1. Ich bin es gewohnt 

Schon immer Fleisch gegessen? Das ist höchstens ein Zustand, aber kein Argument. Dass Menschen täglich mehrfach Tierisches essen, ist ohnehin eine junge Errungenschaft. In den meisten deutschen Familien war Fleisch der Ausnahmefall, der Sonntagsbraten war Kult und Delikatesse. Erst der Import von billigem Fleisch – Folge des offenen EU-Marktes – machte es möglich. Davor nährten sich breite Schichten von Brot, Gemüse, Kartoffeln und wieder Brot.

Wurst, Schnitzel, Steak und Co. landen bei vielen Menschen nahezu täglich auf dem Tisch.
Wurst, Schnitzel, Steak und Co. landen bei vielen Menschen nahezu täglich auf dem Tisch. | Bild: Klaus-Dietmar Gabbert, dpa

2. Mein Körper braucht Fleisch

Dieses Argument hört man oft, vor allem von Menschen, die körperlich schwer arbeiten – was ohnehin eine Minderheit ist. Tatsache ist, dass Fleisch sehr stark sättigt, da es Fette und Eiweiß zuführt. Durch den Ausbau der vegetarischen Speisekarten ist die fleischlose Küche längst adrett und vielfältig. Vorbei die Zeiten, als die Vegetarier mit „Nudeln mit Sauce“ abgespeist wurden, weil für sie nicht eigens gekocht wurde. Mit Tofu beispielsweise – für Fleischmenschen ein Schreckenswort – lässt sich sehr lecker und nahrhaft kochen. Aus Tofu lässt sich ein Gulasch herstellen, nach dessen Genuss ein durchschnittlicher Kalorienverwerter erst einmal pappsatt ist.

Sieht nur aus wie Fleisch: Auf dem Teller liegen verschiedene vegetarische Speisen.
Sieht nur aus wie Fleisch: Auf dem Teller liegen verschiedene vegetarische Speisen. | Bild: Andreas Arnold

3. Ich esse Fleisch, weil es bestimmte wertvolle Stoffe enthält 

An dem Argument ist was dran. Ein Steak beispielsweise enthält neben Eiweiß auch wertvolles Eisen, Zink, Selen und Formen von Vitamin B. Eisen ist schwer zu ersetzen, es ist aber möglich, wenn man sich mit Spinat anfreundet. Für die Entwicklungsgeschichte des Menschen ist der Fleischgenuss wichtiger als in der Gegenwart: Die Vorläufer des Homo Sapiens begannen, sich tierisch zu ernähren. Das förderte die Entwicklung seines Gehirns und sicherte endgültig den Vorsprung des Menschen vor anderen Säugetieren. Seine geistige Leistung heute ist von Fleisch nicht mehr abhängig; Vegetarier rechnen und denken nicht schlechter als karnivore Zeitgenossen.

4. Ich unterstütze heimische Viehzüchter

Das ist redlich gemeint, denn immerhin setzt der Fleischfreund nicht auf Lammlachs aus Neuseeland oder Filets aus Argentinien. Wenn Fleisch, dann heimisch. Die eigentliche Krux wird hier ausgespart: Fleisch ist zwar lecker, aber deutlich ungesünder als Gemüse oder Kartoffeln. Besonders in gebratenem oder geräuchertem Zustand zählt dessen Konsum zu den Ursachen von Krebs.

5. Vegetarier sind nicht umweltbewusster

Diese Ausrede ist als Befreiungsschlag gedacht nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Tatsache bleibt: Nichts ist so aufwendig wie die Gewinnung von Rindfleisch; für ein Kilogramm werden 15 Kilogramm CO2 fällig. Bei Obst und Gemüse sind es laut Umweltbundesamt weniger als ein Kilogramm. Selbst wenn man den unterschiedlichen Nährwert verrechnet, ist Rindfleisch noch immer ökologischer Luxus. Wer weniger Fleisch auf den Teller packt, leistet einen Beitrag für die Umwelt. Einschränkung: Wer als Vegetarier Käse oder Milch zu sich nimmt, ist auf Milchkühe angewiesen. Rinder sind zwar liebenswert, aber auch fröhlich grasende und gasende CO2-Kraftwerke.