Sie gilt als eines der schönsten Flugzeuge der Welt. Denn durch ihr ungewöhnliches Dreifach-Seitenleitwerk und ihre schlanke Silhouette hat die Lockheed Super Constellation aus den 1950er-Jahren eine äußerst elegante Form.

Aber alle Schönheit nützt nichts, wenn die Technik mit Korrosion zu kämpfen hat. Und so wurde Anfang Mai die Nachricht bekannt, vor der viele Flugzeugfans in Deutschland und der Schweiz zitterten: Die bekannte Super Constellation aus Basel, überall nur Super Connie genannt, muss künftig am Boden bleiben und wird wohl nie mehr fliegen. Der Halter des viermotorigen Oldtimers, der Schweizer Verein Super Constellation Flyers Association SCFA, löst sich auf.

Viermotoriger Klassiker ist in der Region bestens bekannt

Eigentlich hätte die 1955 gebaute Super Connie jetzt im Frühsommer nach zweijähriger Zwangspause durch Reparaturen wieder vom derzeitigen Standort, dem Flughafen Zürich, abheben sollen. Der viermotorige Klassiker ist in der Region bestens bekannt. So war er am Flughafen St. Gallen-Altenrhein häufiger Gast und deshalb oft über dem Bodensee zu sehen.

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Zudem war der Klassiker auch einige Zeit am südbadischen Airport Lahr stationiert. Viele Baden-Württemberger sind in dem etwa 4000 Mitglieder zählenden Verein SCFA aktiv.

Anfang Mai wurde nun aber bekannt, dass sich die SCFA auflöst. Dies, weil die benötigten rund 18 Millionen Euro für die Sanierung des Flugzeugs nicht rechtzeitig zusammen kamen. Damit bleibt die auf der Nordhalbkugel einzigartige Super Connie wohl für immer am Boden und wird nie mehr fliegen.

Fehlende Finanzen

Die Turbulenzen wurden wohl auch durch den tragischen Absturz einer schweizerischen Junkers Ju 52 im vergangenen Sommer mit 20 Todesopfern ausgelöst.

Dieser Unfall beschäftigt das eidgenössische Bundesamt für Zivilluftfahrt (BaZL), das etwa mit dem deutschen Luftfahrt-Bundesamt vergleichbar ist.

Im August 2018 stürzte eine Ju-52 mit 17 Passagieren und drei Besatzungsmitgliedern in den Alpen ab. Niemand überlebte den Unfall.
Im August 2018 stürzte eine Ju-52 mit 17 Passagieren und drei Besatzungsmitgliedern in den Alpen ab. Niemand überlebte den Unfall. | Bild: Kantonspolizei Graubünden

Die SCFA hätte deshalb aufwändig nachweisen müssen, dass ihr Flugzeug technisch einwandfrei ist. Um dies zu erreichen, hätten die beiden Tragflächen komplett saniert werden müssen.

Dieses Vorhaben ist nun Anfang Mai an den fehlenden Finanzen gescheitert. Denn der Verein hatte sich selbst eine Frist gesetzt. Nur wenn bis Anfang Mai die umgerechnet 18 Millionen Euro oder zumindest eine Bankgarantie über den größten Teil der Summe zusammen gekommen wäre, hätte der Verein das Risiko der Restaurierung eingehen können.

Super Connnie von Ju52-Ermittlungen betroffen

Dass die Super Constellation vom Sog der Ju52-Ermittlungen erfasst wurde, hängt mit der eidgenössischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) zusammen. Die ist das schweizerische Pendant zur deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung.

Drei Monate nach dem verheerenden Crash der 1939 gebauten Ju52 im August 2018 kam die SuST beim Zwischenbericht der Absturzuntersuchung vom 20. November des vergangenen Jahres zu einem überraschenden Befund.

Am Wrack wurden an mehreren Stellen, etwa an Holmen, aber auch an anderen Teilen der Flügel und am Kabinenboden “erhebliche Korrosionsschäden“ entdeckt. Diese waren zwar laut SUST nicht Ursache für den Unfall, alarmierten aber dennoch das BaZL.

Das BaZL schaut nun bei allen schweizerisch registrierten Oldtimerflugzeugen noch genauer hin. Davon ist wiederum die Super Connie und als ihr Halter die SCFA betroffen.

Neue Hiobsbotschaft

Der Klassiker wies 2017 ebenfalls Korrosion an Teilen der Landeklappen auf. Seither steht die Maschine in einem Hangar des Flughafens Zürich zur Reparatur. Im November 2018 dann eine neue Hiobsbotschaft.

Absplitterungen an einem Vorderholm des rechten Tragflügels wurden festgestellt. Fachleute untersuchten die Flächen weiter und kamen zum Schluss, dass eine Sanierung der Tragflügel notwendig sei.

Die hätte mit Löhnen, Hangarmiete, Administration und Unvorhergesehenem bis zu 18 Millionen Euro gekostet. Diese Summe kam innerhalb der Frist nicht zusammen. Zudem hätten die Arbeiten vier Jahre gedauert.

Wie geht es weiter mit der Super Connie?

Was nun mit der derzeit fluguntüchtigen Super Connie am Flughafen Zürich-Kloten geschieht, ist unklar. Die Maschine könnte etwa an einen ausländischen Flugzeugfan verkauft werden, in dessen Heimatland die technischen Auflagen für die Flugtüchtigkeit nicht so streng sind wie in der Schweiz.

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Oder die Super Connie geht an ein dann vermutlich eidgenössisches Museum wie etwa das Verkehrshaus der Schweiz in Luzern. Schlimmstenfalls droht auch das Ausschlachten von Komponenten der Maschine oder die Verschrottung. Alleine die vier restaurierten Wright-Cyclone-Sternmotoren sowie ein quasi neuwertiger fünfter Ersatzmotor sind wohl zusammen eine fast siebenstellige Summe in Franken wert.

Ein Fünkchen Hoffnung

Noch besteht bei der SCFA aber ein Fünkchen Hoffnung: Falls bis 30. Mai ein Gönner oder Sponsor für die benötigten 18 Millionen Euro geradestehen würde, könnte der Verein den Beschluss zur Auflösung noch einmal revidieren und versuchen, den einzigartigen Klassiker doch noch einmal in die Luft zu bringen.

Denn es gibt lediglich noch eine weitere fliegende Super Constellation auf der Welt. Die ist allerdings in Australien stationiert.