Marcel Jud, 29, aus St. Gallen/CH: "Vor vier Jahren wollte ich unbedingt einen Lederrucksack kaufen. Nur die Suche nach dem passenden Stück gestaltete sich schwieriger als gedacht. Ich war kurz davor, meine Suche aufzugeben, als ich meinen Wunsch-Rucksack doch noch erblickte: auf dem Rücken einer circa Mitte 50-jährigen Frau in St. Gallen. Spontan sprach ich sie an und fragte sie, wo sie ihren Rucksack erstanden habe. ‚Den habe ich vor Jahrzehnten auf einem Flohmarkt entdeckt’, bekam ich zur Antwort. Seither sei er ihr treuer Begleiter, mit ihm habe sie bereits alle Kontinente bereist. Einige Tage später lief mir die Frau mit dem Rucksack erneut über den Weg. ‚Ich hatte so gehofft, Sie wiederzusehen’, sagte sie strahlend. ‚Der Rucksack war lange genug bei mir. Es ist an der Zeit für ihn, mit jemand anderem Neues zu erleben’, sagte sie, nahm den Rucksack von ihren Schultern und streckte ihn mir hin.“

Martina Pfeffer mag besonders den roten Mantel, den ihre Mutter ihr geschenkt hat.
Martina Pfeffer mag besonders den roten Mantel, den ihre Mutter ihr geschenkt hat. | Bild: Corinna Raupach

Martina Pfeffer, 53, aus Friedrichshafen: „Diesen roten Mantel liebe ich besonders. Er war das letzte Geburtstagsgeschenk von meiner Mutter, ehe sie vor einem Jahr gestorben ist. Immer, wenn ich ihn trage, denke ich an sie. Wir sind nach Eriskirch gefahren, haben ihn gekauft und für sie noch einen Pulli und einen Schal. Mein Mann hat gesagt: Der steht dir gut, das ist die richtige Farbe für dich. Rot mag ich sowieso gern. Nach dem Tod meiner Mutter wollte ich den Mantel nicht mehr anziehen. Aber Freunde und meine Familie sagten, gerade deshalb solltest du ihn tragen. Jetzt halte ich ihn in Ehren. Ich bin auch sicher, dass sie Freude daran hat, wo sie jetzt ist. Er gehört zu den wenigen Kleidungsstücken, die ich nicht verleihe.“

Denise Oehri aus Konstanz mit ihrem Lieblings-Band-Shirt.
Denise Oehri aus Konstanz mit ihrem Lieblings-Band-Shirt. | Bild: Graf, Svenja
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Denise Oehri, 29, aus Konstanz: „Dieses schwarz-weiße T-Shirt der australischen Band Parkway Drive hat sich mein Freund vor zwei Jahren bestellt und es ein gutes Jahr lang getragen. Als es ihm nicht mehr passte, habe ich es genommen – schließlich mag ich die Band auch. Allerdings bin ich eher klein und zierlich. Es gab nur eine Lösung, damit das gute Stück nicht in die Tonne wandern musste: Schere und Nähmaschine mussten her. Ich habe ein bisschen an dem Shirt herumgeschnitten, Säume umgenäht und nach kurzer Zeit hatte ich ein Bandshirt, das super passte. Das hat mich positiv überrascht, weil es das erste Mal war, dass ich mir ein Kleidungsstück umgestaltet habe.“ (svg)

Iris Bauer und ihr Lieblings-Flamencorock.
Iris Bauer und ihr Lieblings-Flamencorock. | Bild: Jana Mantel

Iris Bauer, 54, aus Konstanz: „Ich tanze für mein Leben gern. Als ich las, dass in Litzelstetten ein Flamencokurs angeboten wird, war ich sofort Feuer und Flamme. Zunächst konnten wir verschiedene Röcke der Kursleiterin leihen, um schön beim Tanzen zu schwingen. Dann stöberte ich selbst im Internet. Ein Rock hatte es mir besonders angetan. Die Marke heißt so ähnlich wie ich: Iris Caracol. Mein Geburtsname lautet Iris Kargoll, wenn das kein Zeichen gewesen ist! Der Stoff ist so schön fließend und macht jede Bewegung mit. Es drückt nichts, weil der Bund schön breit ist, einfach ein Traum! Da er weder Volant, Punkte oder Blümchen hat, kann ich ihn auch zu einer anderen Gelegenheit anziehen. Aber selbstverständlich trage ich ihn jede Woche zum Training, da macht das Tanzen gleich doppelt so viel Spaß!“

Mandy Ritter, 45, aus Pfullendorf.
Mandy Ritter, 45, aus Pfullendorf. | Bild: Kirsten Johanson.

