Japan: Skandale oder Berichte über Marotten der Monarchenfamilie? In Japan undenkbar. Das Kaiserhaus ist der wohl förmlichste Monarchenhof der Welt. Abgeschottet vom Volk und streng überwacht vom erzkonservativen kaiserlichen Haushofamt ist das Leben am Hofe der ältesten Erbmonarchie der Welt geprägt von jahrhundertealten Zeremonien und uralten Riten. Beobachter sprechen gar von einem „Gefängnis“.

Der japanische Kaiser Akihito. Bild: dpa
Der japanische Kaiser Akihito. | Bild: Franck Robichon

Und doch hat Kaiser Akihito (84), der am 30. April 2019 als erster Tenno seit rund 200 Jahren abdanken wird, dafür gesorgt, dem Hof zu einem etwas menschlicheren Gesicht zu verhelfen – indem er etwa Opfern von Katastrophen Mut macht und Altenheime besucht. Am 1. Mai 2019 wird sein ältester Sohn, Kronprinz Naruhito (57), den Chrysanthementhron besteigen und so eine neue Ära für das Land einläuten. Die japanische Zeitrechnung, die bis heute im Alltag des Landes gebräuchlich ist, richtet sich nach der Amtszeit des Monarchen. Akihitos Abdankung erfolgt demnach im Jahr „Heisei 31“.

Großbritannien: Der britische Thronfolger Prinz Charles hat einen Ruf als ziemlich verwöhnter Eigenbrötler, der mit Blumen spricht und mit einem weißen Leder-Toilettensitz auf Reisen geht. Lange hatte er Probleme, seine Rolle und den Sinn des Lebens zu finden: Traumanalysen, spirituell geprägte Erlebnisse in der afrikanischen Kalahari-Wüste, seine Beschäftigung mit dem islamischen Sufismus – das erschien vielen Landsleuten suspekt.

Prinz Charles salutiert während eines Besuchs beim The Mercian Regiment in Bulford, Wiltshire. Bild: AFP
Prinz Charles salutiert während eines Besuchs beim The Mercian Regiment in Bulford, Wiltshire. | Bild: PETER NICHOLLS

Dabei wirkt der rotwangige 69-Jährige mit seinen Segelohren, dem Einstecktuch und der Schiebermütze wie ein Brite aus dem Bilderbuch. In puncto Lebensmittel ist der überzeugte Umweltschützer besonders eigen. Er soll britischen Medien zufolge schon oft sein eigenes Gemüse und Fleisch sogar zum Dinner ins Opernhaus mitgenommen haben. Er wettert laut über aus seiner Sicht misslungene Architektur und blieb aus Protest gegen Menschenrechtsverstöße auch schon mal dem Staatsbankett der Queen mit dem chinesischen Präsidenten fern. Viele schätzen Prinz Charles aber gerade deshalb als Charakterkopf mit Rückgrat. Sollte er aber einmal im Rentenalter König werden, dürfte damit wohl endgültig Schluss sein: Politische Stellungnahmen des Königshauses sind nämlich unerwünscht.

Thailand: Zu den etwas eigenartigen Royals dieser Welt gehört auch Thailands neuer König Maha Vajiralongkorn. Wenn der 65-Jährige zu Hause in Bangkok ist, hört man von ihm nicht viel. Umso mehr aber, wenn er sich in seiner Wahlheimat Bayern aufhält. Der wohl reichste König der Welt verbringt viel Zeit in seiner Villa in Tutzing.

Thailändische Arbeiter hängen eine gerahmte Fotografie von König Maha Vajiralongkorn in einer Shopping Mall in Bangkok auf. Bild: dpa
Thailändische Arbeiter hängen eine gerahmte Fotografie von König Maha Vajiralongkorn in einer Shopping Mall in Bangkok auf. | Bild: Rungroj Yongrit

Manche Auftritte des dreimal verheirateten Monarchen sind skurril. Auf dem Münchener Flughafen wurde er mit in einer Art Sport-BH für Männer, der wie ein ultrakurzes, bauchnabelfreies Top aussieht, und mit vielen Tattoos gesichtet. Die Debatten, ob die Tätowierungen echt sind oder nicht, waren nach einem Besuch des Königs in einem Baumarkt vorbei. Auch dort war er bauchfrei unterwegs – aber ohne Tattoos. Für Schlagzeilen sorgte Vajiralongkorn auch, als er auf einer Rad-Tour in Unterammergau in einem Gasthaus Zwischenstopp machte. Das mitgebrachte Gefolge musste ihn dort auf Knien bedienen – in Thailand normal, in Deutschland nicht. Dass er mit einer anderen Radtour durch Bayern dann nochmals in die Zeitungen kam, dafür konnte er nichts: In Erding wurde er von zwei Jugendlichen mit einer Spielzeugpistole beschossen. Anzeige erstattete der König nicht.

