Die Imker in Baden-Württemberg haben in diesem Frühjahr einen heftigen Ernteeinbruch verkraften müssen. Im Schnitt brachte jedes abgeerntete Bienenvolk in der Frühtracht nur 10,8 Kilogramm Honig ein und damit mehr als ein Drittel weniger als vor einem Jahr (18,1 Kilogramm). Das ergab eine Umfrage des Mayener Fachzentrums Bienen und Imkerei in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Imkerbund. 1414 Südwest-Imker hatten teilgenommen. Der Umfrage zufolge blieb keine Region in Baden-Württemberg von der schlechten Entwicklung verschont.

Wie mies die Lage war, verdeutlichen auch andere Zahlen: In Erwartung mickriger Ergebnisse hatten zwei von drei Imkern (63 Prozent) auf die Ernte ganz verzichtet und den Honig im Bienenstock gelassen. So hoch war der Wert in keinem anderen Bundesland. Vor einem Jahr war das noch anders, da hatten fast alle geerntet. Bezieht man den Frühtracht-Wert 2019 auf alle Bienenvölker, also auch die ohne Ernte, so liegt er sogar nur bei 4 Kilogramm. Der Vergleichswert 2018 liegt hier bei 17,7 Kilogramm.

Grund für schlechte Lage ist wohl das Wetter

Fachzentrumschef Christoph Otten begründete die Einbußen mit dem Wetter. „Es war kalt und regnerisch, weswegen viele Pflanzen sich nicht so gut entwickelt haben und weniger Nektar hatten.“ Zudem seien die Bienen weniger umhergeflogen als bei schönem Wetter.

Der 61-jährige Imkermeister Christoph Koch aus dem badischen Oppenau berichtete von einem der schwierigsten Jahre seiner Imkerlaufbahn. Er habe „fast nichts geerntet“. Nur 1975 sei noch mieser gewesen. Allerdings sei sein Lager von dem sehr guten Jahr 2018 noch gut gefüllt – Schwankungen bei der Erntemenge seien Imker gewohnt.

Ob die Imker wegen knapper Bestände ihre Preise auf Wochenmärkten und anderswo anheben, ist noch unklar – Branchenexperte Otten geht nicht davon aus. Für das Gesamtjahr ist er durchaus optimistisch – nach der Frühtracht läuft derzeit noch die Sommertracht-Ernte, hier sieht es besser aus.