Da muss man sich erstmal dran gewöhnen. Fotos mit Googles Pixel 4 werden besser, wenn man weit entfernte Objekte heranzoomt, bevor man den Auslöser drückt. Das ist neu.

Zwei Linsen und Hilfe von einer Software

Mit der vierten Generation des Pixel-Smartphones wirft Google einige gefühlte Smartphone-Weisheiten über den Haufen. Weg ist die Einfachkamera, auf die Google im Gegensatz zu anderen Herstellern bis zuletzt setzte. Nun gibt es zwei Linsen. Eine normale Kamera und eine Zoomlinse arbeiten jetzt zusammen und sorgen gemeinsam mit ordentlich Software und dem Visual-Core-Chip des Pixel für beeindruckende Bilder.

Mit Handgesten lässt sich beim Pixel 4 in der Musik-App zum nächsten Song wechseln.
Mit Handgesten lässt sich beim Pixel 4 in der Musik-App zum nächsten Song wechseln. | Bild: Zacharie Scheurer, dpa

Beginnen wir mit dem Zoom. War bislang der beste Weg zu Vergrößerungen von Handybildern die Aufnahme ohne Zoom mit anschließendem Ausschnitt, ist es nun genau anders herum. Beispiel Bahnhofsuhr. Macht man ein Foto vom Bahnsteig, ist die Uhr in der Distanz zwar noch so gerade eben lesbar. Zoomt man direkt auf die Uhr in der Distanz, ist sie auf dem Bild aber viel besser zu lesen.

Getrennte Belichtung möglich

Auch bei der Belichtung kann das Pixel 4 nun mehr als manch anderes hochwertiges Kamera-Smartphone. Die Software erlaubt im HDR+-Modus nämlich nun die getrennte Belichtung von Vorder- und Hintergrund oder hellen und dunklen Bereichen. Vorbei ist also die Zeit von Innenraumfotos mit überbelichteten Fenstern oder Freiluftbildern mit grauem Himmel. Zwei getrennte Schieberegler machen es möglich.

Erstaunlicher Nachtmodus

Auch der seit dem Pixel 3 verfügbare Nachtmodus wurde überarbeitet. Der leichte Gelbstich der ersten Generation ist Geschichte. Tippt man nun in der Kamera-App auf Nachtsicht, erhält man geradezu unheimlich lichtstarke Aufnahmen. Ein Beispiel: Das Foto des Berliner Innenhofs bei Nacht zeigt nicht nur die akkurate Fassadenfarbe, sondern stellt auch die erleuchteten Fenster der Nachbarwohnungen korrekt dar. Als Bonus sind auf der Aufnahme mehr Sterne über der Großstadt zu sehen als mit dem bloßen Auge.

Schnappschuss im Innenhof: Eigentlich war der Himmel mit bloßem Auge eher schwarz.
Schnappschuss im Innenhof: Eigentlich war der Himmel mit bloßem Auge eher schwarz. | Bild: Till Simon Nagel, dpa

Noch etwas bescheiden kommt die neue Gestensteuerung daher. Ein Radarsensor oberhalb des Displays erkennt Winkbewegungen – so lässt sich etwa der nächste Song auswählen oder der Klingelton stummschalten. Das funktioniert schon recht gut, wenn auch nicht perfekt.

Erst zoomen, dann knipsen: Pixel-4-Nutzer müssen für bestmögliche Bildqualität umdenken.
Erst zoomen, dann knipsen: Pixel-4-Nutzer müssen für bestmögliche Bildqualität umdenken. | Bild: Zacharie Scheurer, dpa

Gewohnt knapp bemessen ist der Gerätespeicher. 64 oder 128 Gigabyte und kein Speicherkartenplatz sind wenig für all die Fotos und Videos. Googles Lösung heißt hier: „In die Cloud“. Auf dem Pixel 4 ist die neue Bezahlwolke Google One vorinstalliert, es gibt drei Testmonate mit 100 Gigabyte Speicher gratis. Knapp ist auch die Kapazität der Batterie im kleinen Pixel 4. Die 2800 Milliamperestunden (mAh) bringen das Gerät gerade eben durch den Tag. Mittags liegt der Akku in der Regel bei 60 Prozent. Das größere Pixel XL mit seinen 3700 mAh hat hier mehr Puste.

Fazit: Fast schon zu gute Bilder

Wer zum Pixel 4 greift, bekommt Android in Reinform – zu einem in Deutschland überraschend moderaten Preis. Das Pixel 4 gibt es für 749 oder 849 Euro, für das Pixel XL werden 899 und 999 Euro fällig. Dafür gibt es ein Smartphone, das in Sachen Software das momentane Maximum aus Android herausholt und viele eigene interessante Ansätze mitbringt. Im Vergleich zu anderen Spitzen-Smartphones steht die vierte Generation des Pixel 4 gut da – und hat etwa bei der Kamera zum Teil die Nase vorne. Wünschenswert wären mehr Speicher und ein stärkerer Akku.

Schnellere Antworten

Mit dem neu im Pixel 4 eingebauten Pixel Neural Core findet noch ein Paradigmenwechsel bei Google statt. Sprachkommandos für den Google Assistant werden nun nicht mehr zwangsweise an Googleserver zur Verarbeitung geschickt. Das Sprachmodell liegt stattdessen auf dem Smartphone selbst, der Neural Core verarbeitet die Kommandos live. Spürbarstes Ergebnis: Der Sprachassistent ist nun pfeilschnell und außerdem schlauer. Die Neuerungen in Sachen Sprache sind allerdings zurzeit nur auf Englisch verfügbar – das deutsche Sprachmodell soll aber bereits recht weit vorgeschritten sein. (dpa)

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Was die neue Rekorder-App auf dem Pixel 4 alles zu bieten hat:

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