Norwegen: Die norwegische Prinzessin Märtha Louise (46), älteste Tochter von König Harald und Nummer vier in der Thronfolge, arbeitet als Geistheilerin. Sie hat die esoterische Schule „Soulspring“ gegründet, wo man lernen kann, mit Engeln in Kontakt zu kommen und sich selbst zu finden. Märtha Louise behauptet, Kontakt zur Geisterwelt zu haben und mit Pferden sprechen zu können. Sie beschreibt sich selbst als „hochsensitiv“. „Das fühlt sich an, als habe man die Nerven auf der Außenseite des Körpers. Das Gehirn arbeitet anders und reagiert auf mehr Dinge“, sagte sie in Interviews.

Die norwegische Prinzessin Martha Louise. Bild: AFP
Die norwegische Prinzessin Martha Louise. | Bild: BEN STANSALL

Als Kind habe sie immer versucht, normal zu sein. „So normal, wie man als Prinzessin sein kann. Aber es ist schwer, gleichzeitig Prinzessin und hochsensibel zu sein.“ Ihr Versprechen, zahlungswilligen Landsleuten direkten Kontakt mit Toten zu vermitteln, kommt nicht überall gut an. Bischöfin Laila Riksaasen Dahl sagte: „Kontakt mit den Toten widerspricht dem Christentum.“ Theologieprofessor Trygve Wyller warf der protestantisch getauften Prinzessin vor, sich als eine Art „Hohepriesterin aus dem Königshaus“ aufzuspielen. In Medien wird Märtha Louise seit Längerem kritisiert, weil sie ihren royalen Titel für Geschäfte nutzt.

Spanien: Spaniens König Felipe VI. (49) ist eher als bodenständiger Monarch bekannt, der – anders als sein Vater – bislang durch keine besonderen Marotten aufgefallen ist. Außer einer: Felipe ist Fan des spanischen Erstligisten Atlético Madrid, der in Spanien als „Arbeiterclub“ gilt. Alle anderen Royals feuern traditionell Rekordmeister Real Madrid an, die „Königlichen“, wie der Vereinsname bereits besagt. Felipes Vater, Altkönig Juan Carlos, war als begeisterter Jäger und Stierkampf-Fan bekannt.

Der spanische König Felipe VI. in der Basilika La Sagrada Familia in Barcelona (Spanien). Bild: dpa
Der spanische König Felipe VI. in der Basilika La Sagrada Familia in Barcelona (Spanien). | Bild: MATTHIAS BALK

Dies brachte ihm beim Volk lange eher Sympathien als Kritik ein – bis zu einer verhängnisvollen Elefantenjagd in Botsuana im Jahr 2012. Mitten in der Wirtschaftskrise, während viele Spanier arbeitslos waren, reiste der Monarch in die afrikanische Savanne, um für viel Geld Dickhäuter zu erlegen. Hätte er sich bei der Reise nicht die Hüfte gebrochen, wäre der Luxus-Jagdausflug wohl nie an die Öffentlichkeit gekommen. Nach herber Kritik in der Heimat entschuldigte sich der König öffentlich: „Ich bedauere das sehr.“

Oman: Der 76-jährige Qaboos bin Said steht dem Sultanat seit dem 23. Juli 1970 vor. Zu Deutschland hat der Langzeitherrscher gute Beziehungen. Regelmäßig verbringt er seinen Urlaub in Garmisch-Partenkirchen, hier hat der milliardenschwere Herrscher des arabischen Sultanats zu Füßen der Zugspitze ein prachtvolles Anwesen. Zwar taucht Qaboos bin Said so gut wie nie im Ort selbst auf, wie Einheimische wissen. Er bleibt lieber in seinem streng bewachten Refugium. Von seiner Anwesenheit zeugen allenfalls Nobellimousinen mit verdunkelten Scheiben.

