Mit der Geschichte der arabischen Großfamilien in Deutschland ist kaum jemand so vertraut wie der Berliner Migrationsforscher Ralph Ghadban. Gerade ist sein Buch „Arabische Clans – Die unterschätzte Gefahr“ erschienen. Im Gespräch mit unserer Zeitung, erklärt er, dass die kriminellen Clans vor allem aus drei Gruppen stammen, die in den Wirren der zahlreichen Nahost-Konflikte zu Flüchtlingen wurden: Palästinenser, Libanesen und so genannte Mhallami-Kurden.

Clanstrukturen boten in Flüchtlingslagern Schutz

Meist seien sie zunächst in libanesischen Flüchtlingslagern gestrandet. Nur die Clanstrukturen, so Ghadban, hätten in dieser Phase Schutz vor Übergriffen geboten. Doch die Abschottung wirkte weiter, nachdem die Clans nach Deutschland gelangten. Der Weg führt durch ein Schlupfloch im Eisernen Vorhang, das ab 1976 genutzt wird. Berlin steht damals unter Verwaltung der Alliierten. Die Westmächte Frankreich, Großbritannien und USA erkennen die Umwandlung Ostberlins in die Hauptstadt der DDR nicht an und führen deshalb keine Grenzkontrollen durch.

Von Osten kann man also unbehelligt nach Westen gelangen. Ihre eigenen Bürger lässt die damalige DDR bekanntlich nicht ausreisen. Die Libanon-Flüchtlinge aber, die mit Maschinen der DDR-Fluggesellschaft Interflug aus Beirut oder Damaskus nach Ostberlin einreisen, hält niemand auf. Sie können einfach den Grenzübergang Friedrichstraße überqueren und in Westberlin Asyl beantragen. Das sie freilich in aller Regel nicht bekommen. Doch als Staatenlose, die oft keine Papiere besitzen, auch weil diese massenhaft „verloren“ gehen, können sie auch nicht ausgewiesen werden.

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Das heutige Problem ist handgemacht

Für Ghadban folgt ein Lehrstück für das, was passiert, wenn Integration scheitert. Oder vielmehr gar nicht erst versucht wird. Denn die Angehörigen der Familien dürfen nicht arbeiten, nicht studieren, für die Kinder wird sogar die Schulpflicht aufgehoben. Leistungen werden eingeschränkt, wohnen dürfen die Familien nur in Gemeinschaftsunterkünften. Immer mit dem Argument, sie müssten Deutschland ohnehin bald verlassen.

Wozu es freilich niemals kommt. So wächst eine Generation heran, die von Sozialleistungen lebt, sich schnell alle denkbaren Felder der Kriminalität erschließt, staatliche Autorität nicht anerkennt. Aus einer „falsch verstandenen Multikulti-Ideologie“, so Ghadban weiter, hätten die Behörden das Problem lange nicht wahrhaben wollen. Doch damit das Gemeinwesen keinen dauerhaften Schaden nehme, müssten die Clanstrukturen „gesprengt werden. Zumal die Gefahr drohe, dass junge Flüchtlinge dem „Clan-Modell“ nacheiferten.

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