Mandy Ritter, 45, aus Pfullendorf: „Das gesmokte Teil mit Karomuster ist eigentlich als Schal gedacht. Ich habe es bei DaWanda im Internet bestellt und nie als Schal getragen. Stattdessen habe ich es mit einem großen Knopf versehen und ziehe es nun über die Schulter als Schärpe an. Am liebsten zu etwas Schlichtem, so wie heute mit schwarzem Shirt und schwarzer Hose, zufälligerweise habe ich auch passende Karo-Peeptoes oder ich trage dazu meine schwarzen Pumps mit schwarzen Kunstfellpuscheln. Ich liebe es, Kleidungsstücke mit einfachen Mitteln zu individualisieren. Mein Brautkleid habe ich zum Beispiel mit cremeweißen Federn verschönern lassen, ein bisschen Chichi darf schon sein.“

Mechthild Frey-Albert aus Bonndorf mit grüner Jacke, passenden Schuhen und Schal in denselben Tönen, darunter Basics. Der Hingucker der Jacke ist die Rückseite mit Musterstrick.
Mechthild Frey-Albert aus Bonndorf mit grüner Jacke, passenden Schuhen und Schal in denselben Tönen, darunter Basics. Der Hingucker der Jacke ist die Rückseite mit Musterstrick. | Bild: Deinzer, Gudrun

Mechthild Frey-Albert, 56, aus Bonndorf: „Für mich ist es wichtig, dass das, was ich anziehe, zu mir und zum Anlass passt, also in sich stimmig und authentisch ist. Derzeit ist sehr viel sehr grell. Das passt weder zu mir noch zu meinem Job als örtliche Vertreterin der Caritas und auch stellvertretende Bürgermeisterin in Bonndorf. Da möchte ich den Menschen auf Augenhöhe begegnen, weder als Paradiesvogel, noch overdressed. Das Besondere meiner Lieblingsstücke zeigt sich oft erst auf den zweiten Blick, wie etwa eine kleine Stickerei oder ein Musterstrick am Rücken, wie bei dieser grünen Jacke. Ich kombiniere gern mit Stücken, die ich auch aus den Vorjahren habe und gerne anziehe. Als Kommunalpolitikerin versuche ich, so viel wie möglich vor Ort einzukaufen, um den örtlichen Handel zu stützen.“

Kerstin Gsell-Börngen, 49, aus Baden/CH, in ihrem Kunstlederkostüm.
Kerstin Gsell-Börngen, 49, aus Baden/CH, in ihrem Kunstlederkostüm. | Bild: Sira Huwiler

Kerstin Gsell-Börngen, 49, aus Baden/CH: „Mein absolutes Lieblingsstück ist ein schwarz-braunes Kostüm aus Kunstleder. Ich habe den Rock und die Jacke vor sechs Jahren in meiner kleinen Herzensboutique Klamotte in Waldshut-Tiengen gefunden und mich sofort in dieses Kostüm verliebt. Mir gefällt feminine Mode mit Stil, die mich nicht gekünstelt jung macht. Ich bin fast 50, ich bin stolze Mama, ich stehe mit beiden Beinen im Leben und das zeige ich mit Stolz. Kleider, Röcke, Rüschen und Materialien, die sich toll anfühlen – das sind meine Favoriten! Die Kleidung, die ich trage, soll zu mir passen und darf auch gerne eine Geschichte über mich erzählen und meine Persönlichkeit unterstreichen. Leggins, Hosen mit Gummizug am Knöchel mag ich hingegen überhaupt nicht.“ (sih)