1. Auf Frieden in Syrien können wir noch lange warten. Seit acht Jahren herrscht Krieg in Syrien. Zuletzt schien es so, als finde die Gewalt keine Nahrung mehr und die Kämpfe neigten sich zwangsläufig dem Ende zu. Es war eine Illusion: Der türkische Staatschef Erdogan macht dem Wunschdenken des Westens ein brutales Ende. Der Einmarsch seiner Armee ruft in Erinnerung, dass in Syrien nichts geklärt ist – und dass weiterhin viele fremde Mächte mitmischen. Zum Beispiel die Türkei. Sie will mit aller Kraft verhindern, dass an ihrer südlichen Grenze ein kurdischer Nationalstaat entsteht, der eines Tages dem Staat Erdogans gefährlich werden könnte. Der Westen kann nur zuschauen – und die Flüchtlinge aufnehmen, die Erdogan unweigerlich den Europäern in die Arme treiben wird. (dil)
    Eine Rauchwolke nach einem türkischen Bombenangriff im Norden Syriens.
    Eine Rauchwolke nach einem türkischen Bombenangriff im Norden Syriens. | Bild: LEFTERIS PITARAKIS
  2. Bauern machen Front gegen Bienen-Volksbegehren: Wann hat es das zum letzten Mal gegeben? Mitte der Woche saßen der Chef des Deutschen und des Badischen Bauernverbands, der Oberste Weinbauer Badens sowie der Chef-Obstbauer im Südwesten gemeinsam an einem Tisch. Ziel war es, dem Volksbegehren zum Artenschutz Einhalt zu gebieten. Das Ansinnen der Bienenschützer gefährde nicht weniger als ihren Berufsstand, sagten die Bauern. Insbesondere das Totalverbot von Spritzmitteln in Landschaftsschutzgebieten mache Hunderttausende Hektar landwirtschaftlicher Flächen unbrauchbar, etwa am Kaiserstuhl. Jetzt wollen die Bauern einen eigenen Volksantrag einbringen und Wege aufzeigen, wie aus ihrer Sicht Landwirtschaft und Umweltschutz vereint werden können. (wro)
    Immer seltener: eine Biene beim Nektartanken an einer Blüte.
    Immer seltener: eine Biene beim Nektartanken an einer Blüte. | Bild: Fabian Sommer
  3. Johnson bleibt unberechenbar. Ginge es nicht um die Zukunft einer ganzen Nation, wäre man geneigt, so herzlich zu lachen wie bei einem Slapstick-Sketch: Denn den unberechenbaren Premier hat sich das britische Parlament selbst gewählt – und Vorgängerin Theresa May die Gefolgschaft verweigert. Nun steuern die Briten auf Neuwahlen zu. Die erneuten Gespräche mit der EU zum Brexit-Deal bringen keine Ergebnisse, Johnson will aber keine Fristverlängerung. Der dickköpfige Premier provoziert den Austritt ohne Abkommen mit aller Macht. Sein Kalkül: Seht her, ich habe es versucht, aber „die EU“ sperrt sich. Damit riskiert er seine Machtposition nach den voraussichtlichen Neuwahlen: Seine Parolen gegen die EU spielen den Populisten in die Karten. Die Brexit-Partei könnte ihn übertrumpfen. (mim)
    Bleibt auf Kollisionskurs: der britische Premierminister Boris Johnson. Bild: AFP
    Bleibt auf Kollisionskurs: der britische Premierminister Boris Johnson. Bild: AFP | Bild: PAUL ELLIS
  4. Das Nobelpreis-Komitee kann auch anders. „Optische Pinzette und superkurze Laserpulse“ und „Die Kraft der Evolution in Enzymen und Antikörpern.“ Das waren die Titel der Forschungsarbeiten, die 2018 mit dem Nobelpreis für Physik und dem für Chemie bedacht wurden. Viele Leute, die das mitbekommen haben, dachten sich vermutlich: Hä? Wie? Was? Noch nie gehört. Klar, auch Forschung, die sich mehr im Verborgenen abspielt und nicht den großen medialen Schauplatz sucht, ist wichtig. Aber in diesem Jahr war die Preisvergabe einfach erfrischender: Suche nach der zweiten Erde, Urknall, Batterien für Autos, E-Bikes und Handys sowie Zellforschung für die Krebstherapie. Darunter kann sich jeder etwas vorstellen, das weckt Interesse. Die Schweden trafen damit ins Schwarze. (mic)
    Vorderseite der Nobelpreis-Medaille für Literatur, Physik, Chemie und Medizin.
    Vorderseite der Nobelpreis-Medaille für Literatur, Physik, Chemie und Medizin. | Bild: Lovisa Engblom
  5. Vergesst Neuschwanstein, die Touristen kommen wegen der Autobahn. Es gibt ein wunderbares Video im Netz, in dem Tom Hanks in David Lettermans Late-Night-Show schildert, wie heftig es auf deutschen Autobahnen zugeht. Wie ihm sein rasender Fahrer die Gesichtszüge entgleisen ließ. Das Tempo sei irrsinnig gewesen, so Hanks: 140 Stundenkilometer! Da lacht das deutsche Raserherz einmal fröhlich auf. Aber es zeigt: Für Ausländer ist die Straße der totalen Tempofreiheit wahnsinnig faszinierend. Kein Wunder, dass manche nur deswegen hierherreisen, um mit gemieteten Sportwagen Rennen zu fahren. Muss man sie verteufeln? Keineswegs, wir sind ja selbst schuld, dass wir kein Tempolimit haben. Ob ein Geschäftsrasender im BMW oder ein Brite im Porsche drängelt, ist grad egal. (dod)
    Sie sehen: das bei Rasern weltweit beliebteste Verkehrszeichen. Bilder: dpa
    Sie sehen: das bei Rasern weltweit beliebteste Verkehrszeichen. Bilder: dpa | Bild: Sebastian Gollnow
  6. Katar taugt nicht für Spitzensport. Zu heiß, keine Begeisterung, schwache Organisation, nur eines im Überfluss: Geld. Genau deshalb, weil sie sich die großen Wettbewerbe kaufen können, finden sie bei den Scheichs statt, und die Chefs der internationalen Sportverbände faseln den dummen Satz von der Erschließung neuer Märkte. Weltmeisterschaften wie jetzt die der Leichtathleten in Doha dienen nicht dem Sport und auch nicht dem katarischen Volk, sondern einzig dem Geltungsbedürfnis des Emirs von Katar und seiner Regierung. Die verhätschelten Sportfunktionäre sind deren Handlanger. Im Winter 2022 kommt die Fußball-WM nach Katar – und mit ihr die Hoffnung, dass dieses Ereignis mal so richtig in die Binsen geht. Weil die Scheichs mit Fußballfans überfordert sein werden. (tim)
    Zwei Scheichs, ein Funktionär – Zuschauer bei der Leichtathletik-WM in Doha.
    Zwei Scheichs, ein Funktionär – Zuschauer bei der Leichtathletik-WM in Doha. | Bild: Michael Kappeler