„Heiß ich etwa Wolfgang Joop oder was?“ Dieser Satz wäre eine Super-Antwort gewesen. Aber jetzt ist es zu spät, das Ding ist durch. Vor der Kollegin bin ich eingeknickt wie ein welkes Blatt im Wind.

Ich habe ihr die flehentliche Bitte nicht abschlagen können, als sie einen männlichen Autor suchte, um ein Thema zu platzieren, das sich jetzt wie eine Handgranate anfühlt, die jederzeit explodieren kann: Zehn (!) Modesünden, die ich an einer Frau nicht gerne sehe. Man(n) kratzt sich verlegen am Kopf.

Gerecht aufgeteilt, aber...

Zwar ist das Thema geschlechtergerecht aufgeteilt. Aber wenn eine Frau über das männliche Minustalent für schicke Kleidung schreibt, so ist das gesellschaftlich akzeptiert, ja gewollt.

Jeder weiß, dass die meisten Männer zum Gruseln aussehen, wenn ihnen eine Frau morgens nicht Hemd, Krawatte und Anzug rauslegt und sie auf den kühnen Gedanken verfallen, selbst in die Schränke und Schubladen zu greifen. Aber welcher Mann legt seiner Frau die Klamotten raus? Ich wüsste keinen!

Nein, ich bin nicht Joop!

Jetzt soll ich den Stilberater geben, obwohl ich nicht Wolfgang Joop bin – und Leserinnen sagen, was Mann an Frau nicht gerne sieht. Schwierig, zumal ich keine Sanktionen androhen kann. Wie sollten die aussehen? Strafandrohung nach Paragraf 23 der Bundesgeschmacksverordnung? Wie käme dieser Satz an: „Hiermit fordere ich Sie auf, umgehend ein Bekleidungsgeschäft mit kompetenter Beratung aufzusuchen und es umgekleidet zu verlassen!“

Crocs mögen praktisch sein. Unser Autor empfindet sie jedoch als Modekriminalität.
Crocs mögen praktisch sein. Unser Autor empfindet sie jedoch als Modekriminalität. | Bild: OKSANA TKACHUK - stock.adobe.com

Ich überlege, mal in ein Modegeschäft vorzudringen und ein paar Frauen in flagranti zu ertappen, wie sie sich etwas aussuchen, was absolut nicht zu ihnen passt. Aber erstens verhindern sensible Fachverkäuferinnen das Schlimmste, und zweitens würde ich auffallen, peinlich befragt und bekäme Hausverbot. Das kann man sich als Redakteur nicht leisten.

Daher ist es das Beste, sich auf sein Gedächtnis zu verlassen und sich niederschmetternder Optiken zu erinnern, die einem irregeleitete Frauen zuweilen bescheren können.

Schwere Modekriminalität: Crocs

Ein Fall von schwerster Modekriminalität ist die Erfindung von Crocs. An den Füßen von Frauen sind sie schauderhaft und allerhöchstens in Chirurgengrün bei Gartenarbeit zu billigen. Bunte Farben machen diese Plastikbollen noch hässlicher, weil auffälliger. Ich werde, sollte ich im Sommer Frauen mit Crocs begegnen, jene auffordern, barfuß in den nächsten Schuhladen zu laufen, und kontrollieren, ob sie es auch tun.

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Das Gleiche gilt für einen weiteren Jahrhundertskandal: Birkenstöcke. In Innenräumen sind sie schon schlimm genug, außen eine Katastrophe. Umso mehr war ich geschockt, als ich kürzlich einen Beitrag über „Die neue Frauenmode 2019“ studierte und ein entsetzliches Foto sah: Ein Model hatte man gezwungen, nach bester Vietcong-Tradition einen oliven Hosen- oder Kampfanzug mit luftigem Schnitt zu tragen – und an den Füßen plüschbesetzte Gesundheitslatschen. Wenn es wenigstens Asia-Strohsandalen gewesen wären! Ein Einreiseverbot nach Vietnam wäre die geringste Strafe für die Hintermänner (oder Hinterfrauen?) dieser Kreation.

Wollweste wie ein greiser Schriftsteller

Ich dachte immer: Wenn eine Frau auf ihre Jeans keine Gürtel trägt oder sich – obwohl im besten Alter – eine graue Wollweste überstreift wie ein greiser Schriftsteller am Schreibtisch – , dann ist das Grund zur Besorgnis. Aber es geht noch schlimmer! Das machte mir der Frauenmode-Artikel ungeschminkt klar. Schon der Satz „Es gibt immer weniger Regeln“ ließ mich frösteln. Bei „Es kann jeder seinen eigenen Style entwickeln“ machte ich mich auf alles gefasst.

Nicht alles, was im Trend liegt wie der Batiklook, muss auch gefallen.
Nicht alles, was im Trend liegt wie der Batiklook, muss auch gefallen. | Bild: kvladimirv – stock.adobe.com

Gut, dass ich mich vorbereitet hatte. Batik ist wieder in. Das ist, als hätte mir einer gesagt: Bei der Polizei steht jetzt wieder die Eiserne Jungfrau. Jetzt tummeln sich Retro-Blumenkinder auf den Straßen, und ich muss hilflos mit ansehen, wie die Ur-Botschaft der 68er – Individualismus plus Rock’n’Roll – gnadenlos durchkommerzialisiert wird.

Ist jetzt immer Fasnacht?

Muss denn ewig alles aus der Mottenkiste gekramt werden? Ist jetzt immer Fasnacht? Plötzlich wird der Oversized-Blazer an den Körper gesteckt und macht Roboter-Schultern. Wie mit dem Lineal gezogen. Diese Blechdosen-Eleganz glaubte ich mit der Wiedervereinigung so überwunden wie DDR-Jeans. Kommt die bald auch zurück?

Möglich, genauso wie die Römersandalen der 80er, mit denen Schüler/innen und Student/innen brav und friedlich auf der Bonner Hofgartenwiese standen. Jetzt wird auf Cäsar komm raus gerömert, weil irgendwelche Designer einen alten Sandalenfilm gesehen haben.

Leo-Tarnflecken: etwas billig

Modegespenster der Vergangenheit kriechen aus der Gruft. Leoparden darf man nicht mehr schießen und zu Mänteln kürschnern, aber ihre Tarnflecken-Deko soll man sich wieder überstreifen. Skandal um Rosi lässt grüßen. Ist das nicht etwas billig?

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Kleidung ist nicht einfach irgendein Stoff, den man sich überstreift. Mit Geschmack ausgewählte Mode kann auf den ersten Blick sichtbar machen, wer wir sind und was wir können, sie ist gleichsam eine nonverbale Sprache! Das sollten Frauen nutzen. Ein riesiger Vorteil gegenüber uns Männern, die wir meist auf einen Anzug plus Hemd festgelegt sind.

Die Chancen, die in einem stilvollen Outfit liegen, sollte man ergreifen und keine Gipfel des Geschmacksverbrechens besteigen. Mit Grausen denke ich an einen Look, der für einen Volkssport erfunden wurde.

Die Radlerhose: sofort einschreiten!

„Radlerhose“ klingt so harmlos wie „Tennis-T-Shirt“. Aber wehe, sie tritt losgelöst vom Sattel in Erscheinung! Jetzt will man diese Plastik-Haut „alltagstauglich kombinieren“ – mit einem Blazer. Hiergegen einzuschreiten erkläre ich hier und heute zur Aufgabe jeder Polizeistreife! Zeugen werden gebeten, Beamte mit sachdienlichen Hinweisen zu unterstützen.