Bei blauem Himmel tuckerte das Dampfschiff durchs Wasser, auf den Deichen standen Tausende Menschen, die Kinder winkten fröhlich, die Flügel der Mühlen drehten sich im Wind. Das niederländische Städtchen Zaandam bot eine Bilderbuch-Kulisse für die Ankunft des Nikolauses. Doch dieses Fest ist kein unschuldiges Vergnügen mehr. Um den Nikolaus und seine schwarzen Helfer ist ein erbitterter Kampf entbrannt. Die schwarz geschminkten „Zwarten Pieten“ sind für viele ein rassistisches Symbol.

Dieses Jahr wurde der Nikolaus im rot-weißen Bischofsgewand und mit langem weißen Bart auch von Dutzenden Demonstranten empfangen – sowohl Gegnern von Zwarte Piet („Schwarzer Peter“) als auch Anhängern. Mehrere Hundert Polizisten waren ausgerückt. Der nationale Nikolaus-Einzug in dem Städtchen im Norden von Amsterdam war besser geschützt als ein Risikospiel der Profi-Fußballliga. In Zaandam blieb es friedlich. Doch nicht an anderen Orten. In Groningen, Eindhoven oder Rotterdam war die Stimmung mehr als grimmig. Es kam zu Rangeleien zwischen Demonstranten und Fußball-Hooligans. Die Polizei nahm mehrere Personen fest.

Der Rassismus-Streit wird jedes Jahr heftiger. Sogar Ministerpräsident Mark Rutte sah sich im Vorfeld gezwungen, das Volk zur Ruhe zu ermahnen. Man solle „ruhig, würdig und respektvoll“ miteinander umgehen. Es sei schließlich ein Kinderfest.

Seit Jahren, wie hier im Jahr 2015, gibt es Proteste von Scharzen gegen den Zwarte Piet.
Seit Jahren, wie hier im Jahr 2015, gibt es Proteste von Scharzen gegen den Zwarte Piet. | Bild: Remko De Waal/dpa

Nach der Legende kommt Sinterklaas im November mit dem Boot aus Spanien an – mit Pieten und Geschenken. Drei Wochen lang ziehen Sint und seine Helfer durchs Land bis zur Bescherung am 5. Dezember. Eigentlich liebt jeder die Pieten – wenn da nicht das Outfit wäre. Sie sind meist rabenschwarz geschminkt und tragen bunte Pumphosen, einen passenden Wams mit Spitzenkragen und ein Käppi mit großer Feder. Vor allem aus Sicht schwarzer Niederländer ist dies purer Rassismus: Schwarze würden als dümmliche oder lustige Knechte dargestellt.

„Die Figur Zwarte Piet ist Rassismus“, sagte einer der führenden Gegner, Jerry Afriyie, von der Aktionsgruppe „Kick Out Zwarte Piet“. „Doch die Leute, die das Fest feiern, sind keine Rassisten.“ In diesem Jahr protestierte die Gruppe in 18 Städten. „Blackface ist kein Kinderfest“, schrieben sie auf Transparente. Blackface – damit ist die Maskerade gemeint, wenn sich weiße Darsteller das Gesicht schwarz anmalen. Für die Mehrheit der Niederländer ist Zwarte Piet eine unschuldige Figur. „Es ist ein Kinderfest“, sagt die Aktionsgruppe Pro-Zwarte-Piet. Für sie gehört die Figur zur niederländischen Identität wie Tulpen und Käse.

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Doch der Streit nimmt an Schärfe zu. Eine radikale Gruppe hatte nun sogar versucht, eine einstweilige Verfügung gegen den Nikolauses zu erwirken. Doch ein Richter in Haarlem wies die Klage ab. „Schwarzer Piet ändert sich bereits“, sagte er in seinem ungewöhnlichen Schlusswort und sprach vielen aus der Seele. Für die einen gehe das zu schnell, für die anderen zu langsam.

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