Ein Strand im Sonnenaufgang, Bäderarchitektur, Backsteinkirche oder ein nackter, mit Sand panierter Frauenpo am Strand? Jeder Postkarten-Käufer hat ganz individuelle Vorstellungen, was für ihn einen perfekten Urlaub an der Küste ausmacht und welches Postkarten-Motiv er für den Urlaubsgruß wählt.

Andrea Thode aus Rendsburg greift am Postkartenständer an der Zinnowitzer Strandpromenade zu einer Karte mit romantischen Orts- und Strandansichten. Eine Urlaubskarte an die Kinder, an Nachbarn und Kollegen ist für sie und ihren Mann auch in Zeiten der digitalen Kommunikation eine Selbstverständlichkeit. Eine SMS oder eine Whatsapp-Nachricht kann – so ist die Frau aus Schleswig-Holstein überzeugt – den handgeschriebenen Gruß nicht ersetzen.

Nach Angaben der Deutschen Post sind die Sommermonate der Zeitraum, in dem die meisten Postkarten in Deutschland verschickt werden. Von den 210 Millionen Postkarten, die die Post allein 2014 beförderte, sind ein knappes Drittel in den Monaten Juni bis August versendet worden. „Gerade auf den Inseln spüren wir im Sommer einen deutlichen Anstieg von Postkartensendungen“, sagt der Sprecher der Deutschen Post, Jens-Uwe Hogardt. Dennoch sind Postkarten für die Deutsche Post nur ein marginaler Markt – sie machen knapp zwei Prozent der deutschlandweiten Briefsendungen aus. Der Großteil besteht aus geschäftlichen oder Werbe-Briefen.

Postkartensammlerin Silvia Klöpfer zeigt  in Zinnowitz eine Karte von 1910 mit eine knapp bekleidete Badenixe."Lieber Carl, die schönste Karte, die ich hier auftreiben konnte", schrieb der Verfasser auf der Rückseite an seinen Freund in Cuxhaven.
Postkartensammlerin Silvia Klöpfer zeigt in Zinnowitz eine Karte von 1910 mit eine knapp bekleidete Badenixe."Lieber Carl, die schönste Karte, die ich hier auftreiben konnte", schrieb der Verfasser auf der Rückseite an seinen Freund in Cuxhaven. | Bild: Stefan Sauer (dpa-Zentralbild)

Auch wenn alle digitalen Kanäle zusammen der Postkarte rein zahlenmäßig den Rang abgelaufen haben – aus der Mode gekommen ist sie nicht. Die Urlaubskarte entschleunigt den Schreiber, wenn er nach den richtigen Worten für den Adressaten sucht. Postkarten bedeuteten Muße, das Schre­iben koste mehr Zeit als das schnelle Selfie am Strand mit einem Smiley. „Eine Postkarte zu schreiben ist eine Form von Wertschätzung des Adressaten“, sagt Dirk Thode. Diese Mußestimmung beim Schreiben der Karte – dabei vielleicht auch das persönliche Verhältnis zum Adressaten reflektierend – erlebt man eben oft nur noch im Urlaub.

Die Postkarte gilt inzwischen nicht mehr als alleiniger ultimativer Beweis, an einem attraktiven Ort den Urlaub verbracht zu haben. Sie wird heute parallel zu digitalen Grüßen verschickt. 62 Prozent der deutschen Reisenden – so ergab eine Sommerumfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom – versenden ihre Urlaubsgrüße in diesem Jahr auf elektronischem Weg per SMS, Whatsapp, per E-Mail über Facebook und Twitter. Dennoch gab auch mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) an, in diesem Jahr ihre Urlaubsgrüße weiter auf konventionellem Weg zu versenden. Damit hat sich die Zahl der Postkartenschreiber zu 2014 nicht verändert.

 

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