Ob auf Netflix, Amazon Prime oder Sky, das Streamen von Videos im Internet wird immer beliebter. Laut einer Studie von ARD und ZDF verbringen 14- bis 29-Jährige in Deutschland in etwa genauso viel Zeit mit Netflix und Co. wie vor dem Fernseher. Diese Entwicklung hat jedoch ihren Preis. Denn was viele wohl nicht wissen: Wer streamt, verbraucht viel Strom und trägt damit zu einem höheren Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) bei.

Das kritisiert mittlerweile auch die Politik. Die Grünen haben jetzt „ökologische Leitplanken“ bei der Digitalisierung gefordert. Bis 2030 könnte der Anteil der Digitalisierung am weltweiten Stromverbrauch auf 20 bis 50 Prozent ansteigen. Haupttreiber für den Stromverbrauch sei „insbesondere die rasche Verbreitung und Nutzung von Streaming- und Video-on-Demand-Diensten“.

So erklärte die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, die in der EU-Kommission für das Thema zuständig ist: „Mit der Digitalisierung wird der Energieverbrauch zunehmen.“ Als Grund nannte sie insbesondere das energieintensiven Streamen von Filmen im Internet. Und auch die Grünen sehen Handlungsbedarf: Sie fordern neue Konzepte und verweisen dabei ebenfalls auf den hohen Stromverbrauch beim Streamen.

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Streaming-Plattformen brauchen so viel Strom wie alle Privathaushalte in Deutschland

Der Strom zum Aufladen der Endgeräte fällt dabei kaum ins Gewicht. Verantwortlich sind die Orte, wo die Videos zum Abruf gelagert werden: Rechenzentren. Laut dem Freiburger Ökoinstitut entspricht der jährliche weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren und Übertragungsnetzen mit etwa 500 Terrawattstunden schätzungsweise dem gesamten Strombedarf Deutschlands. Dem Versorger Eon zufolge hätten 2018 allein die Streaming-Plattformen so viel Strom verbraucht wie alle Privathaushalte in Deutschland, Italien und Polen zusammen.

Weshalb verschlingen die Rechenzentren so viel Strom? Laut dem Borderstep Institut in Berlin benötigt vor allem die Kühlung der Server viel Energie. Hinzu kommt, dass durch die zunehmende Digitalisierung immer mehr Rechenzentren benötigt werden. Ein Grund: Viele Dienste werden in die Cloud verlagert. Simon Hinterholzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Borderstep, erklärt dies so: „Wenn ich zum Beispiel eine schnellstmögliche Route auf Google Maps berechne, dann wird das im Rechenzentrum gemacht und nicht auf meinem Endgerät.“

Neben Videos werden auf Servern also auch viele andere Daten gespeichert – Bilder zum Beispiel, E-Mails oder auch WhatsApp-Nachrichten. Ihr Anteil am Datenvolumen ist laut der französischen Denkfabrik „Shift Project“ mit 20 Prozent jedoch vergleichsweise gering. Der Rest der weltweit auf Servern gespeicherten Daten sind Videos, die meisten davon Filme und Serien auf Plattformen wie Netflix oder auch Amazone Prime (34 Prozent). Damit erzeugen Videos indirekt rund 306 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Das entspricht etwa einem Prozent des gesamten jährlichen Ausstoßes.

Nutzer können ihren Stromverbrauch reduzieren

Simon Hinterholzer betont, dass Verbraucher durch ihr Nutzungsverhalten den Stromverbrauch in Rechenzentren durchaus reduzieren können – vor allem im Bereich des Streaming. „Ein Video in 4 K zu schauen, nur, weil es möglich ist, erzeugt enorm hohe Datenvolumina, die dann über die Telekommunikations-Infrastruktur und auch die Rechenzentren übertragen werden müssen.“ Sein Tipp lautet deshalb: Die Auflösung der Videos bei Netflix, Amazon Prime und anderen Anbietern reduzieren. „Für das Smartphone ist Full HD vollkommen ausreichend“, sagt er.

Ähnlich sieht das auch Steffen Lange, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung in Berlin. Er sagt: „Es ist schon verrückt, dass wir Videos auf dem Handy mittlerweile in einer höheren Auflösung schauen, als wir sie früher auf dem Fernseher geschaut haben.“ Aus seiner Sicht müsste jedoch auch die Menge der gestreamten Videos reduziert werden. Lange empfiehlt deshalb, für den Klimaschutz entweder ganz aufs Streaming zu verzichten oder den Filmchen-Konsum zumindest zu reduzieren. Der Forscher vergleicht dies mit dem Entschluss, weniger Fleisch zu essen oder auf das Auto zu verzichten.

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So reduziert man den Energieverbrauch

  • Netflix: Um die Auflösung von Videos in Netflix zu ändern, öffnen Sie zunächst die App auf Ihrem Smartphone. Danach tippen Sie auf die drei waagerechten Balken links unten. Unter „Konto“ wählen Sie „Wiedergabe-Einstellungen“. Nun können Sie unter „Datenverbrauch pro Gerät“ „Niedrig“ auswählen. Dies entspricht der Basis-Videoqualität mit einem Verbrauch von bis zu 0,3 Gigabyte pro Stunde.
  • Amazon Prime: Tippen Sie in der prime Video-App auf Ihrem Smartphone auf das Zahnrad oben rechts. Unter „Streaming und Download“ wählen Sie „Streaming Qualität“. Nun haben Sie die Wahl zwischen „Optimal“, „Besser“, „Gut“ und „Data Saver“. Aktivieren Sie den „Data Saver“ werden für eine Stunde nur etwa 0, 14 Gigabyte Daten verbraucht. Zum Vergleich: Unter „Optimal“ sind es 1,82 Gigabyte Daten.
  • YouTube: In der App von YouTube können Nutzer festlegen, dass HD-Videos lediglich bei einer WLAN-Verbindung in hoher Qualität abgespielt werden – und sonst mit reduzierter Auflösung. Hierzu tippen Sie auf Ihr Konto-Bild oben rechts. Unter „Einstellungen“ wählen sie „Allgemein“ und dann „Mobile Daten begrenzen“.
  • Sky und DAZN: Die Apps von DAZN und Sky bieten nach Angaben von Teltarif.de keine Wahloptionen bei der Auflösung. Die Einstellung orientiert sich an der Bandbreite, die zur Verfügung steht. Zwar kann man die Datenverbindung manuell im Smartphone etwa von LTE auf UMTS umstellen. Das kann aber auch dazu führen, dass der Stream immer wieder abbricht.
  • Sparsam: Der Kurzmitteilungsdienst WhatsApp ist einer Studie zufolge besonders stromsparend. Für den Versand von 45 000 WhatsApp-Textnachrichten fallen nach Angaben des Energiekonzerns Eon nur neun Cent Stromkosten an. Stromfresser sind bei Smartphones vor allem die Hintergrundbeleuchtung, Telefonanrufe und sehr daten-intensive Apps wie Facebook. (sue/dpa)
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