Genau 64 Länder hat sie bereits gesehen, 183 Tage im Jahr ist sie auf Reisen und über 45 000 Menschen folgen Viktoria Urbanek auf Instagram (@wanderlustcom). Die 26-Jährige ist Reisebloggerin und verdient die Hälfte ihres Lebensunterhalts damit, die Welt zu entdecken und auf ihrem Blog chronic-wanderlust.com (deutsch: chronisches Fernweh) darüber zu berichten – in Fotos, Videos und Texten.

Was für viele nach einem Traum klingt, ist für Viktoria Realität: „Mit dem Mietwagen per Roadtrip durch Südafrika, mit dem ukrainischen Nachtzug mit rustikalen Teppichen in das herrschaftliche Lemberg, zu Fuß durch die wilde Natur Andalusiens, tauchen mit den größten Meeressäugern der Welt in Mexiko – das liebe ich, das ist Erlebnis pur“, sagt sie.

Ein Dirndl in Mexiko: In der mexikanischen Ruinenstadt Chichen Itza.
Ein Dirndl in Mexiko: In der mexikanischen Ruinenstadt Chichen Itza. | Bild: Viktoria Urbanek

Da sie viel reist, ist sie nicht immer in Begleitung. „Oft bin ich alleine, konzentriere mich voll und ganz auf das perfekte Fotolicht, suche schon vor Sonnenaufgang den idealen Spot“, erklärt Viktoria, „aber ich will auch den Charme eines jeden Ortes kennenlernen und spüren“.

Das Dirndl muss immer mit

Ein ungewöhnliches Accessoire, das stets mit im Gepäck ist und auf keinem Selbstporträt fehlen darf: ihr österreichisches Dirndl mit Trachtenhut. „Das ist mein Alleinstellungsmerkmal, mein Markenzeichen, das Wiedererkennungswert hat“, sagt sie, „und das Dirndl ist ein toller Eisbrecher – Menschen überall auf der Welt stellen Fragen zum Outfit, vergleichen ihre Tracht mit der österreichischen.“

Trachtenvergleich: Mit ihrem Dirndl weckt Viktoria Urbanek oft die Aufmerksamkeit der Einheimischen, wie hier in Äthiopien.
Trachtenvergleich: Mit ihrem Dirndl weckt Viktoria Urbanek oft die Aufmerksamkeit der Einheimischen, wie hier in Äthiopien. | Bild: Viktoria Urbanek

So kam es, dass sie in Äthiopien Seite an Seite mit einer afrikanischen Familie, ebenfalls in volkstümlicher Kleidung, mit Händen und Füßen über Trachten philosophierte oder in China, Chile oder am indischen Tadsch Mahal immer wieder um Selfies gebeten wird.

Dieses Jahr war sie bereits 13-mal unterwegs

Alleine 2019 war sie bereits 13-mal unterwegs, Italien, Israel, Armenien, Georgien, Florida und Mexiko folgen noch. Ist das nicht auch manchmal stressig? „Natürlich, der Kalender ist oft sehr voll“, sagt Viktoria, „aber ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als meiner Reiseleidenschaft nachzugehen und damit auch noch Geld zu verdienen – es gibt so viel Schönes, Atemberaubendes und Wunderbares auf dieser Welt zu entdecken!“

Federkleid trifft Trachtenkleid: Die Pinguine am Boulders Beach in Südafrika staunen nicht schlecht über Viktorias Dirndls.
Federkleid trifft Trachtenkleid: Die Pinguine am Boulders Beach in Südafrika staunen nicht schlecht über Viktorias Dirndls. | Bild: Viktoria Urbanek

Und ihr Ehemann Jörg habe sie schließlich schon als fast besessen Vielreisende kennengelernt, unterstütze sie natürlich – auch wenn die Sehnsucht mal groß ist.

Auf die Färöer-Inseln würde sie nicht fahren

Länder, die für Viktoria auf der Tabuliste stehen, gibt es nur wenige: „Auf die Färöer-Inseln würde ich nie gehen, weil dort Wale aus Tradition und zur Nahrungsgewinnung brutal totgeschlagen werden“, sagt sie, „aber Tschernobyl oder Nordkorea kann ich mir als Reiseziele gut vorstellen – nicht um Skandaltourismus zu betreiben, sondern um diese Orte kennenzulernen und vielleicht sogar besser verstehen zu können.“ All-inclusive-Strandurlaub würde für sie nie infrage kommen.

In Yucatan: Eines der liebsten Reiseziele von Viktoria ist Mexiko.
In Yucatan: Eines der liebsten Reiseziele von Viktoria ist Mexiko. | Bild: Viktoria Urbanek

Gezielt Bloggerin werden, wollte Viktoria Urbanek eigentlich nie: „Ich war mit 16 ein Jahr lang zum Schüleraustausch in Venezuela, habe damals begonnen, für Familie und Freunde in einem Blog darüber zu berichten“, erinnert sie sich. Später studierte sie Wirtschaftsingenieurwesen, erkundete während zwei Auslandssemestern in Spanien fast die ganze Iberische Halbinsel und hielt wieder alle Eindrücke für die Daheimgebliebenen fest – ihr heutiger Blog war geboren. Neben dem Studium jobbte sie für die Hochschule, war für die Auftritte auf Facebook zuständig.

„Bloggen macht mich glücklich“

„Irgendwann wurde das zum Selbstläufer“, sagt Viktoria. Sie ging erste Kooperationen mit Tourismusverbänden ein, verdiente erste Euros mit dem Testen von Hotels, Wanderwegen und Airlines – und das Feuer war entfacht. „Heute verdiene ich die Hälfte meines Lebensunterhalts mit meinem Blog und Instagram-Beiträgen“, so Viktoria, „ständiges Netzwerken mit Tourismusverbänden ist sehr wichtig, deshalb gehe ich zum Beispiel auch auf Reisemessen, bewerbe mich auf ausgeschriebene Blogger-Reisen und strebe individuelle Partnerschaften mit Firmen und Destinationen an“.

Zu Besuch bei der NASA in Houston, Texas.
Zu Besuch bei der NASA in Houston, Texas. | Bild: Viktoria Urbanek

Die andere Hälfte verdient sie mit dem Schreiben von Beiträgen für Firmen-Websites und der Betreuung und Beratung von Unternehmen in Social-Media-Angelegenheiten. „Das Bloggen macht nicht übermäßig reich, aber es erfüllt mich, macht mich glücklich“, sagt sie, „Reisen öffnet das Herz und lässt mich jeden Tag an Erfahrungen und Selbstvertrauen wachsen.“ Influencerin will sie nicht so gerne genannt werden.