Mal eben für knapp fünf Euro ein T-Shirt kaufen, dreimal anziehen und dann ab in den Altkleider-Container damit? Mit Nachhaltigkeit hat das nichts zu tun. Und auch nicht mit Wertschätzung. „Ich habe 15 Jahre bei der DRK-Kleiderkammer gearbeitet und mir wurde schwindelig, was da alles im Sack gelandet ist. Selbst nagelneue, verpackte Sachen, an denen noch das Preisschild hing“, erzählt Miriam Rombach, Begründerin des Labels „Miri Erdbeer“ aus Waldshut-Tiengen.

Miri Erdbeer aus Waldshut-Tiengen

„Das war für mich unverständlich und hat mich richtig wütend gemacht. Wo bleibt der Respekt gegenüber den Leuten, die das Kleidungsstück mal hergestellt haben?“ Miriam Rombach entdeckte das textile Upcycling für sich und gründete 2012 das kleine Label „Miri Erdbeer“. Und zwar zu einer Zeit, als die Aufbereitung von ausrangierten Klamotten noch nicht hip war.

Upcycling in Waldshut-Tiengen: Miriam Rombach von „Miri Erdbeer“.
Upcycling in Waldshut-Tiengen: Miriam Rombach von „Miri Erdbeer“. | Bild: Miriam Rombach

Anfangs hat sie sich auf große Konfektionsgrößen spezialisiert. Heute entwirft und näht die 47-Jährige aufgrund der großen Nachfrage Erwachsenenmode auch in kleineren Größen. Jedes Stück ist bunt, fröhlich und ein Unikat. Die Autodidaktin spart nicht mit verspielten Details wie Rüschen, Spitzen und Schluppen.

Wenn es darum geht, aus Altem etwas Neues zu schaffen, kann Miriam Rombach aus dem Vollen schöpfen: „Ich habe ein Atelier voller Rohdiamanten: Meterware aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren, wunderbar bedruckte Vorhänge, Bauernbettwäsche – unheimlich viele Leute bringen mir säckeweise Kleider, die sie ansonsten in den Altkleidercontainer werfen würden.“

Waldwerk aus Furtwangen

Auch Nadja und Ralf Schuler-Frey aus Furtwangen ist die Herkunft ihrer Textilien ein großes Anliegen. „Nicht nur der Umweltschutz, auch soziale Arbeitsbedingungen sind uns wichtig.“ Die beiden stehen kurz vor der Eröffnung ihres zweiten Ladengeschäfts. 2010 gründeten die beiden mit „Waldwerk“ ein Label für stylishe Heimatmode aus dem Schwarzwald.

Ideenschmiede in Furtwangen: Nadja und Ralf Schuler-Frey von Waldwerk.
Ideenschmiede in Furtwangen: Nadja und Ralf Schuler-Frey von Waldwerk. | Bild: Arne Hartenburg

Es steht für witzig-coole Oberbekleidung: fair-trade-zertifizierte T-Shirts, Hoodies und Longsleeves aus Biobaumwolle. „Wir beziehen die genähte Ware vom Hersteller ‚Stanley and Stella’ aus Belgien und lassen sie nach unseren Designs individuell bedrucken“, erklärt Nadja Schuler-Frey. Die Kuckucksuhr, die Kirschtorte und der Bollenhut kommen als Motive ebenso vor wie Fichtenmoped und Benzinbiber – gemeinhin Kettensäge genannt. Die T-Shirts werden nicht in Fernost bedruckt, sondern auf der Schwäbischen Alb.

Die Siebdruckfarben sind nach Öko-Tex-Standard zertifiziert.„Wer fair produzierte Klamotten kauft, legt auch in anderen Bereichen des Lebens Wert auf Nachhaltigkeit. Doch bei Lebensmitteln wird eher hinterfragt, unter welchen Bedingungen sie produziert wurden“, so Nadja Schuler-Freys Erfahrung.

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Sie ist von Beruf Diplom-Ingenieurin für Bekleidungstechnik und arbeitete früher als Produktmanagerin bei einem Wäsche-Hersteller. Dort hat sie Produktionsbedingungen kennengelernt, die sie ethisch für nicht vertretbar hält. „Das hat mir die Augen geöffnet. Den Job von früher will ich nicht mehr machen“, sagt sie. „Wenn ein Kleidungsstück billiger verkauft wird als der an der Börse gehandelte Baumwollpreis, ist das nicht in Ordnung.“

Auch bei Stefan Niethammer zielt der Begriff „korrekte Kleidung“ nicht auf Hemd und Krawatte ab. Die gerechte Beschäftigung von Menschen und existenzsichernde Löhne waren für ihn, Alexander Tscheulin und Maik Frantsche die Beweggründe, in Konstanz das Label „3Freunde“ ins Leben zu rufen.

3Freunde aus Konstanz

Hervorgegangen ist es aus einem Pfadfinder-Projekt und der Vision, keine Wegwerf-Klamotten, sondern langlebige T-Shirts auf den Markt zu bringen. Und zwar fair, transparent und nachhaltig produziert und gehandelt. Die Idee hatte Erfolg: 2014 überreichte der Bundesentwicklungsminister dem Unternehmen den Fair Trade-Award.

Korrekt gekleidet: Stefan Niethammer aus Konstant mit einem T-Shirt von 3Freunde.
Korrekt gekleidet: Stefan Niethammer aus Konstant mit einem T-Shirt von 3Freunde. | Bild: Johanson, Kirsten

Als Pfadfinder ist Stefan Niethammer damit aufgewachsen, dass die Bewahrung der Schöpfung alle etwas angeht. „Wir haben nur einen Planeten und ein Leben, ich möchte damit etwas Sinnvolles anfangen und aufrichtig durchs Leben gehen“, sagt der 44-Jährige, der in Mannheim BWL studiert hat. „Mir geht es nicht um Profit.“

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Die „3Freunde“-Kollektionen bestehen seit 2010 aus zertifizierter Fair-Trade-Biobaumwolle. Der Verzicht auf Kunstdünger, Pestizide und gentechnisch modifiziertes Saatgut sowie achtsamer Umgang mit Wasser sind wesentlich, wie auch das Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit und asozialen Arbeitsbedingungen. Das Unternehmen garantiert die Einhaltung der GOTS-Kriterien auf jeder Produktionsebene. Das Siegel „Global Organic Textile Standard“ gilt als eines der strengsten weltweit und definiert Anforderungen für Umweltfreundlichkeit und Sozialstandards bei der Textilproduktion.

Die Biobaumwolle wird in Indien von Hand gepflückt und bildet die Basis für die Shirts von 3Freunde.
Die Biobaumwolle wird in Indien von Hand gepflückt und bildet die Basis für die Shirts von 3Freunde. | Bild: 3Freunde/Tanja Hartlieb

Stefan Niethammer weiß genau, wo und wie die Baumwolle angebaut, die Rohware weiterverarbeitet, gesponnen, gefärbt und genäht wird. „Wir haben 2012 eine eigene Näherei, Mila-Clothing, in Tamil Nadu gegründet, um verbindliche, langfristige Arbeitsplätze zu schaffen und die Näher zu fairen Konditionen zu beschäftigen.“ All das ist nicht so teuer, wie mancher fürchtet. Ein unbedrucktes T-Shirt kostet um die 20 Euro. „Meine große Hoffnung ist, dass in Bezug auf Modekonsum ein Umdenken stattfindet.“

Die Webseiten der drei Modelabels:
http://www.instagram.com/mirierdbeer
http://www.waldwerk.org
http://www.3freunde.de