Japans neuer Kaiser Naruhito hat den Wechsel auf dem Thron der ältesten Erbmonarchie der Welt verkündet. Im Vordergrund der von uralten Traditionen geprägten Palastzeremonie steht das Schweigen. Das Protokoll lässt wenig Raum für Missverständnisse. Kaiser Naruhito las lediglich den Text vor, der seinen Amtsantritt verkündet, ansonsten blieb es während der Prozedur sehr ruhig.

Der Chrysanthemen-Thron des Kaisers wiegt acht Tonnen und ist aus Zypressenholz gefertigt. Der Aufbau steht eigentlich in Japans alter Hauptstadt Kyoto und wurde für die Zeremonie extra nach Tokio transportiert. Rechts daneben steht der Thron der Kaiserin.
Der Chrysanthemen-Thron des Kaisers wiegt acht Tonnen und ist aus Zypressenholz gefertigt. Der Aufbau steht eigentlich in Japans alter Hauptstadt Kyoto und wurde für die Zeremonie extra nach Tokio transportiert. Rechts daneben steht der Thron der Kaiserin. | Bild: AFP

Die Stille wurde lediglich von einigen Gongschlägen unterbrochen. Während der feierlichen Prozedur versicherte der 59-jährige Monarch in Anwesenheit von 2000 Würdenträgern aus aller Welt, im Einklang mit der Verfassung seine Verantwortung als „Symbol des Staates und der Einheit des Volkes“ Japans zu erfüllen. 

Zeremonie wegen Regens ins Palastinnere verlegt

Wegen Regens musste das eigentlich in dem Palasthof geplante Arrangement aus Bogen- und Schwertträgern, Trommlern und Gong-Spielern in die Innenräume des Palastes verlegt werden. Im Verlaufe der Zeremonie, die mit einem Gong-Schlag begann, kam jedoch kurz die Sonne heraus. Die nur 30 Minuten dauernde Inthronisierung namens „Sokuirei Seiden no gi“ (Zeremonie zur Thronbesteigung des Kaisers) entspricht den Krönungsfeiern anderer Länder. Sie war Höhepunkt einer Reihe von Thronfolge-Ritualen, die im Mai begonnen hatten, als Naruhito die Nachfolge seines abgedankten 85-jährigen Vaters Akihito antrat.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender am Kaiserpalast.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender am Kaiserpalast. | Bild: dpa

Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender zeigten sich beeindruckt von dem historischen Ereignis. Zu den Gästen gehörten auch Prinz Charles von Großbritannien, König Felipe von Spanien, Fürst Albert von Monaco, Schwedens König Carl Gustav XVI., der niederländische König Willem-Alexander sowie der norwegische Kronprinz Haakon.

Der König der Niederlande Willem-Alexander und seine Frau Königin Maxima reisten ebenfalls zur Thronbesteigung nach Tokia.
Der König der Niederlande Willem-Alexander und seine Frau Königin Maxima reisten ebenfalls zur Thronbesteigung nach Tokia. | Bild: AFP

Ein dreimaliges „Banzai“ für den Kaiser

Am Ende der Zeremonie ließ Abe den Kaiser mit einem dreimaligen „Banzai“ (Zehntausende Jahre) hochleben. Die Anwesenden stimmten ein. Zum Schluss dröhnten Salutschüsse aus Kanonenrohren des japanischen Militärs durch den Palast.

Prinz Charles und Kronprinzessin Mary von Dänemark gehören zu den Gästen in Japan.
Prinz Charles und Kronprinzessin Mary von Dänemark gehören zu den Gästen in Japan. | Bild: AFP

Dabei ist nicht jedem klar, was das Kaiserhaus heutzutage symbolisieren soll. Die Mehrheit der Japaner begegnet dem Kaiserhaus mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Schaulust, aber auch Gleichgültigkeit.

Kaiserfamilie lebt ein modernes Familienbild

Anders als in europäischen Monarchien übernimmt der japanische Hof keinerlei Unterhaltungsrolle für das Volk. Naruhito und seine Verwandten spielen im Alltag der meisten Japaner kaum eine Rolle.

Die Gäste lassen den neuen Kaiser mit einem dreimaligen „Banzai“-Ruf hochleben.
Die Gäste lassen den neuen Kaiser mit einem dreimaligen „Banzai“-Ruf hochleben. | Bild: AFP

Gesellschaftlich bedeutend ist die Tradition, mit der das Kaiserhaus einhergeht. Schließlich rühmt sich Japan damit, die längste ununterbrochene Erbmonarchie der Welt zu sein. Dabei ist die Rolle des 126. Kaisers ambivalent. Naruhito und seine Frau Masako folgen zwar dem strengen Hofprotokoll. Zugleich gelten sie als modernes Paar. Beide haben im Ausland studiert und verkörpern ein modernes Familienbild, laut dem auch der Mann eine Rolle in der Kindererziehung übernimmt.

Kaiserin unter starkem Druck

Verheiratet ist Naruhito mit der ehemaligen Karrierebeamtin im Außenministerium und Harvard- und Oxford-Absolventin Masako Owada. Seit 15 Jahren erholt sie sich offiziell von einer „Anpassungsstörung“, die vom Stress ihres Amtes am Hofe herrühre. Beobachter sehen dahinter vor allem den lange Zeit auf ihr lastenden Druck, einen männlichen Thronfolger zu gebären. Masako brachte Tochter Aiko zur Welt, doch Frauen ist der Thron bislang verwehrt.

Amnestie für Kriminelle

Einige Kritiker sehen hinter der kurzen Thronfolgezeremonie die Absicht der erzkonservativen Regierung Abe, Zustimmung im Volk zu gewinnen. Zu diesem Anlass verfügte sie auch die Begnadigung von 550 000 Kleinkriminellen und erklärte den Tag der Inthronisierung zum Feiertag. Dies wiederum sorgt für Kontroverse im Land. Im Parlament wurde zuletzt außerdem diskutiert, ob der Schritt nicht das Prinzip der Gewaltenteilung verletze, da sich die Regierung damit über die Justiz hinwegsetze. Kontrovers ist die Amnestie-Regelung auch deshalb, weil die Begnadigung einer Bestätigung durch den Kaiser bedarf. So einen Akt, auch wenn er eigentlich rein administrativer Natur ist, halten viele für zutiefst politisch. Die japanische Nachkriegsverfassung schreibt eine strikte Trennung von Staat und Religion vor. (dpa)