Bei der Jogginghose kannte Karl Lagerfeld keine Gnade. Wer sie trage, habe die Kontrolle über sein Leben verloren, ließ der jüngst verstorbene Modezar wissen. Die Jeans hingegen sei im Stande, Großartiges zu vollbringen: „Du kannst das schickste Persönchen der Welt sein in nur einem T-Shirt und einer Jeans.“

Was der Designer dabei allerdings nicht bedacht hatte: Es ist heutzutage gar nicht so einfach, die Jeans zu finden, die aus einer Frau oder einem Mann ein schickes Persönchen macht.

Problemzonen kaschieren

„Die eine Jeans, die allen passt, gibt es nicht“, sagt einer, der es wissen muss. Herbert Umlauft verdient seit bald vier Jahrzehnten seinen Lebensunterhalt mit dem Verkaufen von Hosen im Allgemeinen und von Jeans im Besonderen.

Herbert Umlauft ist Chef des Jeansladens "Daddy Cool" in Konstanz.
Herbert Umlauft ist Chef des Jeansladens "Daddy Cool" in Konstanz. | Bild: Bilder: Oliver Hanser

Dem Besitzer von „Daddy Cool“ in der Konstanzer Innenstadt eilt der Ruf voraus, dass er auf einen Blick erkennt, welche Jeans für einen Kunden die perfekte ist. „Es passiert nur sehr selten, dass wir nicht die perfekte Hose für jemanden finden“, erklärt er inmitten von mehreren Hundert Jeanspaaren, die sich bis unter die Decke stapeln.

Das könnte Sie auch interessieren

Doch die Ansprüche an das Beinkleid aus Denim sind nicht immer leicht zu erfüllen. Die perfekte Hose – und da sind sich Jeansträgerinnen und -träger einig – soll die Figur betonen, aber gleichzeitig Problemzonen kaschieren, sie soll schlanke Beine machen, aber bitte schön auch einen knackigen Po. Ach ja, und vielseitig einsetzbar und gemütlich sein soll sie auch noch.

Wenn die Suche Stunden dauert

Diese Ansprüche haben auch Stefanie Weiß, Maria Friedrich und Yannick Peter. Alle drei haben schon bei diversen Hosenkäufen die Erfahrung gemacht, dass die Suche nach der passenden Jeans nicht nur mehrere Stunden dauern, sondern auch ziemlich frustrierend sein kann.

„Wenn eine Hose nicht von Anfang an passt, dann fühle ich mich unwohl und verliere schnell die Lust, noch andere Modelle anzuprobieren“, sagt Maria Friedrich. Statt mit einem Lächeln auf den Lippen kehrt sie dann schlecht gelaunt nach Hause zurück.

Denn eigentlich weiß die 1,70 Meter große Frau aus Friedrichshafen mit den langen Beinen genau, was sie will: „Für mich zählt bei einer Hose, dass ich sie mit vielen Oberteilen kombinieren kann und sie zu meinen Lieblingsschuhen passt. Und, dass sie meine Oberschenkel nicht unnötig betont.“

Eine Mid-Waist ist genau richtig

Umlauft weiß, worauf es im Fall der 25-Jährigen ankommt: „Eine Jeans mit dunkler Waschung streckt die Beine optisch. Von hellen Modellen würde ich in diesem Fall eher abraten“, sagt der Experte. Er sucht für sie nach einem Mid-Waist-Modell. Will heißen: Die Hose endet auf mittlerer Leibhöhe, weder in der Hüfte, noch knapp über dem Schritt. In dem Modell „Sakura“ von Kayamara fühlt sich Maria Friedrich wohl.

Für Herbert Umlauft und seine Mitarbeiterinnen Tanja Lehmann und Clara Kapherr geht es bei der Beratung um einen magischen Moment, den das Team als „Aha-Erlebnis“ beschreibt: „Wenn der Kunde vor den Spiegel tritt und seine Augen leuchten, dann haben wir die richtige Jeans gefunden.“

Der magische Moment

Stefanie Weiß, 37 Jahre alt und 1,65 Meter groß, probiert drei Modelle, bevor sie sich mit „Anny“ von Blue Monkey vollauf zufrieden vor dem Spiegel dreht. „Meine Problemzone ist meine Körpergröße. Ich brauche immer eine Zwischengröße. Besonders bei Bootcut-Hosen ist das schwierig, weil die ja genau passen müssen, damit sie nicht auf dem Boden schleifen“, sagt die Frau, die in der Nähe von Rottweil wohnt und in Konstanz arbeitet.

