Neun Prozent aller Schulstunden im Südwesten werden nicht vom eigentlich vorgesehenen Lehrer erteilt. 3,6 Prozent des Unterrichts fällt komplett aus, für weitere 5,5 Prozent gibt es Vertretungen. Weil die gestern vorgestellte Erhebung große regionale Unterschiede ausweist, kündigt Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) weitere Analysen an: „Wir schauen uns die Vertretungskonzepte der Schulen genauer an.“ Sie wolle Hinweise bekommen, wie Unterrichtsausfall künftig im Einzelnen noch besser aufgefangen werden kann.

Krankheit und Fortbildung

Im Vergleich zur ersten Erhebung in allen 4500 Schulen in Baden-Württemberg im letzten Sommer ergab sich Mitte November eine leichte Verbesserung um einen halben Prozentpunkt. Dies führt Eisenmann darauf zurück, dass im Juni mehr außerunterrichtliche Veranstaltungen stattfanden. Im November war mit 53 Prozent Krankheit des Lehrers der häufigste Grund für die Abwesenheit, gefolgt von Fortbildungen.

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Am geringsten war der Unterrichtsausfall mit 1,0 Prozent in den Grundschulen, Gemeinschaftsschulen rangierten mit 2,5 Prozent im Mittelfeld vor den Realschulen mit 3,9 Prozent. An den Gymnasien lag die Ausfallquote bei 4,9 Prozent. Schlusslicht waren erneut mit klarem Abstand die Beruflichen Schulen, wo 6,2 Prozent des Unterrichts ausfielen.

Bei den Schularten zeigt die Erhebung große Unterschiede. In den Mannheimer Berufsschulen fallen zum Beispiel 9,5 Prozent aller Stunden aus, im benachbarten Rhein-Neckar-Kreis als Spitzenreiter nur 3,9 Prozent. Bei den Gymnasien reicht die Spanne von 3,1 Prozent in Tübingen bis 7,2 Prozent im Landkreis Heilbronn. Der Kreis Konstanz rangiert im Mittelfeld mit 3,8 Prozent Ausfallquote.

Kritik von Bildungsexperten

„Mit jeder Vollerhebung werden wir die Unterrichtsversorgung noch besser einschätzen und analysieren können“, erklärte Eisenmann. Man sei jetzt einen Schritt weiter auf dem „Weg zu einer soliden Datenbasis mit schulscharfem Steuerungswissen“. SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei wertete die Ergebnisse für die CDU-Ministerin als „schlechtes Zeugnis“. Die Krankheitsreserve müsse um ein Fünftel auf 2000 Lehrkräfte ausgebaut werden.

Die Lehrergewerkschaft GEW forderte wie Fulst-Blei eine Vergrößerung der Vertretungsreserve. Für Landeschefin Doro Moritz ist das „längst überfällig“. Die Erhebung zeige „nur die Spitze des Eisbergs“, da vor allem in den Grundschulen Klassen zusammengelegt würden. Da sei regulärer Unterricht nicht möglich.

Für den Verband Bildung und Erziehung sieht Landeschef Gerhard Brand das Ministerium in der Bringschuld. Brand: „Vom Wiegen wird die Sau nicht fett“. Jetzt müsse die Politik geeignete Maßnahmen treffen.