Qaboos bin Said, Sultan von Oman, beim Besuch einer Militärparade in der Hauptstadt Muscat. Bild: AFP
Qaboos bin Said, Sultan von Oman, beim Besuch einer Militärparade in der Hauptstadt Muscat. | Bild: STRINGER

Doch sein Begleittross ist recht präsent im Ort. Und auch die Gefolgsleute des Monarchen lassen gutes Geld im noblen Ferienort: Es hat sich unter Arabern herumgesprochen, dass es sich in Bayern gut urlauben lässt. Die Zahlen aus dem Tourismusbüro belegen es: Mit fast 53 000 Übernachtungen nahmen die Urlauber aus den arabischen Golfstaaten den USA 2015 den Spitzenplatz im Auslandsgeschäft ab. Der Zuwachs gegenüber dem Jahr zuvor beträgt satte 44 Prozent. Nach den USA mit knapp 49 000 Übernachtungen belegt Großbritannien bei rund 38 600 Übernachtungen Platz drei. Entsprechend hat die Gemeinde reagiert. Sie bietet Gästeführungen in Arabisch an.

Swasiland: König Mswati III. ist zwar erst 48 Jahre alt, doch er regiert das zwischen Südafrika und Mosambik gelegene Königreich seit dem 25. April 1986. Er ist der einzige absolutistisch regierende Herrscher in Afrika. Laut Forbes hatte er 2015 ein Vermögen von mindestens 50 Millionen US-Dollar – das Geld kann er gut brauchen: Mswati hat 14 Ehefrauen. Da ist allerdings noch Luft nach oben. Sein Vater hatte 70 Frauen, mit denen er 210 Kinder gezeugt haben soll. Jährlich lädt der König daher zum traditionellen Umhlanga-Tanz (Schilfrohr-Tanz), bei dem Tausende barbusige Jungfrauen aufmarschieren.

König Mswati III (Mitte) umrahmt von Männer seiner traditionellen Sicherheitseskorte. Bild: dpa
König Mswati III (Mitte) umrahmt von Männer seiner traditionellen Sicherheitseskorte. | Bild: Jürgen Bätz

Bei der Zeremonie führt der Herrscher als Zeichen seiner Macht einen Stock mit sich; er stellt seinen rundlichen Oberkörper stolz zur Schau, darunter trägt er nur eine Art Rock aus Leopardenfell. Seinen Kopf schmücken rote Federn, das Zeichen für Mitglieder der Königsfamilie. Der König ist für seinen luxuriösen Lebensstil bekannt – Paläste für seine Frauen und ein neuer Jet für Auslandsreisen gehören fest zum Programm. Zwei Drittel der Bevölkerung leben der Weltbank zufolge dagegen in Armut. Swasiland hält auch den traurigen Rekord, die weltweit höchste Rate an HIV-Infektionen zu haben.

Bhutan: Bhutan zwischen seinen mächtigen Nachbarn Indien und China ist mit knapp 38 400 Quadratkilometern kleiner als Niedersachsen. Wegen der oft heftigen Stürme wird es auch „Land des Donnerdrachens“ genannt. Die meisten der 740 000 Einwohner arbeiten in der Landwirtschaft. Der Buddhismus tibetischer Prägung ist Staatsreligion. König Jigme Singye Wangchuck – Vater des jetzigen Monarchen – ließ erst 1974 Touristen in das lange abgeschottete Land.

Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, König von Bhutan, und Königin Jetsun Pema. Bild: AFP
Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, König von Bhutan, und Königin Jetsun Pema. | Bild: TOSHIFUMI KITAMURA

Im November 2008 wurde der damals 28-jährige Jigme Khesar Namgyel Wangchuck als fünfter „Drachenkönig“ gekrönt. In Bhutan hat die Suche nach dem Bruttonationalglück (Gross National Happiness) Verfassungsrang. Regelmäßig befragt die Regierung ihre Bürger. Besonders glücklich dürfte aber der König selbst sein. Viele Jahre bevor Jigme Khesar zum „Drachenkönig“ von Bhutan aufstieg, saß er als Jugendlicher mit Freunden bei einem Picknick und bemerkte ein kleines Mädchen. Auf der Stelle habe er sich verliebt und gesagt, dass er das Kind einst heiraten werde, heißt es in Bhutan. 14 Jahre später wurde der Wunsch Wirklichkeit: Der König traute sich mit der damals 21 Jahre alten Pilotentochter. (dpa)