Gut. Romantiker finden auch ohne die Liebesdramen der gehobenen Rosamunde-Pilcher-Gesellschaft ihre Sehnsuchtsorte in Cornwall. Land's End heißt der magische Ort im äußersten Südwesten Englands. Von dort ist es nur noch 3147 Meilen nach New York. Das muss natürlich im Bild festgehalten werden.

Bild: Wallisch, Roland

Was dabei verwundert: Die obligatorischen Liebesschlösser, die an solchen exponierten Orten sonst anzutreffen sind, fehlen hier. Fast. Immerhin eines können wir entdecken mit Blick auf die vorgelagerten Inselchen, an denen schon so manches Schiff Bruch erlitten hat (und ehrlich: Ich habe es nicht aufgehängt, es hing da wirklich).

Bild: Wallisch, Roland

Wer schon dort in der Gegend ist, der sollte sich das Programm des Minack-Theaters anschauen fünf Kilometer Luftlinie von Land's End entfernt. Es ist ein Freiluft-Amphitheater. Die sehr steil ansteigenden Zuschauerränge sind in den Fels geschlagen, hinter der Bühne schlägt einige Zig Meter tiefer die Brandung des Atlantiks an den Fels.

Bild: Wallisch, Roland

Hamlet wurde gespielt. Aber seine berühmte Frage nach dem Sein oder Nichtsein trieb uns weniger um, als jene nach Regen oder Nicht-Regen. Aber wir haben Glück. Bis auf ein paar Tropfen, die Polonius' Tod im dritten Akt begleiten, geschehen alle übrigen Theatermorde der Shakespear'schen Tragödie im Trockenen.

Englands Südwestecke erkundet man am besten zu Fuß. Dafür gibt es den SWCP, des South West CoastPath. Da wäre beispielsweise der Abschnitt von Helston nach Lizard Point. Stürme und Strömungen haben dort vor Jahrhunderten die Sandbank The Loe geschaffen, die gleich nach Helston einen Meeresarm vollständig abgeriegelt hat.

Bild: Wallisch, Roland

Über das geschützte Hafenbecken von Mullion Cove setzt sich der Weg fort bis zum südlichsten Punkt Englands, der zugleich die Grenze markiert zwischen Atlantik und Ärmelkanal: Lizard Point. Südlicher kann man in England keinen Kaffee trinken.

Bild: Wallisch, Roland

Oder man wählt auf dem SWCP einen Abschnitt an der Westküste. Er eröffnet dem Wanderer ein weiteres geschichtliches Kapitel der Gegend, das heute zum Weltkulturerbe zählt: die Kupfer- und Zinnminen. Zwischen St. Agnes Head und dem Strand von Chapel Porth stehen vereinzelt die Maschinenhäuser der einstigen Minen und heben sich am Horizont ab.

Bild: Wallisch, Roland

Für heiratswillige Paare hat dieses westliche Cornwall noch ein besonderes Angebot. Wer glaubt, dass die Ehe besser hält, wenn sie tief unter der Erde geschlossen wurde, der gibt sich das Ja-Wort in der Poldark-Mine unweit von Helston. Das äußere Ambiente der Anlage strahlt allerdings nicht gerade Hochzeitskleidatmosphäre aus.

Bild: Wallisch, Roland

Einen Hochzeitsstrauß könnte man sich sparen. Cornwalls Natur ist sehr blumenreich. Was andere mühsam am Wohnzimmerfenster züchten, steht dort entlang des Wanderwegs einfach so rum: Orchideen.

Bild: Wallisch, Roland

Man kann auch pilgernd unterwegs sein in Cornwall: Zwischen St. Ives an der Nordküste und dem Mount St. Michael im Süden, folgt der Wanderer der Jakobsmuschel in Richtung von Santiago di Compostela. Der Mount ist so eine Art Taschenausgabe des französischen Mont St. Michel.

Bild: Wallisch, Roland

Zurück nach St. Ives geht's im Cabrio-Doppeldecker-Linienbus, was einem ganz neue Perspektiven eröffnet. St. Ives ist sicher eine der schönsten der vielen Kleinstädte in Cornwall.

Bild: Wallisch, Roland

Die Altstadt liegt auf einer Halbinsel. Dort steht die St. Nicolas Kapelle, von der aus man die Strände auf beiden Seiten der Halbinsel überblickt.

Bild: Wallisch, Roland

Übrigens, Englands Strände, zumindest hier in Cornwall, sind sehr sauber. Ab und zu findet man aber doch was. In diesem Fall eine Rose. Ich habe sie in den Sand gesteckt. Sieht gut aus, finde ich, würde vielleicht sogar den Ansprüchen von Rosamunde-Pilcher-Fans genügen.

Bild: Wallisch, Roland