Auch ihr steht eine Hose mit dunkler Waschung am besten, geschickt verlaufende Nähte und optimal platzierte Taschen sorgen dafür, dass ihr auch ihre Rückansicht gefällt.

Eine gerade Hose sitzt perfekt

Das „Aha-Erlebnis“ beschreibt sie so: „Diese Hose habe ich angezogen und sofort gewusst, dass sie perfekt für mich ist. Sie sitzt super und ich will sie eigentlich gar nicht mehr ausziehen.“ Dass sich das Modell, das sie gerade trägt, sowohl sportlich als auch elegant stylen lässt, ist ein weiterer Pluspunkt. Die Hose liegt an den Oberschenkeln an, verläuft unterhalb der Knie aber gerade. „Das macht
schmale Beine“, so der Jeansexperte.

Welche Form passt einem Fußballer?

Die Waschung einer Jeans ist nichts, worauf Yannick Peter beim Hosenkauf achten muss. Der Freizeitkicker aus Konstanz ist 1,81 Meter groß und hat ein anderes Problem: „Bei mir scheitern Modelle an den Waden. Schmale Jeans und kräftige Fußballer-Beine passen in den seltensten Fällen zusammen“, sagt der 27-Jährige mit Blick in den Spiegel.

Eine Regular Fit Jeans ist für den sportlichen Yannick Peter genau die richtige Passform.
Eine Regular Fit Jeans ist für den sportlichen Yannick Peter genau die richtige Passform. | Bild: Oliver Hanser

Ihm reicht Herbert Umlauft eine Regular Fit Jeans von Colorado Denim mit gerade geschnittenen Beinen und grauer Waschung, die Peter auf Anhieb gut findet. „Bei so einer sportlichen Figur darf das Bein ruhig etwas breiter sein, sonst zwickt und zwackt die Hose an den Waden“, erklärt Umlauft.

Gut für kräftige Waden

Der Konstanzer hat schon Jeans verkauft, als Stefanie Weiß, Maria Friedrich und Yannick Peter noch Strampelanzüge trugen. Damals sang David Dundas in seinem Hit „Jeans On“, er müsse nur seine Jeans anziehen und fühle sich gut. Herbert Umlauft kann sich gut an jene Zeiten erinnern: „Die stark begrenzte Auswahl damals bestand aus Modellen der Marken Lee, Levi’s und Wrangler. Da war es nicht schwer, eine Entscheidung zu treffen.“ Ansprüche durften Kunden bestenfalls an die Hosenlänge stellen und die ließ sich mit einer Schere und einer Nähmaschine verändern. Heute ist es eine Herausforderung geworden, die Jeans zu finden, die perfekt passt. Es lohnt sich, sich ihr zu stellen.

 

Welche Jeanstypen es gibt.
Welche Jeanstypen es gibt. | Bild: Serj Siz`kov - stock.adobe.com

 

 

Kleines Einmaleins der Hosenformen

  • Boot-cut: Schön zu Stiefeln, da am Saum ein bisschen weiter. Ein wenig Absatz bei den Schuhen passt gut.
  • Skinny: Von oben bis unten eng. Zu kräftig sollten die Beine dafür nicht sein.
  • Slim Fit: schmal geschnitten, aber nicht hauteng.
  • Regular Fit: Etwas weiterer Schnitt für Leute, die es lieber bequemer mögen.
  • Relaxed Fit: weiter Schnitt. Schön für die Freizeit.
  • Straight/Gerade: Gut bei kräftigen Waden. Sie fallen bei dieser Hosenform nicht auf. Schick sind Stiefel dazu.
  • High-Waist: Segensreiche neue Erfindung für Frauen mit kleinem Bäuchlein und schmaler Taille. Sie drückt nicht und es bleibt alles an Ort und Stelle. Gibt es mit geraden Beinen oder zu den Waden hin enger.
  • Low-Waist: steht jungen Frauen ohne Hüftgold am besten. Auch gut bei flachem Po.
  • Boyfriend: eher locker sitzend, gern auch mit Knopfleiste. Schick, wenn gekrempelt.
  • Baggy Fit: Wie der Name sagt: sehr weit und locker.
  • Trendy Fit: Mit tiefsitzendem Hosenbund. Oft auch bei Haremshosen zu sehen. (bea)