1. Die CSU ist die neue Klimaschutzpartei. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will seine Partei stärken, wenn es sein muss, springt er dafür auch fürs Klima ein. Klimaschutz soll Staatsziel werden und ins Grundgesetz geschrieben werden. Dass die CSU noch im vergangenen Jahr denselben Vorstoß der Grünen – bekannt als Klimapartei – ablehnte? Geschenkt.
    Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will sich als Öko profilieren.
    Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will sich als Öko profilieren. | Bild: dpa
    Für Artikel 20 a hat der Weg ins kleine Büchlein übrigens erst 45 Jahre nach Inkrafttreten des Grundgesetzes geklappt. Man darf hoffen, dass Söder einen langen Atem hat für sein Projekt. Und einen guten Grund für seinen Sinneswandel hat. Zu Recht verhöhnt Grünen-Chef Robert Habeck nun die bayerische Unionspartei. Dem Klima hilft der Streit darum, wer nun die Klimapartei ist, jedenfalls wenig. (mim)
  2. Straftaten sollte man nicht instrumentalisieren und schon gar nicht voreilig. Die Bahnhofsattacke in Frankfurt hat Deutschland entsetzt. Schnell wird klar: Der mutmaßliche Täter stammt aus Afrika. Bevor weitere Einzelheiten bekannt werden, benennt AfD-Fraktionschefin Alice Weidel Mitschuldige: Ohne die Kanzlerin mit ihrer Flüchtlingspolitik wäre dieses Verbrechen nicht passiert. Später stellt sich heraus: Der Mann kam aus der Schweiz, ein Land, das sich die Bundesrepublik laut AfD migrationstechnisch zum Vorbild nehmen sollte.
    Hier geschah das Unfassbare: Blumen an Gleis 7 des Frankfurter Hauptbahnhofs.
    Hier geschah das Unfassbare: Blumen an Gleis 7 des Frankfurter Hauptbahnhofs. | Bild: dpa
    Dort war er schon lange vor dem Flüchtlingssommer von 2015 heimisch geworden. Zu seiner Schreckenstat führten ihn nach bisherigen Erkenntnissen psychische Probleme. Die gibt es leider in allen Nationen und Kulturen. Kurz innezuhalten, wäre hilfreich gewesen. (dil)
  3. Tiere sind nicht nur zum Essen da. Oder zum Streicheln. In Japan darf eine Universität an Mischwesen experimentieren. Dabei werden zum Beispiel Mäusen menschliche Stammzellen eingepflanzt. Ziel des Verfahrens ist das Züchten von Organen, die später zur Transplantation verwandt werden.
    Ein Rattenembryo. Forscher wollen menschliche Organe in Tieren züchten.
    Ein Rattenembryo. Forscher wollen menschliche Organe in Tieren züchten. | Bild: dpa
    Das wäre in Deutschland verboten. Mit Stammzellen darf nur sehr begrenzt hantiert werden. Anders in Japan, dort werden bewusst ethische Grenzen übersprungen, um die begehrten Organe für alte oder kranke Menschen zu gewinnen. Risiken nehmen die Forscher in Tokio offenbar in Kauf. Was ist, wenn das Experiment entgleist? Wenn die Maus zu sprechen beginnt? Der Preis für den erhofften Fortschritt ist hoch. Dessen erstes Opfer ist der Fall der Schranke zwischen Mensch und Tier. (uli)
  4. Richter sind auch nur Menschen. Der emotionale Ausbruch von Richter Stefan Bürgelin im Prozess um die Freiburger Gruppenvergewaltigung mag befremdlich wirken.
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    Er hatte Anwältin Kerstin Oetjen den Mund verboten – die wollte daraufhin den Richter absägen. Dass der Richter, der die Verhandlung über mindestens 27 Termine und 47 Zeugen führen muss, bisweilen die Geduld verliert, scheint aber nachvollziehbar, wenn nicht sogar verständlich.
    Gegen Richter Stefan Bürgelin wurde ein Ablehnungsgesuch gestellt.
    Gegen Richter Stefan Bürgelin wurde ein Ablehnungsgesuch gestellt. | Bild: dpa
    Elf Angeklagte, elf Verteidiger, drei Sachverständige, die Opferanwältin, die Jugendgerichtshilfe. Wenn dann ständig jemand dazwischenredet, kommt nichts mehr voran. Am Ende hatte die Verteidigerin Erbarmen und zog ihren Befangenheitsantrag gegen den Richter zurück. Dem kann man nur gute Nerven wünschen. Der Prozess wird noch dauern. (mim)
  5. Die Region landet nicht auf dem Abstellgleis. Aus der Region mit dem Zug bis zum Landtag von Baden-Württemberg in Stuttgart zu fahren, grenzt an ein Abenteuer. Der Zug dümpelt fast vier Stunden durch die Gegend – von Waldshut wie von Konstanz aus. Das spricht nicht für das Schienennetz, das hat auch das Land eingesehen und will vergessene Strecken reaktivieren.
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    Fünf Abschnitte aus der Region gehören zu den Auserwählten. Bis 2020 wird geprüft, ob sich die Investition lohnt.
    Fünf vergessene Bahnstrecken aus der Region könnten reaktiviert werden.
    Fünf vergessene Bahnstrecken aus der Region könnten reaktiviert werden. | Bild: ves
    Dass in Schwarzwald-Gemeinden wie Schramberg der Zug für den Schienenverkehr längst abgefahren ist, ist schon den Verkehrsexperten über Landesgrenzen hinaus bekannt. Vielleicht kann die Reaktivierung der Ablachtalbahn zwischen Stockach und Mengen ja den Ruf der Region wieder aufpolieren. (ww)
  6. Schiedsrichter sind nicht mehr nur Luft. Die Unparteiischen in der Fußball-Bundesliga haben für nächste Saison an Substanz gewonnen. Nicht etwa, weil sie als Leiter des Spiels noch mehr Entscheidungsgewalt dazubekommen haben, sondern weil sie künftig nicht mehr gasförmig sind.
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    Natürlich waren die Schiedsrichter schon immer aus Fleisch und Blut, nach den Regeln waren sie aber „Luft“. Sprang ein Ball also von einem Unparteiischen abgefälscht ins Netz, musste das als Tor gewertet werden.
    Schiedsrichter Deniz Aytekin gestikuliert auf dem Feld.
    Schiedsrichter Deniz Aytekin gestikuliert auf dem Feld. | Bild: dpa
    Solche magischen Luftströmungen wird es in Zukunft nicht mehr geben, denn die neuen Regeln in der Bundesliga besagen: Wird ein Unparteiischer angeschossen und sorgt damit für einen Wechsel des Ballbesitzes oder geht der Ball dadurch sogar ins Tor, gibt es Schiedsrichter-Ball. (hal)