Bei anhaltender Trockenheit könnte Deutschland nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf einen weiteren Dürresommer zusteuern. „Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden“, sagte der Leiter der DWD-Agrarmeteorologie, Udo Busch.

In Niedersachsen gießt ein Landwirt wegen großer Waldbrandgefahr Wasser auf Bäume an einer Allee.
In Niedersachsen gießt ein Landwirt wegen großer Waldbrandgefahr Wasser auf Bäume an einer Allee. | Bild: Julian Stratenschulte, dpa

Die Niederschläge der nächsten Tage seien „mancherorts wieder nur der sogenannte Tropfen auf dem heißen Stein“, stellt Markus Übel vom DWD fest.

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Von der Trockenheit besonders betroffen sind die östlichen Bundesländer. Der vorhergesagten Regen dürfte die große Trockenheit in weiten Teilen Deutschlands kaum lindern. Selbst wenn es noch viel regnen sollte, bleibt die Bodenfeuchte den Schätzungen zufolge bis in den Sommer hinein unter dem vieljährigen Mittelwert. „Die Startbedingungen für die Vegetation sind 2019 in vielen Gebieten Deutschlands deutlich schlechter als im Vorjahr“, betont Udo Busch.

Das Niedrigwasser am Bodensee 2018. Ob sich das wiederholen wird, kann noch nicht gesagt werden.
Das Niedrigwasser am Bodensee 2018. Ob sich das wiederholen wird, kann noch nicht gesagt werden. | Bild: Oliver Hanser

Lage in Südbaden noch entspannt

Im Vergleich zu Ostdeutschland ist die Lage in Südbaden noch entspannt. Die Bodenfeuchte ist aktuell noch ideal, aber auch hier geht die Tendenz langsam Richtung „trocken“. „Wenn der versprochene Regen in den nächsten Tagen kommt, können wir uns allerdings durchhangeln“, sagt Padraig Elsner, Sprecher des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes in Freiburg.

„Nachdem schon die vergangenen Jahre mit Wetterextremen geprägt waren, gehen die Landwirte schon gar nicht mehr von einem normalen Jahr aus.“ Die Forstwirtschaft ist dagegen laut Elsner aufgrund der Trockenheit deutlich angespannter.

Vor allem der Osten Deutschlands wurde in den vergangenen Tagen schon von Waldbränden heimgesucht. Angesichts der Trockenheit und der hohen Waldbrandgefahr fordert der Deutsche Feuerwehrverband mehr Löschhubschrauber in Deutschland.

Feuerwehrleute löschen einen Waldbrand. In einem Waldstück im nördlichen Brandenburg ist ein großes Feuer ausgebrochen.
Feuerwehrleute löschen einen Waldbrand. In einem Waldstück im nördlichen Brandenburg ist ein großes Feuer ausgebrochen. | Bild: Julian Stähle, dpa

Der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands, Hartmut Ziebs, sagte, jedes Flächenbundesland müsse im Schnitt einen Löschhubschrauber zur Verfügung haben, „um in der diesjährigen Waldbrandsaison adäquat auf Vegetationsbrände reagieren zu können“. Nur Bundeswehr-Hubschrauber seien dazu in der Lage, die größten verfügbaren Wasserbehälter mit 5000 Litern Fassungsvermögen zu bewegen, sagte Ziebs der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die Streitkräfte sollte deshalb mehr dieser Maschinen bereithalten.

Wälder müssen sich wandeln

Aus Sicht eines Waldexperten muss der „Wald der Zukunft“ vielfältig sein, um vor Waldbränden bestehen zu können. Strukturstarke Laubwälder mit verschiedenen Baumarten brennen nicht so schnell und trocknen nicht so stark aus wie reine Nadelwälder, sagt der Naturwissenschaftler Pierre Ibisch von der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung. „Die großflächigen Monokulturen werden mittelfristig scheitern.“

Mit Material von dpa

Wieder Niedrigwasser am Bodensee?

Die Luftbilder des Bodensees vom Dürresommer 2018 sind vielen noch in Erinnerung. Angesichts des trockenen Wetters stellt sich die Frage: Wiederholt sich das?

  • Pegelstand niedriger als 2018: Der Pegelstand des Bodensees zeigt in Konstanz einen Stand von 313 Zentimeter (Stand 24. April). Das sind 30 Zentimeter weniger als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr. Ob angesichts dieser Werte ein neue Trockensommer droht, lässt sich jedoch laut der Landesanstalt für Umwelt in Baden-Württemberg (LUBW) nicht seriös beantworten.
  • Viele Einflussfaktoren: „Der Pegelstand im Bodensee ist vom Schmelzverhalten der Schnee- und Eisvorräte im höher gelegenen alpinen Einzugsgebiet und von der Wetterentwicklung – speziell der Niederschlagsentwicklung – abhängig“, sagt LUBW-Sprecher Thomas Wolf. Allerdings bewegten sich die aktuellen Pegelstände im Bereich der langjährigen Mittel, so Wolf.
  • Ein vager Vorausblick: Ein Blick auf die Wetterbeobachtungen aus der Schweiz lohnt jedoch laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) immer, da sich der See aus dem Alpenrhein speist. Meteo Schweiz berichtete von einem kalten und nassen Winter im Dezember und Januar. Im Februar sei das Wetter hingegen überwiegend schön gewesen und es regnete nur wenig. Doch anbetracht der starken Schneefälle leiste die Schneeschmelze einen wesentlichen Beitrag für den Zufluss des Bodensees. Eine extreme Niedrigpegelsituation wie 2018 sei daher aktuell nicht absehbar. (cla)