Dass Sprachenlernen bildet, lässt sich an kaum etwas anderem so schön beweisen wie an Exonymen. Menschen aus dem schönen Land „Shqipëria“ dürften kaum ahnen, was die Deutschen meinen, wenn sie von „Albanien“ sprechen. Tatsächlich bezeichnet die in unserer Sprache seit vorkeltischen Zeiten überlieferte Vorsilbe „Alb“ eine hügelige Gegend. Das gilt für die Schwäbische Alb ebenso wie für die Alpen und eben auch für Albanien. „Shqipëria“ dagegen war allenfalls dem Winnetou-Dichter Karl May bekannt, dessen berühmter Roman eben nicht „Im Land der Albaner“ heißt, sondern „Im Land der Skipetaren“.

Aufpassen beim Zugfahren

Wie dem Albaner – pardon: Skipetaren –, so ergeht es auch uns Deutschen, wenn wir in Italien in den Zug nach München steigen wollen und erkennen müssen: Der fährt gar nicht nach München, sondern nach Monaco! Allein der kleine Zusatz „di Baviera“ verrät, dass hier nicht das Fürstentum gemeint sein dürfte, sondern die Landeshauptstadt Bayerns.

Der Fachmann spricht bei solchen unterschiedlichen Stadt- oder Landbezeichnungen von „Exonymen“. Und Fachmann wird man ganz leicht: zum Beispiel als Philatelist. Wer Briefmarken sammelt, stellt sich nämlich spätestens beim Einordnen der Marke aus „Suomi“ die Frage, ob sie ins Album „Europa“ oder „Asien“ gehört. Die Antwort: Natürlich nach Europa, schließlich ist mit „Suomi“ Finnland gemeint. Die Samurai dagegen, an die mancher Sammler beim Lesen des Wortes gedacht haben mag, kommen aus Japan. Und Japan wiederum heißt eigentlich „Nippon“. Alles klar?

Der große Länder-Wirrwarr

Mag auch der deutsche Sammler über dieses Wirrwarr fluchen, so ergeht es Briefmarkenfreunden in der Ferne mit unserem eigenen Staat nicht anders. Deutschland nämlich ist in den meisten anderen Sprachen entweder vom Begriff des Germanischen (Englisch: „Germany“, Griechisch: „Germania“) oder aber des Alemannischen abgeleitet (Französisch: „Allemagne“, spanisch: „Alemania“). Wirklich deutsch nennen uns allenfalls die Japaner („Doitsu“). Während das englische Wort „dutch“ nicht etwa uns meint, sondern – oh Schreck: Die Niederländer!

Es ist also ein Kreuz mit diesen Exonymen. Umso wichtiger erscheint es, sich mit den kniffligsten Fällen vertraut zu machen. Im Folgenden bringen wir ein paar Beispiele.

  • Aix-la-Chapelle
Ort mit historischer Bedeutung: der Aachener Dom.
Ort mit historischer Bedeutung: der Aachener Dom. | Bild: dpa

Diese Stadt kennen Sie garantiert. Wird hier doch alljährlich ein bedeutender Friedenspreis verliehen. Der Dom zählt zu den bedeutendsten Bauwerken Deutschlands, und Pferdefreunde fiebern einem großen Turnier entgegen. Richtig: Mit „Aix-la-Chapelle“ meinen unsere französischen Nachbarn die Stadt Aachen.

  • Stoccarda
Vornehm: historische Brunnen auf dem Schlossplatz vor dem Neuen Schloss Stuttgart.
Vornehm: historische Brunnen auf dem Schlossplatz vor dem Neuen Schloss Stuttgart. | Bild: dpa

Leicht lässt sich erahnen, dass diese klangvolle Vokabel dem italienischen Wortschatz angehört. Und wer in der Bodenseeregion zu Hause ist, könnte dem Gedanken verfallen, sie beziehe sich aufs wunderschöne Stockach, das „Tor zum Bodensee“. Falsch gedacht: Stoccarda ist unsere Landeshauptstadt Stuttgart.

  • Danube
Ein Fluss in der Stadt: Die Donau an der Wiener Urania.
Ein Fluss in der Stadt: Die Donau an der Wiener Urania. | Bild: Adobe

Gleich mehrere Mannschaften, die sich in unseren Breitengraden amerikanischen Ballsportarten verpflichtet fühlen, tragen dieses prominente Gewässer im Namen – von den „Danube Dragons“ aus Wien (Football) bis zu den „Danube Titans“ aus Klosterneuburg aus Niederösterreich (Baseball). Gemeinsam ist ihnen eines: Sie alle kommen aus Städten, die am Fluss Donau liegen.

  • Lac de Constance
Schönes Glitzern: Blick auf den Bodensee von Lindau aus.
Schönes Glitzern: Blick auf den Bodensee von Lindau aus. | Bild: dpa

In fast allen Sprachen muss unser schöner Bodensee auf den Boden verzichten. Franzosen wie Spanier, Italiener und übrigens auch die Engländer benennen ihn stumpf nach seiner vielleicht prominentesten Stadt. Eine Ausnahme bilden die Niederländer. Für sie wird der See gar zum Ozean: „Bodenmeer“, sagen sie.

  • Brigobane
Im Schwarzwald: Hüfingen ist vielen vor allem wegen der schönen Blumenteppiche an Fronleichnam bekannt.
Im Schwarzwald: Hüfingen ist vielen vor allem wegen der schönen Blumenteppiche an Fronleichnam bekannt. | Bild: dpa

Jetzt wird’s aber richtig schwierig. Ein Wort aus dem Polnischen, wie der Skiort Zakopane? Oder schwingt nicht etwas Britisches mit? Nichts von alledem. Es handelt sich nämlich um Latein. Und Sie kommen kaum darauf, um welchen Ort es geht: Hüfingen! Der Ort liegt am Zusammenfluss der Donauquellen Brigach und Breg.

  • Las Cataratas del Rin
Wahrzeichen der Region: Spaziergänger blicken auf den Rheinfall bei Schaffhausen.
Wahrzeichen der Region: Spaziergänger blicken auf den Rheinfall bei Schaffhausen. | Bild: dpa

Gut, das ist jetzt nicht so schwer zu erraten. Und doch sei es an dieser Stelle auch angeführt. Und zwar allein deshalb, weil die Spanier das tägliche Geschehen an diesem Ort so viel besser vertonen als wir Deutschen. Denn wie macht der Rheinfall? „Reeein...“ und „Faaall...“? Nein. Doch vielmehr: „Cataratatatatas!“