Russlands Autobauer waren stets bemüht, ihren Staatsspitzen ein präsidiales Auto vor die Tür zu stellen. Doch das Ergebnis war zumindest optisch immer enttäuschend. So empfand es auch der jetzt wieder vereidigte Staatschef Wladimir Putin vor sechs Jahren. Damals stand er vor einem Blechhaufen namens ZIL 4112 R, der Krone der postsowjetischen Automobilschöpfung.

Modelle bisheriger russischer Staatskarossen, wie die Limousine ZIL 4112 R, fielen beim heutigen Kreml-Herrn in Ungnade. Sie wurden in den Lichatschow-Werken bei Moskau gebaut.
Modelle bisheriger russischer Staatskarossen, wie die Limousine ZIL 4112 R, fielen beim heutigen Kreml-Herrn in Ungnade. Sie wurden in den Lichatschow-Werken bei Moskau gebaut. | Bild: Peter_J_Jordan

Putin soll sich danach negativ geäußert haben. Denn was er vorgefunden hatte, war nur eine weitere Variante der alten ZIL-Metallkisten aus den 70er-Jahren, in denen schon Altkader wie Leonid Breschnew hinter zugezogenen Vorhängen dösten.

Putin rüstet in Sachen Karosse auf 

Für einen Staatsmann wie Putin, der sein Land auf Augenhöhe neben den USA sieht, müssen auch die dürftigen 315 PS des ZIL eine Ohrfeige gewesen sein, verfügte doch sein Amtskollege Barack Obama (und sein Nachfolger Donald Trump) mit „The Beast“ über eine Gewaltkarosse, die so großzügig motorisiert ist, dass nur Eingeweihte wissen, wie viel Pferdestärken sich unter der Haube tummeln. Bis zu 1000 PS sollen für einen Flucht-Sprint dank Lachgas-Einspritzung nutzbar sein.

Die Staatskarosse von US-Präsident Donald Trump heißt offiziell „State Car“, inoffiziell wird das bis zu acht Tonnen schwere Gefährt „The Beast“ (Das Biest) genannt. Das Bild entstand beim G20-Gipfel in Hamburg 2017. Mehrere Exemplare werden bei Staatsbesuchen in einer Frachtmaschine transportiert. 2019 soll Donald Trump das Nachfolgemodell erhalten. Geschätzter Verbrauch: 27 Liter auf 100 Kilometer.
Die Staatskarosse von US-Präsident Donald Trump heißt offiziell „State Car“, inoffiziell wird das bis zu acht Tonnen schwere Gefährt „The Beast“ (Das Biest) genannt. Das Bild entstand beim G20-Gipfel in Hamburg 2017. Mehrere Exemplare werden bei Staatsbesuchen in einer Frachtmaschine transportiert. 2019 soll Donald Trump das Nachfolgemodell erhalten. Geschätzter Verbrauch: 27 Liter auf 100 Kilometer. | Bild: dpa

Nun wird gemeldet, dass Putin auf solide 600 PS aufgerüstet hat – dank Edeltechnik von Porsche und Bosch, denn das Know-how der Russen in puncto Oberklasse dürfte so minimal sein wie der Pkw-Export.

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Putins neuer Dienstwagen der Marke „Aurus“ – laut Kreml-Fanfaren „in Russland gefertigt, aus russischen Komponenten und von russischen Arbeitern“ – hört auf den Namen „Senat“.

Mit der neuen Limousine „Senat“ ist Wladimir Putin (kleines Bild) zu seiner Vereidigung im Kreml vorgefahren. Der Wagen wird in Russland unter der Marke „Aurus“ gebaut.
Mit der neuen Limousine „Senat“ ist Wladimir Putin (kleines Bild) zu seiner Vereidigung im Kreml vorgefahren. Der Wagen wird in Russland unter der Marke „Aurus“ gebaut. | Bild: AFP

Ob man sich dabei von Opels alter Premium-Kutsche „Senator“ inspirieren ließ? Ganz anders als in den USA, wo die General-Motors-Edelmarke Cadillac den Präsidenten in einen schwarzen Panzer auf Lkw-Rädern einhaust, war die Entwicklung des „Senat“ in alter Sowjet-Tradition 100 Prozent Staatssache. Die Steuerung übernahm eine Art Behörde: „Nami“ – zu deutsch: Wissenschaftliches Forschungsinstitut für Automobile und Automotoren. Dessen Experten orientierten sich früher am Design der US-Chromschlitten.

Ähnlichkeiten zu Trumps Cadillac 

Jetzt schaut man auf andere Rivalen. Putins 6,62-Meter-Limousine verweist mit ihrem senkrecht gerippten Kühler auf die Optik-DNA von Bentley und Rolls-Royce. Der Rest wirkt im Gegensatz zur dynamischen Linie von Putins bisherigem Mercedes S 600 Pullman traditionell und ist damit Donald Trumps Cadillac CTS ähnlich.

Seit den 90er-Jahren setzten Russlands Herrscher wie Boris Jelzin und Wladimir Putin auf Mercedes. Das Bild zeigt Putins Spezialversion S 600 Pullman in Überlänge.
Seit den 90er-Jahren setzten Russlands Herrscher wie Boris Jelzin und Wladimir Putin auf Mercedes. Das Bild zeigt Putins Spezialversion S 600 Pullman in Überlänge. | Bild: Daimler AG - Global Communicatio

Ob der „Senat“ – wie „The Beast“ – auch Granaten und Tränengas verschießen kann, ist unbekannt. Sicher ist: Beide Wagen sind dick gepanzert.