Herr Soltau, Sie betreiben die Facebook-Seite „Gärten des Grauens“ – eine Galerie mit Bildern von versiegelten, geschotterten Heimgärten. Was war der hässlichste Schottergarten, der Ihnen je begegnet ist?

Das kann ich gar nicht sagen, ich habe schon zu viele gesehen. Ich erhalte bis zu 1000 Fotos und Zusendungen in der Woche, da gibt es so viele Beispiele; überall dort, wo nur Schotter ist und gar nichts mehr wächst, wo man die Ignoranz gegenüber der Natur sieht und spürt.

Welche Kriterien muss ein Garten erfüllen, damit Sie ihn in die Galerie aufnehmen?

Erst einmal geht es um den ökologischen Wert, der in solchen Gärten gen null strebt. Dazu kommt der kulturelle Aspekt: Das Wissen um die Natur geht durch solche Gärten verloren und somit auch die regionaltypische Gartenkultur. Das wirkt sich auch auf die Gesellschaft aus: Die Vorgärten strahlen über den Zaun hinaus in den öffentlichen Raum und erzeugen so etwas wie ein ästhetisches Defizit. Für unsere Kinder fehlen dadurch kognitive Reize und Herausforderungen und das kann schlimmstenfalls zu psychischen Erkrankungen führen.

Was raten Sie Heimgärtnern? Wie können sie die Natur fördern?

Mein Ratschlag ist einfach: Erst einmal die Hände in den Schoß legen, gar nichts tun und die Natur rund ums Haus etwas verwildern lassen. Gesunde Gärten brauchen so gut wie keine Pflege: Es genügt, ein paar regionale, standorttypische Pflanzen dicht aneinander zu pflanzen, so haben auch Unkräuter keine Chance. Nur einmal im Jahr muss man mähen, dann kann der Zyklus wieder von Neuem beginnen. Das Resultat ist wunderschön.

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Mehr als 54 000 Menschen folgen Ihrer Seite. Wie kamen Sie eigentlich auf die Idee, diese Seite zu erstellen?

Ich war viel in Hobbygärtner-Gruppen auf Facebook unterwegs, und auch dort wurden Schottergärten mit Likes gefeiert. Das habe ich aus Protest immer satirisch kommentiert. Was für mich wiederum regelmäßig zum Rausschmiss aus den Gruppen geführt hat.

Ernten Sie Gegenwind für Ihre Satire?

Das passiert vor allem, wenn ich einmal im Monat den „Terror-Gardening-Award“ für den grässlichsten Garten vergebe. Natürlich sind viele Hausbesitzer erbost, wenn sie davon etwas mitbekommen. Es gibt schon kleine Anfeindungen. Aber ich bin juristisch auf der sicheren Seite, ich habe mich erkundigt.

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Was steckt denn hinter dem Erfolg der Schottergärten?

Ich habe ja die These, hier wurde ein Markt geschaffen von den Baumärkten, der Abfall- und der Bergbauindustrie. Da werden Schutt und Reste als Material für mediterrane Gärten verkauft.

Warum kommt das so gut an?

Das hat wahrscheinlich etwas mit Aktionismus und mit einem deutschen Ordnungswahn zu tun, der die Wohnzimmer nie hätte verlassen dürfen, wenn Sie mich fragen. Diese Menschen suchen Klarheit und Ordnung, vermute ich. Aber ich bin ja kein Psychologe. Erde ist jedenfalls für viele mittlerweile ein Synonym für Dreck. Dabei ist der Boden so wichtig. In einer Handvoll Erde leben mehr Mikroorganismen als Menschen auf der Erde.

Aber ist so ein Schottergarten nicht vor allem pflegeleicht? Man spart sich doch den Rasenmäher?

Das als pflegeleicht zu verkaufen, grenzt an Hohn. Unter den Steinen liegt vielleicht eine Plastikfolie, aber sobald das Laub fällt und organische Stoffe dazwischen gelangen, wächst Unkraut. Außerdem bereitet die Entsorgung des Schotters Probleme – 180 Euro die Tonne kostet das. Aus ökologischer Sicht entstehen dadurch Altlasten für Generationen.

Ulf Soltau sammelt auf der Facebook-Seite „Gärten des Grauens“ Bilder von versiegelten Schottergärten aus ganz Deutschland.
Ulf Soltau sammelt auf der Facebook-Seite „Gärten des Grauens“ Bilder von versiegelten Schottergärten aus ganz Deutschland. | Bild: Facebook/Gärten des Grauens
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