Frau Brunschweiger, warum haben Sie dieses Buch geschrieben?

Zum einen natürlich aus biografischer Betroffenheit. Ich werde seit über zehn Jahren behelligt – teilweise von wildfremden Leuten – wann ich denn jetzt endlich meiner biologischen Pflicht nachzukommen trachte. Das ging mir irgendwann ziemlich auf den Senkel. Und der andere Punkt war einfach, dass viele Leute in Deutschland nicht wissen, welche Belastung es für das Klima bedeutet, wenn wir so massig neue Leute produzieren. Ich fasse ja nur zusammen, was außerhalb Deutschlands längst bekannt ist. Hier wird das ausgeklammert. Ich finde das heuchlerisch und auch falsch.

Sie beklagen in Ihrem Buch, dass der Mainstream in Deutschland ein ganz anderer ist. Hier heißt es eher: Wir haben zu wenig Kinder – wie kriegen wir mehr? Wie waren die Reaktionen auf Ihre Thesen?

Ich bin positiv überrascht, dass ich sogar einige positive Nachrichten und Reaktionen bekommen habe – gerade von Frauen, die tatsächlich erleichtert wirkten. Die haben dann so Sachen gesagt wie: Endlich spricht mir mal einer aus der Seele. Das hat mich dann schon gefreut. Die hatten ja bislang alle keine Stimme und keine Lobby in Deutschland. Mein bester Freund ist Vater und der findet das total cool und freut sich für meinen Erfolg. Es gibt ja auch coole Eltern – mit denen hänge ich dann rum. Ich differenziere in solche und solche Eltern. Natürlich gibt es Hardcore-Mütter, die sich völlig anders äußern. Aber die Zeit und Muße, mir das anzuhören oder das zu lesen, die habe ich nicht.

Das Cover des Buches «Kinderfrei statt kinderlos – ein Manifest» von Verena Brunschweiger.
Das Cover des Buches «Kinderfrei statt kinderlos – ein Manifest» von Verena Brunschweiger. | Bild: dpa

Sie unterscheiden zwischen coolen und offensichtlich nicht so coolen Eltern. Warum können Fragen des Elternseins nicht ohne Be- und Verurteilung diskutiert werden?

Wahrscheinlich ist es das pro-natalistische Dogma. Manche können es nicht verkraften, dass es auch Frauen gibt, die sich selbstbewusst anders entscheiden und dem obligatorischen Mütterclub eben nicht beitreten wollen – selbst wenn das aus Umweltgründen egal wäre. Als Radikalfeministin geht das mit meinen Überzeugungen aber ohnehin nicht zusammen.

Warum nicht?

Ich kenne tatsächlich solche sogenannten „Nur-Hausfrauen“, die in völliger Abhängigkeit von ihrem Mann leben, die nur für Wäsche und Haushalt und Kinder zuständig sind und für nichts sonst – und die in fünf Jahren nicht einmal gelacht haben. Das finde ich schon krass, wie man sich so entscheiden mag – angeblich freiwillig.

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Wann haben Sie für sich beschlossen, dass Sie keine Kinder wollen und dass das auch gut so ist?

Ich habe schon eine Weile überlegt – auch mit meinem Mann – und war mir auch nicht so sicher. Ausschlaggebend war dann tatsächlich diese Studie der kanadischen Wissenschaftler, die gesagt haben, der Verzicht auf Fleisch oder das Fliegen bringt nur einen Bruchteil von dem für die Umwelt was es bringen würde, ein Kind weniger zu bekommen. Da habe ich dann gesagt: Ok, klare Sache.

Würden Sie so weit gehen, zu sagen, dass es für die Erde das Beste wäre, die Menschheit stürbe aus?

Das ist mir persönlich eins zu krass. Aber ich verstehe, dass es Menschen gibt, die das gut fänden. Es wäre für die restliche Biosphäre natürlich nicht schlecht, wenn die sich mal ein bisschen erholen könnte vom Menschen und die Tiere und Pflanzen ein bisschen in Harmonie leben könnten. Aber wenn wir in Deutschland 38 Millionen statt 80 Millionen wären, dann würde es passen, dass eine Erde reicht. Aber momentan bräuchten wir drei Erden.

Sie sind Lehrerin. Hat das auch etwas mit Ihrer Entscheidung gegen Kinder zu tun?

Das hat mich einer meiner großen Schüler auch mal gefragt: „Wir reichen Ihnen, oder?“ Ich muss aber sagen, ich mag die schon. Bei meinen Schülern sind tolle Leute dabei. Es ist fast eher umgekehrt, dass ich mir denke: Mei, so ein tolles Mädchen. Wär vielleicht doch ganz schön. Aber jetzt ist es fix.

Nehmen Sie es Leuten übel, wenn die Kinder haben?

Nein, gar nicht. Das dürfte ich ja auch gar nicht – dienstlich gesehen.

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