Eigentlich wollte Chris Grau nur zum Ausdruck bringen, dass er sich das Autofahren trotz anhaltender Klimaproteste nicht verbieten lassen will. Deshalb gründete der Münsteraner Leiter einer Autowerkstatt gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten aus ganz Deutschland die Facebook-Gruppe „Fridays For Hubraum„ (FFH). Von dem, was dann passierte, wurden die Betreiber nach eigenen Angaben regelrecht überrollt.

„Es ging eigentlich darum, der, aus unserer Sicht, vollkommen fehlgeleiteten Umweltpolitik humorvoll entgegenzutreten und sich in kleinem Kreise austauschen zu können“, sagt FFH-Mitgründer Johannes Büchner auf SÜDKURIER-Anfrage. Die Mitgliederzahl stieg jedoch innerhalb von drei Tagen auf über 395.000.

Das Problem: Auch Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretiker kaperten die Gruppe und verbreiteten Hassbotschaften und Morddrohungen – vor allem gegen die Klimaaktivistin Greta Thunberg.

AfD wirbt für die Facebook-Gruppe

Mehrere Vertreter der AfD hatten zuvor für die Gruppe geworben. So schrieb der wirtschaftspolitische Sprecher der AfD-Fraktion Sachsen, Mario Beger, in einem Beitrag auf der Fraktions-Webseite: „Ich begrüße ausdrücklich die Gründung dieser Protestbewegung. Offenbar finden sich hier Bürger zusammen, denen die wirtschaftszerstörerische Politik der von den Grünen durch die politische Landschaft getriebenen CDU deutlich gegen den Strich geht.“

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Auch Dirk Spaniel, Landessprecher der AfD Baden-Württemberg, äußerte sich in einem Facebook-Video zu der Gruppe: „In Fridays For Hubraum findet sich ein breiter Querschnitt durch die Gesellschaft. Alles Menschen, die sich friedlich in einer Gruppe versammeln, um aufzuzeigen, dass es Probleme gibt, über die man nicht hinwegsehen kann.“ Dass die Gruppe in den Tagen zuvor mit zahlreichen Hassbotschaften und rechter Hetze geflutet worden war, erwähnt Spaniel nicht.

Betreiber distanzieren sich von AfD und bekommen Gegenwind

Dass die AfD öffentlich für „Fridays For Hubraum„ wirbt, lehnen die Betreiber der Gruppe ab und distanzieren sich von der Partei. „Ich möchte verdeutlichen, dass wir weder mit der AfD zusammenarbeiten noch mit ihr sympathisieren“, sagte Chris Grau in einem Facebook-Video. Direkt an die Partei gerichtet fügte er hinzu: „Geht euren Weg und wir gehen unseren Weg.“

„Es besteht kein Interesse, sich mit Parteien zu verbünden.“
Chris Grau, FFH-Gründer

Nachdem daraufhin mehrere Mitglieder den Vorwurf äußerten, in der Gruppe würden AfD-Sympathisanten gezielt diskriminiert, veröffentlichte Grau in der Nacht zum Freitag einen weiteren Beitrag, in dem er schrieb: „Die Afd hat uns für Werbezwecke eingesetzt. Darauf gab es meine Antwort. Was ich leider vergessen habe zu erwähnen: Diese Antwort hätte jede Partei bekommen. Egal welche.“ Es bestehe kein Interesse, sich mit Parteien zu verbünden.

Gründer wollen politische Neutralität

Ein Forum, dass sich von Anfang an klar gegen die Jugendbewegung „Fridays For Future“ und gegen die aktuelle deutsche Klimapolitik positioniert, zieht Hetzer und Klimawandelleugner an – war das nicht vorhersehbar? „Am Anfang nicht“, sagt Johannes Büchner. „Dass sich natürlich ab einer Gruppengröße von 100.000 Menschen einige geistig Fehlgeleitete einfinden, ist schon klar. Zudem ist das Thema recht brisant“, gibt der FFH-Mitgründer zu. Jedoch rechne sich keiner der Betreiber „besagtem politischen Lager“ zu. „Im Gegenteil: Wir haben klargemacht, dass wir rassistische, sexistische und sonstige Posts, die in eine menschenverachtende Richtung gehen, sofort löschen und uns klar davon distanzieren.“ Deshalb habe man die Gruppe vorübergehend geschlossen und aufgeräumt.

„Keiner von uns rechnet sich besagtem politischen Lager zu.“
Johannes Büchner, FFH-Gründer

Inzwischen ist sie wieder aktiv. Die Administratoren versuchen nun, die verschiedenen Gesprächsthemen in einzelnen Foren zu bündeln, um so die Kommentare besser im Blick haben zu können. „Wildposten ist nicht mehr möglich“, so Büchner. Ob das Schreiben von Hetzkommentaren dadurch wirklich langfristig unterbunden werden kann, bleibt abzuwarten.

Aus einer Facebook-Gruppe soll eine richtige Bewegung werden

Die Reichweite von mittlerweile über 400.000 Mitgliedern wolle man nun dazu nutzen, um nachhaltig etwas zu verändern, erklärt Johannes Büchner und kündigt an: „Es werden diverse Petitionen erstellt.“ Was genau diese beinhalten werden, sagt er nicht. Da das Hauptinteresse der Gruppe jedoch den Themen CO2-Steuer, alternative Antriebe und Fahrverbote gilt, die sie allesamt als „kopflose Entscheidungen“ bezeichnet werden, liegt die Vermutung nahe, dass sich auch die angekündigten Petitionen um diese Themen drehen werden.

Außerdem suche man den Dialog mit der verantwortlichen Politik und hoffe auf einen produktiven Austausch. Dazu habe es bereits Anfragen aus dem Bundestag und aus dem Europaparlament gegeben, sagte Chris Grau in einem Facebook-Video.