Schon bevor der kleine Tafelladen in Radolfzell seine Pforten öffnet, drängen sich draußen die Kunden. Mittlerweile sind es bis zu 70 Kunden, die mittwochs und freitags dort einkaufen. Öfter kann Hildegard Gallenschütz nicht öffnen – „Wir können nicht genug Lebensmittel aufbringen“, sagt sie. Neun Ehrenamtliche halten die Tafel hier in Betrieb. Ihre Arbeit beginnt morgens um 9 Uhr, wenn der kleine Lieferwagen mit den Lebensmitteln der Supermärkte kommt, die diese am Vorabend abgegeben haben.

Teilweise stammen sie auch aus einem gemeinsamen Lager der Tafelläden in der Umgebung. Ein Privat-Pkw bringt die Reste von den Bäckern für die Brottheke des Ladens: „Wir könnten nicht existieren, wenn wir diese Waren nicht bekommen würden“, sagt Gallenschütz. Manchmal bringen auch Radolfzeller Bürger etwas vorbei. Besonders Öl, Reis und Schwarztee kann die Tafelleiterin immer brauchen: „Das sind Lebensmittel, die die Flüchtlinge häufig kaufen“, erklärt sie. Der Anteil von Flüchtlingen ist laut Gallenschütz gestiegen, aber es kommen auch viele Rentner, Alleinerziehende oder Arbeitslose.

Keine leichte Arbeit

Bis kurz nach 10 Uhr müssen die Produkte eingeräumt sein, zum Teil aus ihren Plastikfolien ausgepackt werden. Wer hier einkaufen möchte, braucht einen Bedürftigkeitsnachweis: Hartz-IV-Empfänger, Rentner oder Kunden des Jobcenters dürfen hier einkaufen, auch Flüchtlinge mit entsprechendem Nachweis. Horst Langer sammelt die Karten der Kunden vorab ein, sie werden gemischt und nach dem Zufallsprinzip entschieden, welche Gruppe von bis zu sechs Leuten zuerst in den Laden darf.

Mehr sollen nicht rein, sonst wird es einfach zu beengt. Die Preise sind gering – zehn bis 20 Prozent des ursprünglichen Discounterpreises. Joghurt gibt es für zehn Cent, Milch kostet 20 Cent. Für einen Salat müssen die Kunden zehn Cent bezahlen, Bananen und Äpfel gibt es schon für fünf Cent, Trauben kosten 30 Cent. Reis muss der Laden oft zukaufen, verkauft ihn aber trotzdem für 40 Cent, Kaffee gibt es für 1,50 Euro.

Der Laden muss laufende Kosten selbst decken, wie etwa Reparaturen am Gebäude, Strom und Wasser. Hinzu kommen Ausgaben für die Kühlfahrzeuge und das Lager. „Die monatliche Abrechnung geht gerade so plus minus auf“, sagt Gallenschütz. Den Laden hat sie selbst vor neun Jahren aufgemacht. Im August wurde die Rentnerin und frühere Bürokauffrau 74 Jahre alt. „Langsam merke ich, dass ich an meine Grenzen komme.“ Ans Aufhören denkt sie trotzdem noch nicht: „Ich mache das gerne. Helfen ist mir eine Herzensangelegenheit.“