identität des mutmaßlichen Täters machte Heitz keine weiteren Angaben. Allerdings konnte mithilfe von Sicherheitskameras ein Teil des Weges des mutmaßlichen Täters nachverfolgt werden. Der Tatverdächtige habe eine Papiertüte vor der Bäckerei im Zentrum der Stadt abgestellt und sei danach wieder auf sein Fahrrad gestiegen und habe denselben Weg zurück genommen. Es werde nun alles in Bewegung gesetzt, um den Täter schnell festzunehmen.

Die Polizei veröffentlichte am Samstagabend weitere Fahndungsbilder. Sie zeigen einen Mann mit einem Fahrrad in der Nähe des Tatorts. Er trägt einen dunklen Kapuzenpullover und eine schwarze Sonnenbrille. Seine Mundpartie ist vermummt. Auf einem ersten Fahndungsfoto, das die Polizei am Freitag freigab, trägt er eine braune Papiertüte in der linken Hand. Alle Fahndungsbilder sind Standbilder aus Aufnahmen von Überwachungskameras.

Ein Fahrzeug der französischen Anti-Terror-Einheit „Vigipirate Mission“ steht in der Nähe des abgesperrten Tatorts.
Ein Fahrzeug der französischen Anti-Terror-Einheit „Vigipirate Mission“ steht in der Nähe des abgesperrten Tatorts. | Bild: Sebastien Erome

Ersten Erkenntnissen nach wurde die Explosion mit einem Fernzünder ausgelöst. In der abgestellten Tüte seien Objekte aus Metall gewesen. Der Nachrichtensender BFMTV berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass auf der Tüte DNA gefunden worden sei. Ob diese zum mutmaßlichen Täter gehöre, sei aber nicht klar. Außerdem wurden dem Sender zufolge geringe Mengen des hochexplosiven Sprengstoffs TATP sichergestellt.

13 Menschen verletzt

Bei der Explosion wurde laut dem Chefermittler auch ein Mädchen verletzt. Elf Menschen mussten in Kliniken gebracht werden. Am Samstag waren nach Angaben des Bürgermeisters und ehemaligen französischen Innenministers Gérard Collomb noch drei Verletzte zur Behandlung in einem Krankenhaus. Collomb zeigte sich erleichtert: „Es hätte schlimmer kommen können.“

Im Land wurden Erinnerungen an den Terroranschlag in Straßburg vom Dezember wach. Der mutmaßliche Islamist Chérif Chekatt hatte in der Innenstadt der elsässischen Metropole das Feuer eröffnet – es starben fünf Menschen, zudem wurden zahlreiche verletzt. Frankreich wird seit Jahren von einer islamistischen Terrorwelle erschüttert, dabei wurden rund 250 Menschen getötet.

Lyon liegt im Südosten Frankreichs, es ist die Hauptstadt des Département Rhône und der Region Auvergne-Rhône-Alpes und mit mehr als 515 000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Frankreichs nach Paris und Marseille. (dpa)