Wenn Model und Moderatorin Sylvie Meis eine Bra-Party schmeißt, bringt sie Dutzende verschiedene BH-Modelle in hübschen Hutschachteln mit und hüpft mit ihren Modelfreundinnen halbnackt durch die Suite eines Hotels.

Viel Rosa, viele Törtchen, viele Luftballons, hier und da ein Herzchen für die Kamera. Und wenn einmal pro Jahr die Topmodels für das Wäschelabel Victoria’s Secret über den Laufsteg schweben, werden sie mit riesigen Flügeln zu Engeln.

Die Realität sieht anders aus. Abseits der Werbespots fristet Unterwäsche ein mitunter ungeliebtes und deutlich weniger rosanes Dasein: Zu eng, zu klein, zu unbequem. Branchenexperten sagen, dass 80 Prozent der Frauen ihre Unterwäsche in der falschen Größe kaufen. Bianca Steber vom Unterwäschegeschäft Malou in Singen geht noch einen Schritt weiter: „Jede Frau kauft in der falschen Größe.“

Wer das Unterwäschegeschäft Malou betritt, bemerkt als Erstes ein Schild am Eingang: Wir ziehen um. Die Fläche von rund 90 Quadratmetern ist nach einigen Jahren zu klein geworden, zu groß sind die Nachfrage und der Kundenstamm. Wer sich in dem Geschäft weiter umsieht, erblickt nicht nur Dessous in allen Formen und Farben, sondern auch ein Plakat nahe der Kasse. „BH-Regeln“ steht da.

Schön und verspielt: Set von Aubade.
Schön und verspielt: Set von Aubade. | Bild: Tesche, Sabine

 

  • Das Unterbrustband entscheidet: Zeichnungen zeigen mit Strichen, was schieflaufen kann: Ist nur der Träger zu eng oder der gesamte BH? Rote Striche markieren auf dem Plakat entweder die Schulter oder die Seite einer Frau. „Viele denken, dass die Träger das gesamte Gewicht halten, doch das stimmt nicht“, sagt Steber. Das Unterbrustband ist entscheidend und sollte gerade um den Körper verlaufen. Zu locker sollte es aber nicht sein.
  • Das richtige Körbchen: Auch die Brust selbst braucht genügend Platz: Quillt die Brust oben oder unten raus, sind die Körbchen zu klein. Und wenn sie zu groß sind, könnte der BH Falten unter der Kleidung werfen. Bei einem Slip sei das noch Geschmackssache: Die eine möge es eher locker und die andere eher enger. Doch bei einem BH geht es auch um die Gesundheit. Wenn er zu eng sitzt, ist das laut Bianca Steber beispielsweise schädlich für den Lymphfluss.
     
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  • Keine zu engen Träger: Zu enge Träger können dazu führen, dass die Druckstellen langfristig bleiben: Statt einer geraden Schulter gibt es dann Einkerbungen dort, wo normalerweise die Träger sitzen. Außerdem stützt ein passender BH die Brust ganz anders. „Das hat auch einen ergonomischen Effekt“, sagt Steber. Sie führt BHs von Körbchengröße A bis J, von Unterbrustumfang 65 bis 115. Zu den Kundinnen zählen viele Frauen mit besonders kleinen oder großen Maßen und für diese sei es eine merkliche Entlastung, endlich den passenden BH gefunden zu haben.
     
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  • Gefüttert, ungefüttert, mit und ohne Bügel: „Nicht jeder BH passt zu jeder Brust“, erklärt Bianca Steber. Frauen haben grundlegend die Wahl zwischen gefüttert oder ungefüttert, mit oder ohne Bügel. „Wir können da auf verschiedene Wehwehchen und Themen eingehen“, sagt Steber. Auch wenn es bei Messen stets etwas Neues im Angebot gebe, haben sich laut Steber viele Modelle bereits bewährt.
  • Von Sport-BH bis Push-up: Vom Sport-BH über den T-Shirt-BH bis zum Balconett- oder Push-up-BH ist alles möglich, je nach Anlass. Dabei ist Optik das eine, die Funktion das andere: Eine Frau mit großer Brust wolle diese vielleicht kleiner wirken lassen, andere wollen ihre kleine Brust größtmöglich rausbringen. „Die Oberbekleidung wirkt ganz anders, wenn man den richtigen BH trägt“, sagt Steber.
  • Der Bügel darf nicht drücken: Worauf eine Frau bei der Anprobe achten soll, hat Bianca Steber rasch aufgezählt: Der Bügel darf nicht in die Brust drücken, die Brust sollte nicht unter dem BH rausquellen, sobald die Arme erhoben sind, und die Verarbeitung soll gut sein. Da hilft laut Bianca Steber nur, jedes Teil vorher anzuprobieren. Auch wenn der BH in Schwarz gut gepasst hat, könne das gleiche Modell in einer anderen Farbe anders ausfallen.
  • Schöne Wäsche für alle: Schöne Unterwäsche ist dabei kein Altersphänomen, weiß Bianca Steber: „Meine Kundinnen werden immer jünger.“ Ihre jüngste Kundin sei 15 Jahre alt, die älteste aber bereits 83. Dabei sei es persönlicher Geschmack, welche Wäsche Frau sich anzieht – ob verspielt oder sportlich. Auch die 83-Jährige wähle schöne Spitzenwäsche. Auch wenn sie darin vermutlich nicht wie Sylvie Meis tanzend durch die Wohnung hüpft.