Meinem Sohn Paul, 8, hatte ich es am Ende zu verdanken, dass ich als Gast in die ARD-Sendung „Hart aber fair“ nach Köln eingeladen wurde. Denn er hatte die Idee, dass wir als Familie versuchen, auf Plastik zu verzichten, nachdem er Kindersendungen darüber gesehen hatte. Seit Januar läuft unser Projekt. Sechs gelbe Säcke bunkerte ich anfangs, mittlerweile haben wir noch drei – das ist unsere erste Bilanz. Genau darüber sollte ich in der Sendung erzählen.

Wer bei „Hart aber fair“ auftritt, wird zuerst von einer Maskenbildnerin professionell aufgehübscht. Neben mir saß dabei Heike Vesper, Leiterin Meeresschutz beim World Wildlife Fund (WWF). Danach war noch ein wenig Zeit, schnell noch einmal zu Hause anzurufen. Die Aufregung in mir stieg von Minute zu Minute. Kurz vor der Sendung lernte ich die anderen Gäste kennen: Dirk Steffens, Wissenschaftsjournalist, den Handelsexperten Thomas Roeb, den Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck und Rüdiger Baunemann, Chef des Verbands der Kunststofferzeuger „Plastics Europe“.

Eine Stunde warten auf das Interview

Nach Start der Sendung musste ich fast eine Stunde auf mein Einzelinterview warten. Zeit, die schnell verging. Denn die Experten hatten viel zum Plastik zu sagen. WWF-Frau Vesper berichtete von toten Fischen und Walen, „Terra X“-Moderator Dirk Steffens plädierte für höhere Steuern auf Plastikverpackungen. Der Vertreter der Plastikindustrie, Rüdiger Baunemann, wehrte sich: Plastik sei ein Verpackungsmaterial mit vielen Vorteilen. Warum es nötig sei, 80 Gramm Schinken in einer Kunststoff-Umverpackung anzubieten, konnte aber auch er nicht einleuchtend erklären. Handelsexperte Thomas Roeb verteidigte das Plastik. Es mache Lebensmittel länger haltbar. Der Grüne Robert Habeck forderte ein stärkeres Eingreifen der Politik.

Backstage-Selfie mit Robert Habeck (Grüne)
Backstage-Selfie mit Robert Habeck (Grüne) | Bild: Mommsen

Dann durfte ich auf die Bühne und wurde an einem Stehtisch platziert. Ich war live auf Sendung! Frank Plasberg befragte mich zu unserem „Plastikfasten“-Projekt in meiner Familie in Friedrichshafen. Mein Sohn wurde eingeblendet, auch unsere gelben Säcke. Ich erzählte davon, wie wir beim Metzger Fleisch und Aufschnitt in Tupperdosen packen lassen, dass ich Obst und Gemüse nur noch lose im Supermarkt kaufe und alles andere auf dem Wochenmarkt, und darüber, dass ich Milch, Joghurt, Sahne, Butter und Käse bei einer Molkerei im Direktverkauf besorge – alles ohne Plastik.

 

 

Auch Plastikteilchen in Kosmetika waren Thema – denn in vielen Duschgels und Peelings ist Mikroplastik enthalten, das ungefiltert ins Abwasser und damit im Meer landet. „Nur das Haargel von Paul ist noch nicht plastikfrei“, erzählte ich, „aber das werden wir auch noch schaffen“, fügte ich hinzu. Die Zeit wurde knapp. Wenigstens gelang es mir noch, eines zu sagen, was mir wichtig war: „Ich glaube, dass wir Verbraucher mit jeder Kaufentscheidung eine Stimme abgeben und dem Handel signalisieren, dass es so nicht mehr weitergehen kann.“

Am Schluss der Sendung wurden die Experten von Moderator Frank Plasberg gefragt, von wem aus der Runde sie sich gerne bekochen lassen würden. Der Vorsitzende der Grünen, Robert Habeck, wählte meinen Sohn Paul – ich werde Habeck beim Wort nehmen und ihn bald zu uns nach Hause einladen!

Kerstin Mommsen in der Maske.
Kerstin Mommsen in der Maske. | Bild: Mommsen

Über den Selbstversuch der Familie Mommsen, Plastik zu vermeiden, wird nach Ostern in einer SÜDKURIER-Serie berichtet. In zehn Folgen gibt die Redaktion Lesern Tipps, wie man dazu beitragen kann, weniger Plastikmüll zu produzieren. Der Selbstversuch zeigt, dass es so schwierig gar nicht ist.