Es ist ein bisschen wie im Fernsehkrimi: Viele spektakuläre Straftaten werden von der Polizei früher oder später aufgeklärt. Bei Gewaltkriminalität insgesamt liegt die Erfolgsquote bei mehr als drei Viertel der Fälle, bei Tötungsdelikten sind es sogar rund 95 Prozent. Trotzdem: Das Jahr 2018 geht zu Ende, und bei einigen Kriminalfällen, über die tagelang gesprochen wurde, konnten die Ermittler noch keinen Täter präsentieren. Eine Auswahl:

7. Januar 2018: Der deutsch-türkische Fußballprofi Deniz Naki ist nahe Düren bei Aachen auf der Autobahn 4 unterwegs, als er nach eigenen Angaben aus einem fahrenden Wagen beschossen wird. Der heute 29-Jährige – er hatte 31 Mal für deutsche Junioren-Nationalteams gespielt sowie eine Zeit lang unter anderem für den FC St. Pauli – bleibt unverletzt. Von der Staatsanwaltschaft in Aachen heißt es nach dem Angriff: „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Auch eine politisch motivierte Tat wird nicht völlig ausgeschlossen. Der Fußballer mit kurdischen Wurzeln sah sich wegen pro-kurdischer Äußerungen seit längerem als Zielscheibe. Ende Januar wird er von der türkischen Fußballföderation (TFF) lebenslang gesperrt – zum Grund heißt es: „Diskriminierung und ideologische Propaganda“ vonseiten Nakis.

Deniz Naki.
Deniz Naki. | Bild: Oliver Krato

4. März 2018: Der Finanzchef des Energiekonzerns Innogy, Bernhard Günther, wird Opfer eines Säureattentats. Nach dem Joggen nahe seinem Wohnhaus in Haan bei Düsseldorf überfallen ihn zwei Männer, sie werfen ihn zu Boden, schütten ihm ätzende Säure ins Gesicht und fliehen. Der 51-jährige Günther erleidet schwerste Verletzungen. Wenige Wochen später nimmt er die Arbeit wieder auf. Im September stellt die Staatsanwaltschaft Wuppertal ihre Ermittlungen ein. Die Identität der Täter bleibt ebenso ungeklärt wie deren Motive für den Anschlag. Innogy hat bis zu 80 000 Euro Belohnung für Tathinweise ausgesetzt. Günther wurde vor sechs Jahren schon einmal überfallen – damals wurde er beim Joggen zusammengeschlagen.

Bernhard Günther.
Bernhard Günther. | Bild: Ina Fassbender

23. März 2018: Der Obdachlose Gerd Michael Straten wird enthauptet auf dem Koblenzer Hauptfriedhof gefunden. Der 59-Jährige hatte einst mit Kunst gehandelt, Ende der 90er Jahre aber sein Geschäft schließen müssen. Straten lebte danach jahrelang auf dem Hauptfriedhof. Er soll häufig eine Bibliothek besucht, kaum Alkohol getrunken und keineswegs dem Klischee von Obdachlosen entsprochen haben. Die Anteilnahme in Koblenz ist groß. Im Sommer heißt es, die Polizei habe rund 1000 mögliche Zeugen befragt und etwa 1300 Spuren und Hinweise ausgewertet. Ein Tatverdächtiger wurde aber nicht ermittelt. Die Staatsanwaltschaft hat 10 000 Euro Belohnung für Hinweise zur Aufklärung des Falls ausgelobt.

Der Leichenfundort.
Der Leichenfundort. | Bild: Sascha Ditscher

9. September 2018: Intensivstraftäter und Clan-Mitglied Nidal R. wird in Berlin-Neukölln erschossen. Die Tat ereignet sich an einem Sonntagnachmittag am Rand des Tempelhofer Felds neben einem Eiswagen und vor den Augen von Spaziergängern und Kindern. Clan-Krieg? Werden Reviere der Kriminellen neu abgesteckt? Die Hintergründe bleiben unklar. Der Mordfall rückt die organisierte Kriminalität in Berlin und Probleme mit kriminellen Mitgliedern arabisch-libanesischstämmiger Großfamilien in den Blickpunkt. Der 36-jährige Nidal R. galt als Teil solcher Netzwerke. Bis zu 2000 Trauergäste kommen zu seiner Bestattung, darunter mehrere Oberhäupter bekannter arabischstämmiger Clans. 150 Polizisten bewachen die Zeremonie.

Handwerker übermalen das Wandbild des ermordeten Intensivtäters Nidal R. am Tempelhofer Feld.
Handwerker übermalen das Wandbild des ermordeten Intensivtäters Nidal R. am Tempelhofer Feld. | Bild: Paul Zinken

19. Oktober 2018: Maskierte überfallen in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes einen Geldtransporter, fliehen mit Beute in zwei Autos und beschießen einen Streifenwagen, der sie verfolgt. Die Szene wird als filmreif beschrieben: Fünf Männer sollen die Fahrer des Transporters mit Maschinenpistolen bedroht, den Wagen aufgebrochen und acht Geldkisten herausgeholt haben. Bei der Flucht mit zwei Autos verlieren sie erst eine große Kiste; dann lassen sie kurz darauf einen beschädigten Fluchtwagen mit den weiteren sieben Kisten stehen, um mit dem zweiten Auto zu entkommen. Sechs Wochen später fasst die Polizei einen ersten Verdächtigen. Er ist kurdisch-libanesischer Herkunft und soll in Beziehung stehen zu einem der polizeibekannten Clans, die in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Überfällen, Einbrüchen und Gewalttaten auffielen. Abgeschlossen ist der Fall damit noch nicht: Ob es konkrete Hinweise zu den vier Komplizen gibt, blieb erst mal offen. (dpa)

Geldtransporter.
Geldtransporter. | Bild: Paul Zinken